Gericht

Fünf Jahre Haft für Frauen-Würger

Opfer-Anwältin Heike Tahden-Farhat (Gevelsberg): „Frauen, die sich nach Liebe sehnten, wurden schamlos ausgenutzt.“

Opfer-Anwältin Heike Tahden-Farhat (Gevelsberg): „Frauen, die sich nach Liebe sehnten, wurden schamlos ausgenutzt.“

Foto: Michael Kleinrensing

Herdecke/Hagen.   Die Herdeckerin, die von ihrer Internet-Liebe misshandelt wird, ist kein Einzelfall. Laut Gutachten „ein Psychopath mit parasitärem Lebensstil“.

Er schaute kurz verdutzt auf, wankte leicht, und hielt sich dann – sichtlich geschockt – an der Tischkante fest: Fünf Jahre Gefängnis. So lautete das überraschende Urteil gegen den rabiaten Mann (34), der seine Ex-Lebensgefährtin (34) aus Herdecke bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt hatte (wir berichteten gestern). Das Strafmaß der 6. Kammer des Hagener Landgerichts fiel damit härter aus, als es Staatsanwältin Sandra Ley beantragt hatte.

Frau japst verzweifelt nach Luft

Der Vorwurf, den das Gericht als bestätigt ansah: Am 11. November, einem Sonntag, war es gegen 18 Uhr in einer Wohnung im Weg zum Poethen in Herdecke zu einem Streit zwischen dem rasend eifersüchtigen Angeklagten und seiner Ex-Lebensgefährtin gekommen. Er unterstellte ihr, sie hätte absichtlich ihr Handy ausgeschaltet, weil da ein anderer Mann im Spiel sei.

Und so boxte er ihr mehrfach der Faust ins Gesicht – würgte sie mit seinen Händen (die Richterin: „Ein ganz massiver Angriff gegen den Hals“) – womöglich bis zu drei Minuten lang. Die zierliche Herdeckerin japste verzweifelt nach Luft und wurde dann bewusstlos. „Akut lebensgefährdend“, befand eine Rechtsmedizinerin.

Die gravierenden, lang anhaltenden Folgen für das Opfer: Ausgeprägte Würgemale am Hals, starke Einblutungen in beiden Augen, Prellungen im Kiefer- und Jochbeinbereich, Schwellungen im Nacken, ein Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades sowie ein zeitweiliger Gedächtnisverlust.

Dass die Herdecker Tat kein Einzelfall war, stellte sich am zweiten Verhandlungstag eindrucksvoll heraus. Mohamed P., orientalisches Aussehen, auffällig tätowiert, mit glitzernden Ohrringen und gepflegtem Kinnbart, ist ein Heiratsschwindler des Internetzeitalters. Der Deutsche mit indischen Wurzeln und ohne festen Wohnsitz ist schon seit Jahren auf verschiedenen Dating-Portalen unterwegs. Dort sucht er gezielt nach Frauen, die er charmant umgarnt, denen er die große Liebe vorgegaukelt.

Mit drei Taschen Schmutzwäsche

Dabei macht er sich gern um ein paar Jahre jünger, verschweigt, dass er bereits mit zwei Frauen verheiratet ist (mit einer standesamtlich, mit der anderen nach islamischem Recht) und natürlich unterschlägt er auch seine vier oder fünf Kinder.

Innerhalb kürzester Zeit zieht er bei den ahnungslosen Frauen ein: So wie bei der 32-Jährigen aus Münster, die sich fast zur selben Zeit, als die Tat in Herdecke geschah, hoffnungslos in ihn verliebte hatte: „Er kam mit drei Taschen Schmutzwäsche und gab mir echt das Gefühl, dass ich ihm was bedeute. Ich hab ihm die Wäsche gewaschen. Wenn man macht, was er will, holt er Sterne vom Himmel.“

Eine tickende Zeitbombe

Die Zeugin, in Begleitung ihres Vaters, merkt, wie ihre Traumwelt vor Gericht zusammenbricht. Sie ist eine von vielen Frauen, die vom Angeklagten belogen und betrogen wurden und bricht in Tränen aus: „Er kann auch furchtbar jähzornig werden. Dann ist er gefährlich.“

Aus Eifersucht hätte er getobt, die Bilder von den Wänden gerissen, „meine ganze Wohnung auseinandergenommen“. Im Streit hätte er ihr um den Hals gegriffen, kräftig zugedrückt, „ganz doll. Ich bin abgesackt, konnte nichts mehr sagen, nur noch nach Luft ringen.“ Heute glaubt sie: „Der ist eine tickende Zeitbombe.“

Ein psychologisches Gutachten bestätigt das: Es stuft den Angeklagten im Bereich eines Psychopathen mit dissozialer narzisstischer Persönlichkeit ein. Seine zahllosen Affären, sein parasitärer Lebensstil: Die vielen Frauen, mit denen er zusammen war, waren ihm schon nach kurzer Zeit völlig egal.

Opfer-Anwältin Heike Tahden-Farhat (Gevelsberg): „Frauen, die sich nach Liebe sehnten, wurden von ihm schamlos ausgenutzt.“

Das Gericht erkannte auf gefährliche Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung. Das Geständnis sei deutlich strafmildernd berücksichtigt worden. Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt: „Die Frau litt lange unter den Folgen. Das mussten wir hier berücksichtigen.“

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