Gewalt

Gewalterfahrung im EN-Kreis: Auch Täter können Opfer sein

Bei der Fachtagung „Gewalt – Ich behindert?!“ tauschen sich Frauen und Männer aus dem EN-Kreis zum Thema häusliche und sexualisierte Gewalt aus.

Bei der Fachtagung „Gewalt – Ich behindert?!“ tauschen sich Frauen und Männer aus dem EN-Kreis zum Thema häusliche und sexualisierte Gewalt aus.

Foto: Mikko Stig / dpa

Wetter/Ennepe-Ruhr.  „Gewalt – Ich behindert?!“: Rund 60 Frauen und Männer aus der Anti-Gewalt-Arbeit und aus der Behindertenhilfe besuchen eine Fachtagung.

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Es ist wie ein Teufelskreis: Menschen, die eine Behinderung haben, erfahren nicht selten auch Gewalt in ihrem Alltag. Und Gewalt macht krank und kann zudem zu einer weiteren Behinderung führen. Im Ennepe-Ruhr-Kreis arbeiten das Frauenheim Wengern und Gesine Intervention daher seit vielen Jahren gemeinsam an neuen Wegen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und sich für ein Leben ohne Gewalt für Frauen und Männer mit Behinderung stark zu machen.

Die Bewohnerinnen des Frauenheims arbeiten von Anfang an aktiv mit. Denn: Partizipation und Leadership von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sind bei ihnen das gelebte Motto. In einer Fachveranstaltung unter dem Titel „Gewalt – Ich behindert!?“ wurden die Ergebnisse und Erfolge der Zusammenarbeit dem Fachpublikum im Stadtmuseum in Hattingen vorgestellt. „Tolle Veranstaltung. Tolles Thema. Tolle Atmosphäre. Tolle Bewirtung. Bitte öfters.“ Rund 60 Teilnehmende gratulierten am Ende den Veranstalterinnen.

Rückblick auf lange Zusammenarbeit

Zu Beginn der Veranstaltung sprach Landrat Olaf Schade ein Grußwort. Darin lobte er die gute Zusammenarbeit beider Institutionen aus dem EN-Kreis und erinnerte an die bisherigen Leistungen, die hieraus schon resultierten. Dazu gehören zum Beispiel die Frauengruppe „Mutig und Stark“, der Leitfaden oder das Frauencafé aus Anlass des Internationalen Tages gegen häusliche Gewalt. Edelgard Spiegelberg, Gesamteinrichtungsleiterin des Frauenheims in Wengern, dankte dem Landrat auch im Namen von Marion Steffens von der Gesine Intervention, und Andrea Stolte, Leiterin der Gesine Frauenberatungsstelle, für seine immerwährende Bereitschaft, sich gegen häusliche und sexualisierte Gewalt einzusetzen.

Edelgard Spiegelberg wies in ihrer Begrüßung auf die fast zehnjährige und außergewöhnliche Zusammenarbeit einer Frauenberatungsstelle mit einer Einrichtung der Behindertenhilfe hin. Ebenso außergewöhnlich seien die Teilnehmenden an dieser Fachveranstaltung in ihrer bunten Vielfalt aus klassischen Anti-Gewalt-Einrichtungen des Runden Tisches, aus Einrichtungen, die Frauen und Männer mit Behinderungen unterstützen und den Frauenbeauftragten der Werkstätten.

Ebenso dazu gehören die Mitarbeiter der Frauenberatungsstellen, Gleichstellungsbeauftragte, Jugendämter, Bewährungshelfer, Frauenhäuser, Anbieter stationärer, teilstationärer und ambulanter Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderungen, das Kompetenzzentrum für Frauen und Mädchen, das Netzwerkbüro Frauen und Mädchen mit Behinderungen NRW und die Koordinierungsstelle der KSL NRW. Sie alle waren von den Themen, den Ausführungen und den Diskussionen auf der Fachtagung begeistert.

Ein Beitrag zum Opferschutz

Der Vortrag der erkrankten Dr. Monika Schröttle von der Universität Erlangen-Nürnberg wurde vorgelesen und zeichnete die Gewalt im Leben von Menschen mit Behinderung nach. Marion Steffens erläuterte, wie Gewaltschutz inklusiv entwickelt werden kann und muss. Danach präsentierte die Frauengruppe des Frauenheims „Mutig und Stark“ ihre Arbeitsweise. Ingrid Backhaus, Bereichsleiterin im Frauenheim, zeigte anhand eines Bewohners, dass Täter auch Opfer sein können.

Das Frauenheim Wengern unterstützt nicht nur Frauen, die von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen sind, sondern begleitet auch Täter. Täter, die überwiegend selber Opfer von Gewalt geworden sind. Roland Hertel, Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt Berlin, erläuterte, dass das Arbeiten mit gewalttätigen Männern ein Beitrag zum Opferschutz sei.

Nach den Vorträgen aus Forschung und Praxis wurde abschließend ausgewertet, welche Perspektiven für den EN-Kreis aus dem Gesagten entwickelbar sind.

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