Kultur

Herdecke: Premiere mit Oscar Wilde im Theater am Stiftsplatz

Mrs. Erlynne (Ulla Biermann) sorgt mit ihrer Rückkehr für Zündstoff in der feinen Londoner Gesellschaft. Herzogin Berwick (Rosi Reiß) ist skeptisch, Lord Augustus (Detlef Schäkermann, von links) verehrt sie.

Mrs. Erlynne (Ulla Biermann) sorgt mit ihrer Rückkehr für Zündstoff in der feinen Londoner Gesellschaft. Herzogin Berwick (Rosi Reiß) ist skeptisch, Lord Augustus (Detlef Schäkermann, von links) verehrt sie.

Foto: Elisabeth Semme / WP

Herdecke.  Mit dem Oscar-Wilde-Stück „Lady Windermeres Fächer“ feierte das Theater am Stiftsplatz Premiere.

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Am Anfang steht ein geradezu naiv-unerschütterliches Vertrauen in die Liebe ihres Mannes. Doch dann wird Lady Windermere in ein wahres Wechselbad der Gefühle gestürzt: Ihr Gatte soll ein Verhältnis mit der skandalumwitterten Mrs. Erlynne haben? Auf Ungläubigkeit und Skepsis folgen Empörung, Entsetzen, Enttäuschung. Keine leichte Rolle, die Jana Jesper facettenreich meistert. Mit „Lady Windermeres Fächer“ feierte das Theater am Stiftsplatz am Freitagabend Premiere.

Oscar Wilde stand schon mehrmals auf dem Spielplan des kleinen Zimmertheaters; diesmal bringt das Ensemble eines seiner bekanntesten Stücke auf die Bühne. Wer jedoch eine Komödie mit seichtem Klamauk erwartet, wird sich wundern, wie tiefgründig, ja bisweilen philosophisch Wildes Figuren daherkommen. Lord Darlington liefert dafür gleich zum Auftakt das beste Beispiel: Im Gespräch mit Lady Windermere offenbart Darlington, perfekt besetzt mit Roland Müller, seine eher abgeklärt-pessimistische Sicht aufs Weltgeschehen. Und ganz nebenbei versucht er, die junge Frau von der Untreue ihres Gatten zu überzeugen, um ihr schließlich seine eigene Liebe anzubieten.

Emotionen eskalieren

Es ist ausgerechnet ihr Geburtstag, als Lady Windermere am Ende des verstörenden Gesprächs mit Lord Darlington skeptisch wird, in die Kontobücher ihres Mannes schaut – und tatsächlich mehrere Zuwendungen an besagte Mrs. Erlynne entdeckt. Als ihr Gatte (routiniert dargeboten von Karl Hartmann) sie dann auch noch auffordert, diese Frau zur eigenen Geburtstagsparty einzuladen, eskalieren die Emotionen ein erstes Mal.

Nach und nach entblättert sich dem Zuschauer auf der kleinen Zimmertheaterbühne die verwobene Geschichte rund um den vermeintlichen Betrug des Lords und die geheimnisvolle Vergangenheit der Mrs. Erlynne, die tatsächlich die totgeglaubte Mutter von Lady Windermere ist. Ulla Biermann spielt die Figur der ausgestoßenen, aber lebensklugen und warmherzigen Frau mit großem Einfühlungsvermögen.

Und während ein Abschiedsbrief und ein Fächer am falschen Ort für weitere emotionale Verwirrungen sorgen, wird im Hause Windermere weiter gefeiert – mit Herzogin Berwick (elegant gespielt von Rosi Reiß), die ihre Tochter Lady Agatha (Lili Requardt) gern an der Seite von Mr. Hopper (Paul Schlenga) sehen würde. Nicht zu vergessen Lord Augustus, ein Geburtstagsgast und großer Verehrer von Mrs. Erlynne, dem Detlef Schäkermann auf verschmitzte Weise Leben einhaucht.

Junge Darsteller im Rampenlicht

Unter der professionellen Regie von Verena Plümer, Tochter der Theatergründerin Eileen Anne Plümer, bietet Oscar Wildes Komödie besonders den jungen Darstellern des Stiftsplatz-Ensembles eine Chance, die Bühne zu erobern. Jana Jesper verkörpert die Lady Windermere mit viel Hingabe – wenngleich sie in der anspruchsvollen Hauptrolle ruhig noch kraftvoller agieren könnte. Und Lili Requardt trumpft erst ganz am Ende mit ihrem trotzigen Auftritt auf. Beide stehen bei dieser Inszenierung zum ersten Mal im Rampenlicht. Für Paul Schlenga ist „Lady Windermere“ zwar nicht das erste Stück, bei dem er mitwirkt – aber eines, das er nutzt, sich neben den älteren Darstellern zu profilieren.

Mucksmäuschenstill verfolgt das Publikum das Geschehen auf der kleinen Bühne, lässt sich mit dem geschickt aufgebauten Bühnenbild mitnehmen vom Haus der Windermeres zum nächsten Schauplatz, dem Haus des Lord Darlington. Zu prall ist das Geschehen, zu dicht die Dialoge, als dass der Zuschauer sich entspannt berieseln lassen könnte. Schmunzeln ist trotzdem immer wieder angesagt; denn Wildes Dialoge sind voller Witz. Begeisterung spricht aus dem langanhaltenden Applaus, mit dem das Publikum das Ensemble entlohnt, wenn am Ende alle Verwechslungen und Auseinandersetzungen im Leben der jungen Windermeres aus der feinen Londoner Gesellschaft beigelegt sind.

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