Umwelt

Wetter: Nutrias vermehren sich an der Ruhr rasant

Eine Nutria schwimmt in einem Seitenarm der Ruhr. Die Population der Nager ist rasant gestiegen.

Eine Nutria schwimmt in einem Seitenarm der Ruhr. Die Population der Nager ist rasant gestiegen.

Foto: Jürgen Theobald

Wetter/Witten.  Mit Sorge beobachten Naturschützer, dass die Nutrias sich an der Ruhr zwischen Wetter und Witten schnell vermehren. Sogar ein Albino ist dabei.

Große Nager fühlen sich am Ruhrufer wohl – das beobachten Naturschützer und auch die Kreisjägerschaft schon seit Jahren mit Sorge. So ist die Nutria-Population in der Ruhr bei Witten zuletzt rasant angestiegen. Naturexperte Martin Maschka konnte dies vor Kurzem im Naturschutzgebiet Ruhrauen an der Stadtgrenze Wetter/Witten feststellen. Im Zuge der Renaturierung des 3,7 Kilometer langen Flusslaufs wurde auch der Lauf des Stollenbachs verlegt. Aus einer Höhle guckte dabei plötzlich ein Nutria heraus. Eines? Nein, 17 weitere folgten und dackelten schnurstracks in Richtung Ruhr. Gezählt wird der Bestand im Ruhrtal von der Kreis-Naturschutzbehörde nicht, auch Maschka kennt keine genaue Zahl.

Dass aber sogar ein weißes Nutria zu einem großen Tier auswachsen und sich fortpflanzen konnte, erstaunt Martin Maschka allerdings. Er schätzt das Tier, das auf Höhe des Campingplatzes Steger in Bommern lebt, auf zweieinhalb Jahre. Albinismus sei eine Pigmentstörung. Das normale braune Fell tarne Jungtiere vor Feinden wie Hecht, Wels oder Greifvögeln.

Doch dieser Albino hat überlebt. Einem ausgewachsenen, teils 15 Kilo schweren Nutria tritt kaum noch ein Tier entgegen, das würden sowieso nur großgewachsene Füchse oder Wölfe schaffen. Von Hunden lassen sich manche Nutrias zwar erschrecken. „Aber ihre Scheu vor Menschen haben viele Tiere verloren“, weiß Maschka.

Am Campingplatz Steger zählen die Nutrias zu willkommenen Besuchern, die sich teilweise sogar aus der Hand füttern lassen. An diesem grauen Wintertag paddelt der Albino zusammen mit einem weit größeren braunen Nutria vorm Bootsanleger herum, knabbert an einigen Zweigen oder steht auf dem Steg. Seit Ende Oktober habe das hellfarbige Tier oft sogar seinen Nachwuchs im Schlepptau, weiß Campingplatzbesitzer Hans-Peter Steger.

Kalter Winter reduziert die Population

Dass sich die Zahl der Nutrias immer weiter erhöht, beunruhigt Steger indes nicht. Auch die aus Nordamerika stammende Bisamratte hätte sich eine Zeit lang in den Ruhrauen breitgemacht, wurde durch die Nutrias vertrieben. Mitunter rufe er auch den Jäger. „Aber wenn man fünf entnimmt, gehen die anderen sofort in ihre Kammer und machen neue“, witzelt er.

Tatsächlich reduziere nur „ein richtig knackiger Winter den Bestand“, sagt Experte Martin Maschka. „Nutrias stammen aus Südamerika und sind Frost nicht gewohnt.“ Sie würden zwar Höhlen buddeln, bauen sie aber im Gegensatz zu den Bibern nicht zu einem Dammsystem mit trockener Wohnfläche aus. „Die graben einen so kleinen Bau, dass der Schwanz noch ins Wasser hängt. Mitunter friert den Nutrias einfach der Schwanz ab. Dann sieht man Exemplare mit Stummelschwänzen.“ Und wenn es so mild bleibt wie bisher? „Dann haben wir im nächsten Jahr noch mehr Nutrias.“

Bereits vor zwei Jahren hatte der damalige Vorsitzende der Kreisjägerschaft EN, Otmar Benner, darauf hingewiesen, dass die Tiere keine natürlichen Feinde mehr haben. Mit den Nagern werde es genau so ein Problem wie mit Schwarzwild und Füchsen, hatte er prophezeit. Durch die Nutria seien nicht nur Fische bedroht: „Für Gänseküken und Entengelege sind sie auch eine Gefahr.“

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