Historie

Haftstrafen: Burgturm in Wetter diente früher als Gefängnis

Im Turm der Burg Wetter befand sich früher das örtliche Gefängnis.

Im Turm der Burg Wetter befand sich früher das örtliche Gefängnis.

Foto: G. E. Sollbach / WP

Wetter.  Respektlosigkeit: Beleidigungen und Widerstand gegen Amtspersonen gehen aus den Akten des Stadtarchivs Wetter hervor.

Respektlosigkeit gegenüber Beamten und sonstigen öffentlichen Amtsträgern, deren Beschimpfung, grobe Beleidigung und Widersetzlichkeit – all das gab es auch schon früher in Wetter. Das geht aus Akten der Zeit um 1800 hervor, die sich im Stadtarchiv Wetter erhalten haben. Dazu gehört auch ein Antwortschreiben vom 26. Dezember 1804 des für das Gebiet zuständigen preußischen Regierungsbeamten, des Kriegs- und Domänenrats Friedrich August Eversmann in Hagen, an den Magistrat der Stadt Wetter. Darin teilte Eversmann mit, er habe aus den vom Magistrat eingesandten Protokollen mit „Indignation“ die völlige „Vernichtung des obrigkeitlichen Ansehens“ am Ort sowie eine „Verwilderung aller polizeilichen Ordnung“ und eine „strafbare Widersetzlichkeit“ gegen seine und des Magistrats Anordnungen ersehen müssen. Diesem „Unwesen“ müsse aber ein Ende gesetzt werden.

Verbotswidriges Viehhüten

Bei den Protokollen handelte es sich um die Niederschriften über die Untersuchung und Zeugenvernehmung betreffend ungebührliches Verhalten von Personen, die beim verbotswidrigen Viehhüten angetroffen und dafür vom Rat der Stadt als Ortspolizeibehörde verurteilt und bestraft worden waren.

Vor allem das unerhörte Benehmen eines gewissen Peter Büser hatte den Magistrat und den Regierungsbeamten Eversmann empört. Büser, der schon mehrmals wegen des Hütens seiner Kuh an verbotenen Orten angezeigt und bestraft worden war, hatte der Rat am 26. Juni des Vorjahrs erneut wegen derselben Straftat zu einer Geldstrafe verurteilt. Als der Ratsdiener ihm vier Tage später den Strafbescheid zustellte, nahm Büser diesen, zerknüllte ihn und warf ihn mit den Worten von sich: „Er scheiße was darum und der Magistrat könnte ihn am Arsch lecken und er, der Ratsdiener, sei wie die anderen [Ratsleute] Schurken“.

Doch Büser begnügte sich nicht mit der Beschimpfung von Amtspersonen. Als ihn der Ratsmann Blankenagel und der Bürgerdeputierte Böving im Juli des Vorjahres erneut beim verbotenen Viehhüten angetroffen hatten, griff er den Ratsdiener an und nahm ihm die Kuh mit Gewalt wieder ab. Der Ratsmann hielt bei dem Zusammentreffen mit dem Büser diesem auch seine erwähnten „respectwidrigen Ausdrücke“ gegenüber dem Magistrat vor, worauf Büser äußerte: „Daß sich auch der Magistrat was scheißen lassen könne.“ Eine solche Widersetzlichkeit eines einfachen Untertan gegen die Obrigkeit war in der von einer strikten hierarchischen Ordnung bestimmten damaligen Zeit eine Ungeheuerlichkeit.

Kein Respekt vor Amtspersonen

Aber Büser war kein Einzelfall. Auch einzelne Frauen zeigten keinen Respekt vor Amtspersonen und widersetzten sich deren Handlungen ebenfalls handgreiflich. Das tat z. B. die Frau des Jürgen Krüner. Sie hatte ihre Kuh von ihrem Sohn ebenfalls an verbotenen Stellen weiden lassen, was von dem Ratsdiener beobachtet wurde. Als dieser dem Jungen die Kuh abnahm, eilte dessen Mutter herbei und überschüttete den Mann zunächst mit „vielen Schimpfworten“. Doch auch sie beließ es nicht dabei, sondern griff den Ratsdiener mit Stößen an, und versuchte, ihm die Kuh wieder abzunehmen. Dazu riss sie ihn an den Haaren und drückte ihn zu Boden. Die Wegnahme der Kuh vermochte er aber nicht zu verhindern.

Auch ein weiterer Fall von Verachtung der Obrigkeit ist in den erwähnten Protokollen aus dem Jahr 1804 angeführt. So warf ein Bernhard Nölle dem Ratsdiener den vom Rat ausgestellten Strafbefehl für verbotenes Viehhüten einfach wieder vor die Füße. Als der Beamte diesen wieder aufhob, um ihn dem Rat zurückzubringen, eilte die Ehefrau des Nölle herbei. Auch sie ließ „allerhand Schmähreden“ gegen den Ratsdiener los und beschimpfte ihn als einen „Schweine Hund“.

Haftstrafen

Diese drei Fälle von Respektlosigkeit und Widersetzlichkeit wurden vom Magistrat der vorgesetzten Behörde in Hagen zur Bestrafung angezeigt. Der dortige Regierungsbeamte Eversmann erachtete dieses Verhalten von Untertanen gegen die Obrigkeit und ihre ausführenden Organe als derart ungeheuerlich, dass es nicht mit einer einfachen Geldstrafe abgetan werden konnte. Vor allem das „unbescheidene freche Benehmen“ des Büser und seine „einem treuen Untertanen“ entgegenstehenden Handlungen waren dem Regierungsvertreter schwer aufgestoßen. Der preußische Beamte fürchtete wohl das Übergreifen der von der Französischen Revolution in Umlauf gebrachten umstürzlerischen politischen Ideen auf sein Verwaltungsgebiet.

Das wollte er aber verhindern. Vermutlich deshalb, und um ein Exempel zu statuieren, wurden die Angezeigten zu mehrtägigen Haftstrafen verurteilt. Diese hatten sie „bey Waßer und Brod“ (was wörtlich zu nehmen ist) in dem als örtliches Gefängnis dienenden Turm der Burg Wetter in der Freiheit abzusitzen.

Die Ehefrau Krüner bekam 6 Tage Haft, Bernhard Nölle und seine Ehefrau erhielten jeweils 4 Tage. Die höchste Strafe, nämlich 14 Tage, handelte sich erwartungsgemäß Peter Büser ein.

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