Medizin

Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke schließt Diabetes-Ambulanz

Diabetes-Schulungskurs im Garten Avalon: Dr. Ansgar Thimm (hier ein Bild aus 2018) hat sich mit seinem Team viele Aufgaben für zuckerkranke Kinder am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke einfallen lassen. Das gibt es nun nicht mehr.

Diabetes-Schulungskurs im Garten Avalon: Dr. Ansgar Thimm (hier ein Bild aus 2018) hat sich mit seinem Team viele Aufgaben für zuckerkranke Kinder am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke einfallen lassen. Das gibt es nun nicht mehr.

Foto: Steffen Gerber

Herdecke.   Ab Juli behandelt das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke in der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin niemanden mehr mit Diabetes mellitus.

Schlimm, skandalös. Schockzustand, Tränen: So beschreibt eine Leserin aktuelle Vorgänge im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke (GKH). Dort schließt Ende Juni die Kinder-Diabetes-Ambulanz. Die pikante Note: Mit Dr. Dörte Hilgard spielt dabei ausgerechnet jene Ärztin, die diese Behandlungen inklusive Schulungskursen von 1999 bis Ende 2017 aufgebaut hat, eine Rolle.

Die Fakten: Ab dem 1. Juli gibt es in der GKH-Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin keine Behandlungen mehr für junge Patienten mit der Hauptdiagnose Diabetes mellitus. Dieser Schritt sei der Unternehmensleitung nicht leicht gefallenen, heißt es auf Anfrage.

Rund 200 junge Patienten betroffen

Betroffen seien neben einem eingespielten Team auch ca. 200 junge Patienten und ihre Familien. „Für die ist das besonders schlimm, weil bei chronischen Krankheiten wie Diabetes die intensive und kompetente Betreuung mit vertrauten Bezugspersonen sehr wichtig ist und den Umgang mit der Krankheit sehr erleichtern kann“, schreibt eine betroffene Mutter.

Das Krankenhaus verweist auf eine endgültige und auch nach erfolgtem Widerspruch nicht zu wendende Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), dem GKH die Zulassung zur ambulanten Diabetes-Behandlung zu entziehen. Begründet wird die rechtskräftige KV-Entscheidung damit, dass eine ambulante Diabetes-Behandlung am GKH für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Betroffenen nicht notwendig sei, da eine in Witten niedergelassene Kinderdiabetologin genügend Kapazitäten dafür zur Verfügung habe. Der Grundgedanke: Diese Vorgabe soll niedergelassene Ärzte davor schützen, dass Ambulanzen in den Krankenhäusern ihnen Patienten wegnehmen.

Eine „nur“ stationäre Behandlung von Diabetes-Patienten ohne die Möglichkeit, diese auch ambulant zu behandeln, macht aber laut Krankenhaus inhaltlich keinen Sinn. Darüber hinaus seien die personellen und räumlichen Strukturen, die Voraussetzung für die Zertifizierung als Diabetes-Zentrum sind, an die Existenz einer funktionsfähigen ambulanten Behandlungsmöglichkeit gekoppelt. „Wir bedauern diesen leider notwendig gewordenen Schritt außerordentlich, da dadurch ein Arbeitsbereich, der über viele Jahre erfolgreich und auf qualitativ hohem Niveau von den Mitarbeitern aufgebaut und weiterentwickelt wurde, wegfällt“, teilt Prof. Dr. Alfred Längler als Ärztlicher Direktor sowie Chef der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin mit. Er dankt den Mitarbeitern ausdrücklich für das in der Vergangenheit gezeigte große Engagement zum Wohl der Patienten. „Wir gehen davon aus, dass die medizinische Versorgung, wie von der KV dargelegt, in der Region sichergestellt ist.“

Dr. Hilgard zur Kooperation bereit

Den Schwarzen Peter weist Dörte Hilgard von sich. „Es wäre eine Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus möglich gewesen“, sagt die Ärztin, die vor eineinhalb Jahren das GKH verließ und seither eine Praxis in Witten führt. Sie habe von der KV die Frage erhalten, ob sie die Diabetes-Behandlungen leisten kann und das bejaht. „Ich habe dem Krankenhaus eine Kooperation angeboten, das war seitens der Unternehmensleitung aber scheinbar nicht gewünscht. Die wollten das wohl alleine umsetzen.“ Aus einer anderen Quelle war zu vernehmen, dass Dörte Hilgard sich Einigungsversuchen widersetzte.

Die Ärztin hat – so bestätigen es viele – über Jahre sorgfältig und mit viel Herzblut mitgearbeitet, damit am GKH diese Diabetes-Betreuung möglich sein konnte und entsprechend viele Kollegen mitausgebildet. Gerade die Abstimmung mit anderen Abteilungen habe in Westende gut funktioniert. „Daher ist das schon bitter, wenn das, was man initiiert hat, nun endet“, sagt Dr. Hilgard. Sie kündigt zwei Sommer-Kurse für junge Diabetiker an, die der Verein Pro Kid mit ihr als Vorsitzende in Kürze anbietet.

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