Corona-Krise

Gastronomen in Wetter und Herdecke setzen auf Außenflächen

Mit Heizpilzen und anderen Ideen bzw. Gegenständen wollen Josephine Hagemann, Geschäftsführerin von AGL aus Volmarstein, und Vertriebsleiterin Andrea Rommel (rechts) die Gastronomie sowie Bäckereien ausstatten, damit diese in der Corona-Zeit gut durch den harten Winter kommen.

Mit Heizpilzen und anderen Ideen bzw. Gegenständen wollen Josephine Hagemann, Geschäftsführerin von AGL aus Volmarstein, und Vertriebsleiterin Andrea Rommel (rechts) die Gastronomie sowie Bäckereien ausstatten, damit diese in der Corona-Zeit gut durch den harten Winter kommen.

Foto: Steffen Gerber

Wetter/Herdecke.  Die Corona-Krise hat Restaurants, Cafés und Imbiss-Betriebe auch in Wetter sowie Herdecke hart getroffen. Jetzt die kalte Zeit. Helfen Heizpilze?

Es wird kälter. Der Herbst ist da, der Winter steht bald auch vor der Tür. Gutes Stichwort: Viele Gastronomie-Betreiber machen sich Sorgen, ob sie ihr Geschäft angesichts der Corona-Krise auch im nächsten Frühling oder Sommer noch aufschließen können. Denn die letzten Wochen zeigten trotz schwieriger Umstände in Sachen Hygiene und Abstandhalten eindeutig, dass Restaurants mit Außenflächen klar im Vorteil sind.

Entsprechend groß ist auch wegen einer zweiten Pandemie-Welle die Befürchtung, dass nach dem sommerlichen Wetter viele Kunden demnächst nicht in die Innenräume wollen. Also läuft die Suche nach Lösungen für die kalte Jahreszeit.

Der Volmarsteiner Gastronomie-Ausstatter AGL habe entsprechende Rückmeldungen aus Restaurants und Bäckereien erhalten. Und sich darauf eingestellt, heißt: Der Betrieb von Geschäftsführerin Josephine Hagemann bietet neuerdings Heizpilze an. Sowohl mit Gas als auch elektrische Varianten, als Standgerät für draußen oder als Infrarot-Strahler an der Wand. „Damit reagieren wir auf Anfragen unserer Kunden. Denen wollen wir ja helfen und sie vor der Insolvenz bewahren“, sagt Hagemann.

Sie und Andrea Rommel vom AGL-Vertrieb haben oft besorgte Wirte am Telefon. Oder auch Verantwortliche von Bäckereien. „Die fürchten mit Blick auf die Zulassungsbeschränkungen von zwei Personen im Innenraum, dass bei schlechtem Wetter kaum jemand vor der Filiale warten will und womöglich zum Discounter abwandert.“ Daher biete die Firma auch dieser Klientel Decken, Regenschirme, Ponchos, Hauben oder wetterfeste Dekorationsgegenstände an. „Pavillons, unter die sich wartende Kunden vor der Tür stellen könnten, sind vielfach nicht zugelassen.“

Kritik wegen Umweltverträglichkeit

Das wirft Fragen auf. Etwa jene zur Umweltverträglichkeit von Heizpilzen. „Wir denken nachhaltig, diese Lösung dient einer Übergangszeit und richtet sich etwa an Kunden in wirtschaftlicher Not“, meint Josephine Hagemann.

Im Stadtgebiet von Wetter gibt es kein Heizpilzverbot, heißt es aus dem Rathaus. Und: „Wir erheben seit Jahren für die Außengastronomie keine Sondernutzungsgebühr mehr, sondern nur noch eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 22 Euro je Genehmigung“, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit, wie sie Restaurants und anderen helfen können. „Wegen Corona haben wir auf diese Verwaltungsgebühr verzichtet, um die Gastronomen zu unterstützen.“ Hinzu komme noch die Einführung der Wetterkarte als Stadtgutschein.

Verzicht auf 17.000 Euro

Den gibt es auch in Herdecke, wo Heizpilze ebenfalls erlaubt sind. Dort laufen ebenfalls Bestrebungen zugunsten dieses gebeutelten Wirtschaftszweigs. Seit Mitte März zahlen Gastronomen keine Sondernutzungsgebühren für Außenflächen, nach Rücksprache mit der Politik verzichtet die Stadt so 2020 auf 17.000 Euro Einnahmen . Die Höhe des Abgabebetrags richtet sich nach der jeweiligen Größe des Areal.

Zudem dürfen Betreiber von Restaurants, Cafés oder Imbiss-Läden ihre Tische und Stühle draußen großzügiger als in „normalen“ Zeiten aufstellen, um Abstandsvorgaben zu erfüllen. Hier und da, so hieß es aus dem Rathaus, beraten Verwaltungs-Mitarbeiter auch Gastronomien bezüglich der Corona-Anforderungen. Demnach eher im Miteinander als konfrontativ.

Verzicht auf 17.000 Euro

Auch bei Herdecker Gastronomen laufen Überlegungen, wie sie ihre Geschäfte in den nächsten Wochen auch außerhalb der Innenräume fortsetzen können. Zwei Beispiele.

Sabine Preuten als Inhaberin von Pasta Passion & Pane in der Fußgängerzone berichtet, dass durch die Corona-Vorgaben Platzfragen von entscheidender Bedeutung seien. Auch Kunden ihrer Nudelmanufaktur strebten in den vergangenen Monaten sehr häufig einen Platz im Freien an. „Viele Gastronomen in Herdecke haben ja das Glück, über Außenflächen zu verfügen“, sagt Sabine Preuten, die angesichts ihres Lieferangebots stets viele Kontakte zu Restaurant-Betrieben auch außerhalb der Stadt habe. „Wer nur innen etwas anbieten konnte, hat mancherorts seinen Laden wieder abgeschlossen.“

Wie der Krise begegnen? Preuten will jetzt im Herbst und Winter ihre Außengastronomie fortsetzen. Und zwar mit Gewächshäusern, bekannt aus Gärtnerei-Betrieben. „Ich wünsche mir, dass ich zwei kleine Gewächshäuser und ein großes mit einem Vierer-Tisch vor dem Geschäft in der Fußgängerzone aufstellen darf.“ Von der Stadt Herdecke habe sie erfreuliche Signale bekommen. Sollten Brandschutz- und Rettungsweg-Fragen dem Vorhaben nicht im Weg stehen, will Preuten bald einige Gäste in provisorischen Glasbauten bewirten – ohne Heizelemente. „In einem Gewächshaus wird es schnell warm, wenn sich dort Menschen aufhalten.“

Zeltkonstruktion als Alternative

Ein paar Meter weiter denkt auch Nathaniel Stott als Betreiber des Kultur-Pubs The Shakespeare über andere Wege nach. „Ein Drittel der Gäste will sich nur draußen aufhalten, ein weiteres Drittel der Kundschaft kommt nach wie vor nicht, der Rest geht auch in die Innenräume.“ Der Engländer, der nach fünf Jahren Pub-Betrieb den Pachtvertrag nun verlängert hat, plant daher zweigleisig. Im Pub selbst will er mit entsprechenden Corona-Regeln zum Beispiel Wohnzimmerkonzerte in der ersten Etage anbieten. Vor der Tür hofft er auf Pavillons oder Zeltvarianten, in die er mit entsprechender Wärmequelle Kundschaft locken kann. Heizpilze lehnt er wie auch Sabine Preuten ab

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