Reanimierung

Gegen die Angst vor der Wiederbelebung

Laienreanimation am GSG: Intensivpfleger Lars Schilling erklärt den Schülerinnen Esra, Weronika, Melanie und Hannah Details zur Übungspuppe „Little Anne“.

Foto: Ann-Kathrin Kohlhaw

Laienreanimation am GSG: Intensivpfleger Lars Schilling erklärt den Schülerinnen Esra, Weronika, Melanie und Hannah Details zur Übungspuppe „Little Anne“. Foto: Ann-Kathrin Kohlhaw

Wetter.   „Laienreanimation kann jeder“ – das Projekt, das Leben retten kann, wurde jetzt am Geschwister-Scholl-Gymnasium vorgestellt.

„Wer von euch hat Angst davor, jemanden zu reanimieren?“, fragt Lars Schilling die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Fast alle Hände gehen nach oben. Lars Schilling, Intensivpfleger aus Hagen, und Jürgen A. Weber, Anästhesist und Notarzt aus Herdecke, besuchten jetzt Achtklässler der weiterführenden Schule in Oberwengern im Namen des Projektes „Laienreanimation kann jeder“.

Vortrag vor der Stufe

In der Aula versammelten sich knapp 80 Schüler, unter ihnen einige Schulsanitäter, und hörten den beiden medizinischen Fachkräften knapp 60 Minuten lang zu. Angefangen mit einer kleinen Biologielektion erklärte der Intensivpfleger, wieso die Herzdruckmassage so wichtig ist und was passiert, wenn keine Erste Hilfe geleistet wird.

Dazu gehörte auch die Veranschaulichung des Kreislaufs von Blut und Sauerstoff. Im Anschluss verdeutlichte Weber, dass „jeder ein Held sein kann, unabhängig davon, wie es dem Patienten nachher ergeht. Solange versucht wurde, zu helfen, ist nichts falsch.“ Dem stimmte Projektleiter Lars Schilling zu und ergänzte: „Mache ich nichts, und dieser Mensch bleibt einfach bewusstlos dort liegen, stirbt er. Gebe ich aber alles, was ich kann und denke nicht groß drüber nach, überlebt er. Leute, man kann nichts falsch machen, wenn man es versucht, es geht hier ums Überleben.“

Doch die Schüler mussten nicht nur stumm sitzen und zuhören, sie wurden auch immer wieder mit eingebunden. So sollten sie unter anderem die Telefonnummer nennen, unter der ein Rettungswagen alarmiert werden kann.

Zum Abschluss des Vortrags fragte Schilling die Schüler, was denn nun die wichtigsten drei Wörter bei einer Reanimierungsmaßnahme sind. Sofort antworteten diese mit „prüfen, rufen und drücken“. Wie der Pfleger selber zeigte, sollten möglichst viele Sinne zum Einsatz kommen, wenn überprüft wird, ob jemand bei Bewusstsein ist und atmet. Erst danach soll ein Rettungswagen gerufen werden. Bis der eintrifft, führt man eine Herzdruckmassage durch.

Im Rhythmus der Bee Gees

Als Nächstes ging es für die Klassen in ihren Räumen weiter. An der Übungspuppe „Little Anne“ konnten die Schüler im Klassenverband das Wiederbeleben testen. Mit Hilfe der zwei Besucher fanden sie den richtigen Rhythmus, und Details zum Feststellen des Bewusstseins wurden genauer erläutert.

Jürgen Weber stellte es gleich in einem Fallbeispiel dar: „Wisst ihr, wieso ihr diese Person laut und deutlich ansprechen sollt? Stellt euch vor, diese Frau kann nur schlecht hören, ist bei Bewusstsein und nimmt euch wegen der Lautstärke nicht wahr. Zwar passiert dem Herzen nichts, wenn ihr eine Herzdruckmassage durchführt, doch die Rippen der Dame sind durch. Das muss nicht sein, daher immer mehrmals laut ansprechen.“

Bei den Jungen funktionierte es mit der richtigen Lautstärke schon, es haperte allerdings mit dem Tempo. Ideal ist es, 100 mal pro Minute zu drücken. „Um den Rhythmus hinzubekommen, könnt ihr auch einen Song singen. Die Bee Gees mit „Stayin’ Alive“ sind ein Paradebeispiel dafür“, erklärt Schilling. Da die meisten Schüler den Hit von 1977 nicht kannten, wurde kurzerhand das Handy gezückt. So gab es musikalische Unterstützung beim Üben.

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