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Futter-Flut überschwemmt das Tierheim Witten

Tierheimleiterin Kirsten Simon begutachtet mit Kater Simon die Berge aus Dosentiernahrung im Tierheim Witten/Wetter/Herdecke.  Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Tierheimleiterin Kirsten Simon begutachtet mit Kater Simon die Berge aus Dosentiernahrung im Tierheim Witten/Wetter/Herdecke. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Foto: Jürgen Theobald (theo)

Wetter/Herdecke/Witten.   Das Tierheim kann die überwältigenden Futterspenden „nicht mehr bewältigen.“ Ausgerechnet die Pflege der Vierbeiner leidet unter dem Aufwand.

Wer dem Hahn Guten Tag sagen möchte, muss über Berge aus Dosen und Säcken steigen. Aber die Futterspenden stapeln sich nicht nur hier: Paletten stehen im Flur, in Gehegen – überall. „Es ist überwältigend“, bedankt sich Tierheim-Leiterin Kirsten Simon. Seit unsere Redaktion über fehlendes Futter berichtet hat, verbringt die 42-Jährige ihren Tag fast ausschließlich damit, Futterspenden entgegenzunehmen. Zu ihrer Dankbarkeit gesellt sich Verzweiflung. „Wir können das nicht mehr bewältigen. Wir werden überrollt.“

Sechs Meter lang, fast zweieinhalb Meter hoch und ebenso breit ist der Lager-Container, der üblicherweise mit rund zehn Futtersäcken gefüllt war. „Man konnte dort hineingehen und geordnet etwas auf die Regale stellen“, sagt Azubi Tim Eilbracht. Regale sieht man jetzt nicht mehr. Nur Trockenfutter – bis unter die Decke gestapelt.

Marktleiter kauft Futter nach

„Wir haben schon einen zweiten Container mieten müssen, an der Stockumer Straße steht er“, erzählt Kirsten Simon. „Und der ist auch schon fast voll.“ Vielleicht mietet sich das Team an der Wetterstraße bald noch einen dritten. Schließlich ist das Futter hier am trockensten und sichersten gelagert. Und das Außengehege für die Nager kann ja auch nicht ewig als Alternativ-Stellraum genutzt werden. „Wir haben Glück, dass wir gerade keine Kleintiere haben, die dringend Auslauf benötigen“, betont die Leiterin des Tierheims.

Selbst die Trockenfutterregale in der „Fressnapf“-Filiale in Annen haben die hilfsbereiten Spender komplett leergeräumt. „Der Markleiter ist noch nach Ladenschluss zu anderen Filialen gefahren, um Trockenfutter nachzukaufen“, berichtet eine Mitarbeiterin unserer Zeitung. Schließlich sei ihr Team überhaupt nicht auf die vielen Käufer vorbereitet gewesen. „Das nächste Mal sollte man uns vorwarnen, dann bestellen wir mehr.“

Kirsten Simon wird niemanden abweisen, der bereits Futter gekauft hat. „Aber wer erst jetzt noch etwas kaufen möchte, dem sage ich freundlich, dass wir genug haben.“

Tieren ein neues Zuhause schenken

Manch einer nehme ihr das krumm, sagt sie. „Einige Leute sind deswegen böse auf uns, aber wir wissen einfach nicht mehr wohin.“ Ausgerechnet die Tiere würden inzwischen unter der großen Hilfsbereitschaft leiden, ergänzt Azubi Tim Eilbracht. „Denn wir haben aufgrund der ganzen Logistik viel weniger Zeit für ihre Pflege.“ Wer also noch etwas tun möchte, der hilft den Tieren am besten direkt – und schenkt ihnen ein neues Zuhause. Denn überfüllt ist das Tierheim weiterhin: Etwa 50 Hunde und 25 Katzen leben dort derzeit. „Unter den Spendern haben sich auch einige Interessenten eingetragen. Aber man weiß nie, ob es am Ende wirklich etwas wird“, sagt Simon. Eine andere Möglichkeit, dem Tierheim zu helfen: Gutscheine verschenken. Schließlich ist das jetzige Futter auch irgendwann einmal aufgebraucht. Auch wenn dann schon das nächste Jahrzehnt begonnen haben könnte.

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