Gesundheit

Fördermittel vom Land NRW für Herdecker Verein Pro Kid

Dr. Dörte Hilgard von Pro Kid und Koordinator Andreas Disselnkötter stellen Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster (von links) das Förderprojekt vor.

Dr. Dörte Hilgard von Pro Kid und Koordinator Andreas Disselnkötter stellen Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster (von links) das Förderprojekt vor.

Foto: Elisabeth Semme / WP

Herdecke.  Hilfe für Kinder mit Diabetes, wenn sie in die Schule gehen: Statt der Sozialämter ist nun der Verein Pro Kid aus Herdecke Anlaufstelle in NRW.

Eltern von diabeteskranken Kindern können aufatmen: Ihnen bleibt der Gang zum Sozialamt ab sofort erspart, wenn ihr Kind den Kindergarten oder die Schule besuchen soll und dort entsprechende Unterstützung benötigt. Denn die Landesregierung fördert jetzt ein Projekt des Herdecker Vereins Pro Kid, das dafür Sorge trägt, dass Diabetesberaterinnen in ganz NRW ohne großen bürokratischen Aufwand in die Bildungseinrichtungen gehen und dort das pädagogische Personal schulen können. Bislang mussten Eltern beim Sozialamt dafür eine sogenannte Eingliederungshilfe beantragen. Was viele aus Scham verweigerten. Dr. Dörte Hilgard, Geschäftsführerin des Vereins, und Projektkoordinator Andreas Disselnkötter informierten jetzt Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster über die aktuelle Entwicklung.

Zum Hintergrund: Jedes Diabetes-Kind wird von einem Diabetologen in einer Klinik oder in eigener Praxis behandelt. Wird ein solches Kind eingeschult, braucht es Unterstützung bei dem, was es bereits selbst kann. „Kinder ab dem sechsten Lebensjahr spritzen sich zwar selbst, aber sie müssen auch die richtige Menge spritzen. Das ist schwierig, wenn sie die Zahlen noch nicht können“, erklärt Dr. Dörte Hilgard die Notwendigkeit, dass Erzieher bzw. Lehrer in diesen Fällen helfen müssen, indem sie etwa die Kinder erinnern und beim Zahlenlesen unterstützen. „Lehrer müssen gar nicht spritzen, sondern nur genau wissen und hinschauen, was die Kinder tun“, so Hilgard.

Kinder bei ihrem Tun unterstützen

Für einen sicheren Umgang mit Diabetes-Kindern gehen Diabetesberaterinnen an Kitas oder Schulen und klären die Pädagogen auf. Lediglich zwei Stunden dauert eine solche Schulung. „Bislang standen Eltern vor dem Problem, dass sie dafür den Weg zum Sozialamt in Kauf nehmen mussten, um Eingliederungshilfe zu beantragen. Wobei Sozialämter diese Anträge auch gerne abgelehnt haben“, weiß Andreas Disselnkötter. „Es gibt Eltern, die ihre Kinder selbst in den Unterricht begleitet haben und irgendwann ihren Job aufgeben mussten“, so der Herdecker weiter.

Die bürokratische Hürde falle nun dank der Landesmittel in Höhe von 150.000 Euro für einen Zeitraum von drei Monaten weg: Sämtliche Diabetologen bzw. Diabeteszentren an Kliniken in ganz NRW können sich direkt an den Verein Pro Kid wenden, der sich um die weitere Koordination kümmert und etwa eine Diabetesberaterin an Schule oder Kita vermittelt. Neben der Koordination und Schulungen werden von dem Fördergeld auch Betreuer für Klassenfahrten bezahlt. Kliniken können die Teilnahme an dem Projekt beantragen; Pro Kid kümmert sich um alles weitere. „Dafür haben wir 15 Jahre gekämpft“, freut Dörte Hilgard sich über diesen Erfolg. Wenn auch der Weg für die Eltern nun einfacher geworden sei, so blieben dennoch die Ressentiments vieler Lehrer und Schulen, so Disselnkötter: „Schulen sind teils nicht kooperativ. Es geht darum, Berührungsängste abzubauen und Lehrern zu erklären, dass das, was zu tun ist, machbar ist und keineswegs eine medizinische Versorgung. Das kann jeder.“ So weigerten sich Schulen immer wieder, Kinder mit Diabetes aufzunehmen, und Lehrer hätten Angst überfordert zu sein oder gar – wie in Amerika üblich – verklagt zu werden. „Die Tendenz geht dahin, diabeteskranke Kinder auf Förderschulen zu schicken“, weiß Disselnkötter.

Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster schüttelt ungläubig den Kopf, als sie das hört: „Für Pädagogen müsste es doch eine Selbstverständlichkeit sein, sich schulen zu lassen, um diese Kinder unterstützen zu können und ihnen einen weitgehend normalen Schulalltag zu ermöglichen.“ Dörte Hilgard pflichtet ihr bei und ergänzt: „Es gibt aber auch Schulen, in denen das wunderbar läuft. Da machen Lehrer und Kinder das fantastisch.“ Übrigens: Andreas Disselnkötter und Dörte Hilgard sind zuversichtlich, dass die Fördergelder weiter fließen: „Der Landtag wird das im Etat für 2020 beschließen.“

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