Geschichte

Früher Naturschutz in Wetter wurde gerne unterlaufen

Auf der Weide war das ok: Schafe wie hier in Grundschöttel durften aber nicht in den Wald zum Weiden.

Auf der Weide war das ok: Schafe wie hier in Grundschöttel durften aber nicht in den Wald zum Weiden.

Foto: Gerhard E. Sollbach / WP

Wetter.  Ziegen galten als „Erbfeinde der Holzungen“. Auch Schafe durften in Wetter nicht im Wald weiden. Arme waren besonders hart davon getroffen.

Der Sinn und die Notwendigkeit nachhaltiger Naturnutzung waren auch schon lange bekannt, bevor das Wort „Ökologie“ in Umlauf kam. Das galt vor allem für den bis weit in das 19. Jahrhundert als Brennmaterial unverzichtbaren Rohstoff Holz. So musste vor 300 Jahren in Wetter jedes Brautpaar außer sechs Obst- auch noch sechs Eichenbäume pflanzen, bevor es getraut werden durfte. Das geschah in Befolgung einer landesherrlichen Anordnung, die vom preußischen König Friedrich I. noch als brandenburgischem Kurfürst am 30. Oktober 1694 erlassen worden war.

Heimliches Holzschlagen

Im Unterschied zu vielen anderen Orten hatte man diese Bestimmung in Wetter aber seither „stricte“ befolgt. Das geht aus der Antwort vom 28. März 1719 des Magistrats der Stadt auf eine entsprechende Anfrage des für den Steuerkreis nördlich der Ruhr zuständigen Steuerrat Friedrich Wilhelm Motzfeld hervor. Danach hatte der Rat auch nicht, wie in anderen Orten, von den Brautleuten eine – in die Gemeindekasse fließende – Geldzahlung als Sicherheit für eine mögliche spätere Erfüllung der Baumpflanzungs-Pflicht genommen.

Doch damals wie heute haben die Menschen aus Gier oder früher oft aus Not nicht nach der Kenntnis der Notwendigkeit einer nachhaltigen Naturnutzung auch gehandelt und daher ungeniert Raubbau in dem Waldbestand auf dem Wetter Berg und heutigen Harkortberg betrieben. Nachdem die Grafschaft Mark und damit auch Wetter 1808 Teil des von Napoleon I. neu geschaffenen Großherzogtums Berg geworden war, veranlasste die neue großherzoglich-bergische Regierung eine Besichtigung der vorhandenen Wälder.

Diese Besichtigung ergab laut einem Schreiben vom 24. April 1809 des für das Gebiet nördlich der Ruhr zuständigen großherzoglich-bergischen Forstinspektors Johann Wilhelm von Hobe, dass der Wettersche Wald „auf dem Berg“ zum Teil „sehr ruinirt“ war. Dazu hatten auch die ärmeren Bewohner beigetragen. Nach einer bei der Teilung der Wetterschen Mark am 17. März 1780 getroffenen Vereinbarung durften sie nämlich weiterhin Totholz und Laub in den jetzt in Privateigentum übergangenen Waldstücken sammeln.

Heimlich gehackt

Dabei haben sie aber heimlich immer wieder Holz geschlagen. Deshalb ordnete der Forstinspektor an, dass zwecks besserer Kontrolle das Leseholz- und Laubsammeln nur noch zweimal in der Woche, nämlich mittwochs und samstags, geschehen dürfe. Auch wurde strikt verboten, dabei Beile oder andere scharfe Instrumente mitzuführen.

Der langfristigen Sicherung des Holzbedarfs der Bewohner diente auch das bereits 1718 vom Rat der Stadt Wetter erlassene Verbot, Schafe und Ziegen im Wald zu weiden, weil diese Tiere durch das Abweiden der Pflänzlinge das Nachwachsen der Bäume verhinderten. Die im Wald aufgegriffenen Tiere wurden in den Pfandstall gebracht und mussten von dem Besitzer ausgelöst werden. Doch gegen das Verbot wurde ständig verstoßen.

Vor allem die ärmeren Bewohner waren für ihre Ernährung auf Schaf und vor allem Ziege als Milchgeber angewiesen. Im Rahmen ihres Forstschonungs-Programms erneuerte die großherzoglich-bergische Regierung am 2. Dezember 1808 aber ein entsprechendes älteres bergisches Verbot. Da vor allem Ziegen die Baumpflänzchen radikal abweideten, wurden sie von dem seinerzeit noch als königlich-preußischen Oberforstbeamten der Grafschaft Mark amtierenden J. W. von Hobe 1791 auch als die „Erbfeinde der Holzungen“ bezeichnet.

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