Kneipenserie

Netzwerk Rauchen bezeichnet Rauchverbot als Diskriminierung

Vor dem absoluten Rauchverbot in NRW konnte in Kneipen noch geraucht werden, wie hier im Haus Pfingsten in Herdecke.

Vor dem absoluten Rauchverbot in NRW konnte in Kneipen noch geraucht werden, wie hier im Haus Pfingsten in Herdecke.

Foto: Privat

Die Meinungen von Netzwerk Rauchen und Pro Rauchfrei zum Rauchverbot in Kneipen gehen weit auseinander. Dehoga hat Umsatzeinbußen prognostiziert.

Das Nichtraucherschutzgesetz hat seinerzeit für viele Diskussionen gesorgt. Auch heute, zwölf Jahre nach der Verabschiedung, ist es bei betroffenen Verbänden und Vereinen noch immer Thema.

„Wir haben von Anfang gesagt, dass das absolute Rauchverbot sich unterschiedlich in der Gastronomie-Landschaft niederschlagen wird“, sagt Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes NRW. Konkret bedeutet das, dass die getränkeorientierte Gastronomie mehr darunter zu leiden habe als die Speisegastronomie. So sei es in den Kneipen zu den „befürchteten Umsatzeinbußen“ gekommen.

Rauchverbot ist nicht der einzige Grund für Kneipensterben

Allerdings lasse sich nicht sagen, dass das Rauchverbot alleine für das Kneipensterben verantwortlich ist: „Es ist mit Sicherheit ein Grund für die Probleme, aber die Kneipen hatten es vorher schon nicht leicht. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich ihnen zulasten verschoben. Das Rauchverbot hat diesen Prozess wie ein Katalysator beschleunigt“, erklärt Hellwig.

Netzwerk Rauchen sieht das anders: „Viele Kneipen mussten schließen. Wenn diskriminierende Gesetzgebung ihnen [den Rauchern] das ,verlängerte Wohnzimmer’ raubt, bleibt das nicht ohne Konsequenzen“, so Christoph Lövenich. In jenen Kneipen, die sich über Wasser halten konnten, habe „die gesellige Atmosphäre stark gelitten“.

Pro Rauchfrei lehnt Raucherkneipen ab

Dem widerspricht der Verein Pro Rauchfrei: „Das Wohlfühlklima und die Geselligkeit in den Kneipen hat zugenommen, weil die Streitigkeiten zwischen Rauchern und Nichtrauchern aufgehört haben“, sagt Siegfried Ermer. Existenzen gingen nur dort verloren, „wo die wachsende Zahl der gesundheitsbewussten Nichtraucher durch Tabakgestank ausgeladen wird“.

Der Verein lehnt Raucherkneipen und Raucherräume „ohne Ausnahmen“ ab: „Die Regelungen in Bayern, NRW und dem Saarland haben gezeigt, dass nicht nur die Nichtraucher sondern auch die meisten Raucher damit mehr als zufrieden sind.“

Netzwerk Rauchen empfindet das Verbot vielmehr als „Raucherdiskriminierung, da vom Umgebungsrauch keine Gefahren ausgehen“. Hier positioniert man sich auch gegen gesetzliche Rauchverbote in der Speisegastronomie: „Wenn Wirte dafür bestraft werden, dass sie auch Speisen anbieten, ist das absurd“, so Christoph Lövenich.

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