Geschichte

Heimatstube findet neue Heimat an der Uferstraße

Die Herdecker Heimatstube ist neu eröffnet.

Die Herdecker Heimatstube ist neu eröffnet.

Foto: Catherine Wenk

Herdecke   Vom historischen Sportabzeichen über Stoffproben und historisches Silberbesteck reichen die Zeugen der Vergangenheit. Jetzt haben sie eine neue Heimat gefunden: Die Heimatstube in Herdecke zeigt ihre bunte Mischung nun an der Uferstraße.

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Weiße, feine Spitze ziert das Kleid. Der Stoff leuchtete weiß. Dass dieses Kleidungsstück aus dem Jahr 1902 stammt, sieht man ihm auf den ersten Blick gar nicht an. „Das Kleid wurde von den Herdecker Ehrenjungfrauen getragen, als 1902 der Kronzprinz in Herdecke zu Gast war“, erzählt Brunhilde Conjaerts vom Heimat- und Verkehrsverein Herdecke. Das Ehrenjungfrauen-Kleid und viele weitere Ausstellungsstücke gibt es seit gestern in der neuen Heimatstube an der Uferstraße 13 zu sehen.

„Haben Sie auch einen Henkelmann?“

Die Heimatstube, die sich zuvor am Stiftsplatz befand, bietet die Ergänzung zur wissenschaftlichen Sammlung des Stadtarchivs. Gezeigt werden Exponate aus der Alltags- und Industriegeschichte. „Eine bunte Mischung“, wie Christian Münch, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins sagt. In den Vitrinen im ersten Raum der Heimatsube werden unter anderem historische Sportabzeichen und Urkunden, Stoffproben und Silberbesteck ausgestellt. Im zweiten Raum befindet sich eine Küche, wie die Großeltern sie aus ihrer Kindheit kennen. „Der Küchenherd ist von 1932“, weiß Conjaerts. Seit vielen Jahren trägt die 84-Jährige die verschiedenen Exponate zusammen. „Ich war bei vier oder fünf Haushaltsauflösungen und einige Sachen sind von meinen Großeltern“, sagt Conjaerts. So zum Beispiel das Pfannenmesser, das von ihrer Oma stammt. Conjaerts kennt jedes Exponant ganz genau. Gerade auch, weil sie damit noch im Alltag gelebt hat. Die Eiserkuchen-Zangen bedient sie jedenfalls ganz souverän. Die Besucher schauen und hören gespannt zu. Einige ältere erinnern sich an früher: „Haben Sie auch einen Henkelmann?“, will eine Frau wissen. Conjaerts zieht eine blecherne Dose mit Henkel aus dem Regal. Darin wurde früher den Männer auf der Arbeit das Essen von ihren Frauen gebracht. Für Schmunzeln sorgt die sogenannte Schnurrbart-Tasse. Sie stammt aus dem Jahr 1890 und wurde eigens für die Zwirbelbärte der damaligen Zeit konzipiert. „Des Mannes Zierde ist der Bart, drum schon ihn auf jede Art“, liest Conjaerts die Inschrift auf der Tasse vor.

Kundige Betreuer der Ausstellung

Neben der Dauerausstellung in der Heimatstube plant der Heimat- und Verkehrsverein auch wechselnde Ausstellungen. „Die werden dann aber in anderen Räumlichkeiten stattfinden“, sagt Vorsitzender Münch. Etwa 1000 Exponate besitzt der Verein. „Wir haben alles aus der alten Heimatstube am Stiftsplatz mitgenommen. Einige Sachen befinden sich zudem in einem kleinen Lager“, so Münch. Neben Heimatstuben-Imitatorin Conjaerts sind noch zusätzlich drei bis vier Herdecker mit der Ausstellung betraut. „Wenn wir geöffnet haben, ist immer jemand vor Ort, der Fragen beantworten und etwas zu den Exponaten erzählen kann“, so Münch.

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