Geschichte

Gruppenbilder zeigen Unterschiede in Herdecke

Der Heimat- und Verkehrsverein hat die dritte Ausstellung in der Sparkasse eröffnet. 

Der Heimat- und Verkehrsverein hat die dritte Ausstellung in der Sparkasse eröffnet. 

Foto: Yvonne Held

Herdecke.  Oberflächlich betrachtet sind es Bilder vergangener Zeiten. Wer genauer hinsieht, kann aus der Ausstellung viel über die Herdecker ableiten.

Beim dritten Mal ist es eigentlich schon Tradition. Diese Aussage von Frank Mohrherr, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse HagenHerdecke, war eigentlich mit einem Augenzwinkern gemeint, hat aber durchaus wegweisenden Charakter. Denn die Ausstellung, die der Heimat- und Verkehrsverein Herdecke wieder auf die Beine gestellt hat, schöpft nur einen kleinen Teil des riesigen Fundus aus. Geschichtsinteressierte dürfen also auf eine Fortsetzung gespannt sein.

Doch erstmal sind die Stellwände sehr gut bestückt und zwar mit Gruppenfotos aus der Herdecker Gesellschaft von 1900 bis 1950. Anhand der Bilder sollen zwei Perspektiven betrachtet werden – die historische und die soziologische. Und Frank Mohrherr bringt es auf den Punkt: „Die Menschen haben viel erlebt, das Kaiserreich mit dem Ersten Weltkrieg, die hoch politisierte und krisenhafte Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus mit dem Zweiten Weltkrieg und schließlich die Nachkriegszeit und den Beginn der Bundesrepublik. Und man sieht ihren Gesichter an, welche Zeit gerade ist.“

Historiker Willi Creutzenberg nickt bei diesen Worten und kann ergänzen: „Die Zeit war völlig anders als heute. Es gab nichts Buntes, alles war schwarz-weiß.“ Den Besuchern der Ausstellungseröffnung empfiehlt er, genauer auf die Bilder zu achten und zu vergleichen. „Anhand dieser beiden Bilder kann man sehr schön vergleichen, wie die bürgerliche und Arbeiterwelt ausgesehen hat“, sagt er und deutet auf Aufnahmen um 1930 von karikativen Organisationen. Auf dem einen Foto sind adrette Herren in Uniform zu sehen, die damals beim Roten Kreuz waren. Auf dem anderen Foto eine Gruppe Männer und Frauen, die zwar auch eine Art Uniform trugen, jedoch lange nicht so streng wie die Kollegen über ihnen. „Der Arbeiter-Samariter-Bund hatte damals schon Frauen in den Sanitätskolonnen“, hob er die Besonderheit hervor. Damit wird auch schnell deutlich, dass nicht nur der historische Wandel der Zeit beleuchtet wird, sondern die Bilder auch Spiegel der verschiedenen Epochen der unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und Gruppen, aber auch der unterschiedlichen politischen Ausrichtung sind. Ein Arbeiterverein präsentiert sich anders als ein bürgerlicher Verein, die Herdecker Schreinerzunft anders als die Steinhauer in einem der vielen Herdecker Steinbrüche, die Stadtverwaltung anders als die Belegschaft der Heinrich Habig AG.

Knickerbocker nur aus Filmen

Es gibt viel zu entdecken, auch wenn wahrscheinlich nur wenige, bekannte Gesichter finden werden. „Dafür sind wir einfach zu jung“, meint Christian Münch, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins. „Knickerbocker. Die kenne ich eigentlich nur aus Filmen“, meint Mohrherr bestätigend und weist auf ein Foto auf der die Obersekunda der Friedrich-Harkort-Schule im Jahre 1941 abgebildet war. Die Jungen erhielten ein Jahr später das Notabitur und wurden zum Militärdienst eingezogen. Diejenigen, die den Krieg überlebten, bauten 1946 dann das richtig Abitur.

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