Ausbildung

Geomatiker helfen im EN-Kreis während der Corona-Krise

Geomatik-Azubi David Bühne und Ausbilderin Sarah Kischel gehen die einzelnen Schritte der Routenplanung für die mobilen Corona-Tests durch. Auch dafür ist das GIS-Team zuständig. 

Geomatik-Azubi David Bühne und Ausbilderin Sarah Kischel gehen die einzelnen Schritte der Routenplanung für die mobilen Corona-Tests durch. Auch dafür ist das GIS-Team zuständig. 

Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Ennepe-Ruhr.  Kreativ, sorgfältig, teamfähig und mathematisch begabt – diese Attribute sollten Geomatiker mitbringen.

Anschaulich soll es sein. Übersichtlich. Und informativ. Der Leser soll auf einen Blick erkennen, wo es welches Angebot gibt. Ob man das in einer Karte darstellen kann? David Bühne, Geomatik-Azubi beim Ennepe-Ruhr-Kreis, sitzt mit Mitarbeitern aus dem Bereich Gesundheits- und Sozialplanung zusammen. Sie arbeiten an einem Bericht zum Thema Pflege und benötigen Hilfe bei den Grafiken.

Bühne nickt. Das kriegt er hin. Denn das Visualisieren von Geodaten ist die Hauptaufgabe eines Geomatikers – und damit genau sein Ding. Bühne macht sich an die Arbeit, stellt sich die Fragen, die am Anfang eines jeden Projekts stehen: Was möchte ich zeigen? Welche Daten brauche ich dafür? Wo bekomme ich sie her? Wie setze ich das grafisch um? Gezeigt werden sollen alle Pflegeeinrichtungen im gesamten Kreisgebiet, sie sind in einer Excel-Tabelle des Fachbereichs aufgelistet. Bühne beschließt, die unterschiedlichen Typen von Einrichtungen verschiedenfarbig darzustellen.

Visualisierung von komplexen Inhalten

Am Computer öffnet er sein Hauptwerkzeug, das Geoinformationssystem (GIS), mit dessen Hilfe Geodaten erfasst, verwaltet, analysiert und ausgegeben werden können. Der Auszubildende wählt eine geeignete Hintergrundkarte, sucht die Adressen, markiert die Standorte. Er färbt sie je nach Einrichtungstyp ein, erstellt die Legende, hält Rücksprache mit dem Fachamt. Am Ende steht das gewünschte Produkt, eine übersichtliche Karte. Seit er vor knapp zwei Jahren die Ausbildung zum Geomatiker begonnen hat, hat Bühne schon einige Erfahrungen mit solchen Projekten gesammelt. Zum Beispiel als im vergangenen Winter die Ergebnisse verschiedener Messungen zur PCB-Belastung in Ennepetal vorlagen. „Könnt ihr uns das visualisieren?“, fragte die Umweltabteilung. Bühne und seine Kollegen erstellten Säulendiagramme, integrierten sie an den Messstandorten in die Karte.

„Wir sehen uns als Dienstleister“, sagt Guido Michels, Leiter des Bereichs Geoinformationen und Statistik, „die Anfragen kommen aus ganz verschiedenen Fachgebieten“. Jeder im Team arbeite an unterschiedlichen Projekten.

Die Einsatzgebiete der Geomatiker, die Menge an Projekten, bei denen eine Analyse von Geodaten sinnvoll ist – sie scheint schier unendlich. So zeigt eine Broschüre, die das Geonetzwerk.metropoleRuhr herausgegeben hat, Best-Practice-Beispiele aus der Region: In Herdecke wurde ermittelt, wo sich die Bürger im öffentlichen Raum wohlfühlen und wo nicht und was die Standortwahl bestimmter Einrichtungen damit zu tun hat. Manchmal grübele man stundenlang, probiere verschiedene Dinge aus – und scheitere. „Und dann hat man doch die zündende Idee. Da sind nicht nur Informatikkenntnisse und logisches Denken gefragt, sondern auch eine gute Portion Kreativität“, sagt Rose. „Wer gewohnt ist, nach Schema F zu arbeiten, wird damit nicht glücklich.“ Eine neue Aufgabe hat das GIS-Team, gemeinsam mit zwei Kolleginnen aus dem Vermessungsbereich, auch seit Ausbruch der Corona-Pandemie übernommen.

Effiziente Wege

Als der Ennepe-Ruhr-Kreis im März die mobile Diagnostik einführte, damit begann, Kreisbewohner in ihren eigenen vier Wänden auf das Corona-Virus zu testen, musste ein Konzept her, wie alle Adressen am effizientesten angefahren werden können. Seitdem übernehmen je zwei Kollegen im Wechsel das tägliche Routing, auch der Auszubildende Bühne wurde dafür schon eingeteilt. „Auch dafür nutzen wir das GIS“, sagt er.

Der Krisenstab meldet dem Team täglich eine Liste mit Adressen. „Diese teilen wir geografisch sinnvoll so auf, dass jedes Fahrzeug, das wir losschicken, maximal zwölf Häuser anfährt“, erklärt Bühne. Dann verortet er für jedes Fahrzeug die Adressen im GIS, setzt an jede Adresse einen Punkt.

„Am Ende jeder Route muss das Labor liegen, in dem die Proben untersucht werden“, sagt er. Mithilfe des GIS berechnet er den zeitsparendsten Weg. „Das ist zwar nur ein kleiner Baustein in der Krisenstabsarbeit. Aber es zeigt, wie Geomatiker in aktuelle Themen einbezogen werden“, stellt Sarah Kischel fest, die momentan für die Ausbildung im Bereich Geoinformationen und Statistik zuständig ist. „Und dass sie auch in Krisensituationen gefragt sind, mitzuhelfen. Ein schönes Gefühl.“

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