Sauberkeit

Herdecke fragt: Was hilft gegen Abfallsünder?

Das Wegschnippen ist schnell getan, die Folgen halten lange an: Zigaretten auf dem Boden von Wartehäuschen oder auf dem Gehweg sind ein Problem für die Umwelt.

Das Wegschnippen ist schnell getan, die Folgen halten lange an: Zigaretten auf dem Boden von Wartehäuschen oder auf dem Gehweg sind ein Problem für die Umwelt.

Foto: Martin Gerten / dpa

Herdecke.  Die SPD bringt höhere Bußgelder ins Gespräch. Sie will an Kippen-Frevler und achtlose Hundehalter aber auch appellieren. Die Politik diskutiert.

Hier massenweise Kippen, da Hundehaufen. Und manche Zeitgenossen kippen auch mal gerne ihren überzähligen Müll in die Landschaft. Was hilft gegen diese Abfall-Frevler: Hartes Durchgreifen? Wiederholte Appelle? Darüber haben die Politiker jetzt im Hauptausschuss gesprochen. Anlass war eine Initiative der SPD. Ihr Ziel: „Weitaus spürbarere Sanktionen“, so Fraktionssprecher Jan Schaberick.

Zigarettenstummel am Straßenrand oder unsachgemäß entsorgter Abfall sind für Schaberick ein „massiver Störfaktor“. Damit es im Stadtgebiet von Herdecke sauberer wird, hat die SPD einen Dreipunkteplan. Der letzte Punkt davon (Schüler einspannen) ist beinahe schon erfüllt, ein anderer (ein spezieller Bußgeldkatalog für Herdecke) so vielleicht gar nicht nötig, der Dritte (mehr Kontrolle) nicht unproblematisch. Und doch gab es ein großes Einvernehmen.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat es vorgemacht. Lange wurden kleinere Müllsünden mit Beträgen zwischen 10 und 25 Euro bestraft, berichtete Rechtsdezernent Dr. Lars Heismann. Künftig gelten Beträge zwischen 100 und 100.000 Euro. Doch das ist für die Städte nicht bindend. Die hier fälligen Verwarngelder zwischen zehn und 500 Euro bei Kleinabfällen hielt er für ausreichend. Zumal es „in Herdecke nur eine Hand voll Fälle im Jahr gibt, die wir zu bearbeiten haben.“ Das liegt in der Natur der Vergehen: Ein kurzer Augenblick reicht, und schon ist ein Müllsack „entsorgt“ oder eine Zigarette weggeschnippt.

„Die Täter sind kaum zu ermitteln“, so Lars Heismann. Auch getarnte Verfolger werden daran wenig ändern, fürchtet Georg Torwesten (CDU): Die SPD wünscht nicht nur verstärkte Kontrollgänge des kommunalen Ordnungsdienstes in den Stadtteilzentren, der Fußgängerzone und Park. Die Verwaltung soll auch prüfen, wie Ordnungsamtskräfte in Zivil einsetzbar sind. Torwesten dazu: „Herdecke ist nicht so groß. Man kennt die Mitarbeiter des Ordnungsamtes -- ob in Uniform oder in Zivil“.

Auch einen Schülerwettbewerb hatte die SPD im Sinn. Die Jungen und Mädchen sollten „mittels eines positiv besetzten Logos/Aufkleber/Plakates“ höhere Bußgelder und mehr Kontrollen flankieren. Die Schüler hätten dieses Thema bereits auf dem Schirm, berichtete Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster und zeigte sich „stolz“ über eine große Aktion auch mit Plakaten. „Das Kinder- und Jugendparlament ist da schon aktiv“, so auch Dieter Joachimi als zuständiger Beigeordneter.

Freche Antworten

Iris Stalzer von der UWG sah noch einen anderen Weg. Etwa an Haltestellen solle „an die Leute appelliert werden“, ihre Kippen vielleicht doch nicht achtlos wegzuwerfen. Dass Appelle nicht immer zum Ziel führen, berichtete Karin Striepen von der SPD: Hundebesitzer, auf den Kot ihrer Vierbeiner angesprochen, hätten „frech von ,Dünger’ für die Rabatten“ gesprochen.

Am Ende mussten die Mitglieder im Hauptausschuss über den Dreipunkteplan nicht abstimmen. Die SPD zog den entsprechenden Antrag zurück, zeigte sich aber nicht unzufrieden mit der Diskussion. Es gehe der Partei „um mehr Sensibilität“ beim Thema Abfall in der Stadt, so Jan Schaberick. Und selbst wenn für Karin Striepen ein konkretes Bußgeld auch die Folgen klar aufzeigen kann, wollte ihr Parteikollege Gustav Müller nicht nur auf „Law und Order“ setzen. Es gehe auch darum, eine „positive Signalwirkung zu erzeugen und die Leute mitzunehmen.“

Was braucht Herdecke: Höhere Strafen, mehr „Müllpolizisten“ oder doch eher eine freundliche, aber verbindliche Ansprache von Abfallsündern? Diskutiere mit unter facebook.com/wp.wr.wetter.herdecke

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