Soziales

Gemeinsam für das „Wir“ in der Stadt Wetter

„Wir in Wetter“ (von links): Ata Alkousani, Kathrin Zeller, Hans Pieper, Omar Alkhatieb, Bernadette Huber und Edda Sichelschmídt

Foto: Susanne Schlenga

„Wir in Wetter“ (von links): Ata Alkousani, Kathrin Zeller, Hans Pieper, Omar Alkhatieb, Bernadette Huber und Edda Sichelschmídt Foto: Susanne Schlenga

Wetter.   Ein neuer Verein hilft Flüchtlingen und sozial Benachteiligten. Die Mitglieder wollen in enger Zusammenarbeit mit Fremden die Integration fördern

Wenn drei Deutsche zusammensitzen, gründen sie einen Verein. Ganz so ist es bei den Neu-Mitgliedern von „Wir in Wetter“ nicht, aber irgendwie passt das Klischee mit dem Verein doch. Denn Badee Alkhoury, Gründungsmitglied und Syrer, freut sich dabei zu sein. Auch, weil er nun Vereinsmitglied ist, wie so viele Deutsche.

Doch Klischee beiseite: Wir in Wetter will helfen – geflüchteten Menschen und sozial Benachteiligten. Dafür stehen die zwölf Gründungsmitglieder. Und das schon länger. Bevor es eine Vorsitzende, Kassenwart und Beisitzer gab, haben sich die Wetteraner bereits in der Flüchtlingshilfe engagiert. Seit zwei Jahren schon. „Den Verein haben wir gegründet, damit es an manchen Stellen einfacher wird“, sagt Edda Sichelschmidt, die die Kasse von Wir in Wetter führt.

Viel Gerede, wenig Lösungen

2015 hat die Stadt Wetter Bürger aufgerufen, Patenschaften für Flüchtlinge zu übernehmen. Viele sind damals gekommen, und viele sind auch geblieben. Regelmäßig gab es einen Erfahrungsaustausch für diese Helfer.

Auch Edda Sichelschmidt und Cathrin Zeller haben daran häufig teilgenommen. „Es wurden viele Probleme angesprochen“, erinnert sich Sichelschmidt. „Aber es wurden wenig Lösungen gesucht.“ Der engagierten Wetteranerin reichte es irgendwann nicht mehr, mit den Gleichgesinnten die Schwierigkeiten, die bei der Flüchtlingsbetreuung auftauchten, zu besprechen. Sie wollte handeln und fand in Cathrin Zeller und einigen weiteren Paten Gleichgesinnte. Ihr erstes Projekt: Wohnraum für die Geflüchteten finden.

Ein Verein hat mehr Gewicht

Doch schnell wurde klar, dass es schwer ist, „als Privatperson zum Beispiel Vermieter anzusprechen“, erinnert sich Cathrin Zeller, dass allein EN-Wohnen der Einladung gefolgt ist. „Wenn nicht Edda Sichelschmidt, sondern ein Verein einlädt, hat das mehr Bedeutung“, hoffen die Wir-in-Wetter-Mitglieder künftig auf mehr Resonanz für ihre Aktivitäten.

Dass das so sein kann, haben die Vereinsmitglieder bereits beim Seefest erlebt. Dort gab es einen Stand, den schon der Vereinsname zierte. „Und wir hatten alle Wir-in-Wetter-T-Shirts an“, sagt Edda Sichelschmidt. Die bunte Gruppe bekam viel Zuspruch – für gutes Essen wie für die Tänze, zu denen sich Flüchtlinge und Paten spontan zwischen den Seefest-Ständen zusammenfanden. Allerdings sei bei diesem Auftritt nicht so klar geworden, wofür „Wir in Wetter“ eigentlich steht. „Und das soll sich jetzt ändern“, sind sich die Vereinsgründer einig.

Man will das vielfach vorhandene Know-How der Flüchtlingspaten und anderer Unterstützer bündeln. Und dazu auch das Wissen der Geflüchteten selbst mehr nutzen. „Wir müssen die Kompetenzen dieser Menschen genauso einbinden“, sieht Edda Sichelschmidt auch den Verein als ein Stück Integrationsarbeit. Ein Anfang ist bereits gemacht. Omar Alkhatieb, der sein in Syrien begonnenes Maschinenbaustudium nun in Deutschland beenden will, gibt Nachhilfe in Mathematik. Und trainiert bei der Vereinsarbeit sein Deutsch. „Eine Sprache kann man nicht allein in Integrationskursen lernen“, sagt er. Dazu muss man mit Menschen zusammenkommen.

Jeder ist willkommen

Wichtig ist den Vereinsmitgliedern, dass jeder bei ihnen willkommen ist. „Unser Verein ist unabhängig, steht keiner Partei oder Religion nahe“, sagt die Vorsitzende Cathrin Zeller. In der Satzung ist die Grundhaltung, anderen Menschen zu helfen, niedergeschrieben. Und die Verpflichtung, in den Vorstand auch Geflüchtete aufzunehmen. Ansonsten hat sich ein „bunt zusammengewürfelter Haufen“ zusammengefunden. Hausfrauen und Büroangestellte, Pflegekräfte und Rentner, jeder mit einem Talent, das er schon jetzt für andere einsetzt.

Praktische Hilfestellungen, das gehört zu den Aufgaben, die die Vereinsmitglieder übernehmen wollen. Doch es gibt auch ein Ziel, das quasi über allem steht: „Wir wollen die Angst vor der Fremde und dem Fremden überwinden helfen“, sagt Edda Sichelschmidt. Ein Satz, den man mehrfach lesen muss, um den doppelten Sinn zu erkennen. Es geht sowohl um die Angst der Menschen, die zu uns gekommen sind. Die viel Neues lernen, die in einer fremden Sprache zurecht kommen müssen. Und die immer wieder mit der Angst vor den Fremden konfrontiert werden. Eine Angst, die nach Ansicht der Vereinsmitglieder unbegründet ist.

„Integration ist keine Einbahnstraße“

„Diese Menschen sind da und bringen auch ihre eigene Kultur mit. Da müssen wir auch Dinge akzeptieren“, sagt Edda Sichelschmidt und denkt zum Beispiel an die laute und fröhliche Art Feste zu feiern. „Integration ist keine Einbahnstraße“, betont auch Cathrin Zeller und sagt, dass man als erstes ein Nachbarschaftsfest organisieren will. „Das ist eine leichte Übung.“

Doch auch schwierigere Themen wollen die Wir-in-Wetter-Akteure angehen. „Die Situation der geflüchteten Frauen ist oft schwierig“, so Zeller. Sie betreuen ihre Kinder, einen Kita-Platz gibt es erst ab dem 5. Lebensjahr. „Da gibt es kaum die Chance, zum Beispiel Sprachkurse zu besuchen.“ Hier will der Verein ansetzen und Kurse samt Betreuung organisieren. „Dazu brauchen wir Fördergelder und Partner.“ Und um die zu bekommen, braucht es den Verein.

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