Geschichte

Friedvolle Gedanken beim Spaziergang im Forst

Eine Senke wenige Meter neben einem Waldweg am Nacken: Ulrike Bettermann erinnert das an ihre Kindheit und ihr Spiel in Bombentrichtern. Wurde hier gekämpft und gelitten, fragt sie sich.

Eine Senke wenige Meter neben einem Waldweg am Nacken: Ulrike Bettermann erinnert das an ihre Kindheit und ihr Spiel in Bombentrichtern. Wurde hier gekämpft und gelitten, fragt sie sich.

Foto: Klaus Görzel

Herdecke.   Leserin Ulrike Bettermann fragt nach Ursachen für Senken und Wälle im Wald. Vieles sieht für sie nach Relikten aus Kriegszeiten aus.

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Wenn Ulrike Bettermann mit ihrem Hund Dinos im Wald unterwegs ist, hält es die Beiden nicht immer auf den großen Wegen. Gerne geht es mal über weichen Waldboden oder nur beim zweiten Blick erkennbare Trampelpfade durchs Gelände. Und dabei sind ihr immer wieder „diese eigenartigen Unebenheiten in der Landschaft“ aufgefallen. Löcher meint sie, Gruben, Gräben und Wälle, Terrassen und Plateaus. Was es wohl genau damit auf sich hat und ob das tatsächlich Spuren insbesondere des letzten Weltkriegs sind, wollte sie nun von der Redaktion wissen.

Erinnerungen an die Kindheit

„Ich habe als Kind in Trichtern gespielt“, erinnert sich die 72-Jährige an die Nachkriegszeit in Rummenohl. Viel später ist sie nach Herdecke gezogen. Oft ist sie hier durch den Wald gestreift, ohne sich dabei etwas zu denken. „Aber dann habe ich zum Beispiel diese Anlage gesehen“, sagt sie und zeigt auf eine tiefe Mulde gleich neben dem Grillplatz am Nacken. Am oberen Rand ist nacktes Gestein zu erkennen, in der Mitte steht ein Bienenhäuschen, kleine Anhöhen ragen aus der Senke empor. „Das ist kein natürliches Gelände“, stellt Ulrike Bettermann fest. Für sie ist das ein Ort zum Gruseln: „Im Geiste sehe und höre ich die Soldaten, wie sie sich verschanzen in diesem Hinterhalt. Schreie, Verwundungen, stiller Tod. Hier wurde gekämpft, getötet und gestorben“, stellt sie fest.

An diesem Ort am Nacken und an einigen anderen, die wie ehemalige Stellungen anmuten, ist das aber wohl nicht der Fall gewesen. Und doch liegt die Spaziergängerin nicht ganz verkehrt: Am Hang und auf den Höhen des Ardeygebirges hat es Flak-Stellungen gegeben, sind Gräben zum Schutz ausgehoben worden, haben Bomben der Alliierten Trichter hinterlassen.

Flak-Stellungen am Koepchenwerk

Bekannt sind die Gräben, die Lagerinsassen zu ihrer eigenen Sicherheit im Wald im Kleff angelegt haben. Die Senken neben dem Grillplatz und viele andere Gruben im Wald sind „Schürfgräben vom Erzabbau und Steinbrüche.“ Das weiß Peter Altmaier, der sich in Herdecke und der Herdecker Geschichte gut auskennt.

Selbst wenn sie künftig nicht mehr von jeder Pinge eine Brücke schlagen muss zu den Leiden des zweiten Weltkrieges, wird der Gedanke an die Bedeutung des Friedens sie auf ihren Spaziergängen mit Sicherheit weiter begleiten. Ein eigenes „Friedenszeichen“ hat sie schon gesetzt. Nach den Terroranschlägen von Paris vor drei Jahren hat sie ein kreisrundes Durchfahrt-Verboten-Schild zu einem Peace-Zeichen verwandelt.

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