Justiz

Herdecker Angeklagter zeigt sich wenig einsichtig

Ein Angeklagter aus Herdecker sieht nicht ein, warum sein Marihuana-Genuss schlimm sein soll.

Ein Angeklagter aus Herdecker sieht nicht ein, warum sein Marihuana-Genuss schlimm sein soll.

Foto: Oliver Berg / dpa

Herdecke/Wetter.  Ein Angeklagter meint, dass es niemanden interessieren würde, wenn er anstelle eines Joints zu raucheneine Flasche Wodka trinken würde.

Kurz nach einer einschlägigen Erfahrung mit der Justiz wurde ein junger Mann aus Herdecke erneut mit Marihuana erwischt. Der verbotene Besitz brachte den 20-Jährigen nun vor das Amtsgericht Wetter. Dort zeigte er sich zwar geständig, doch Einsicht in sein Fehlverhalten war bei ihm nur mäßig vorhanden. Drogenbesitz hatte ihm gerade erst eine Geldauflage beschert und doch konnte oder wollte er es nicht lassen.

Erneut erwischt

Am 1. Juni wurde bei dem Herdecker erneut ein Gramm Marihuana entdeckt. Somit stand ihm das nächste Verfahren bevor. „Ich weiß nicht, was ich dazu noch großartig sagen soll. Ich bin erwischt worden. Das war mein Fehler. Das war blöd“, erklärte der 20-Jährige jetzt im Prozess. Jugendrichter Janbernd Wessel hakte nach: „Haben Sie nicht mal vor, das irgendwann sein zu lassen?“

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Sicherlich überlege er das, gab der Herdecker an und fügte kurz darauf hinzu: „Wenn ich jeden Tag eine Flasche Wodka saufe, interessiert das keine Sau.“ Das ließ Wessel so nicht stehen und kommentierte mit Blick auf den Drogenbesitz: „Das ist verboten. Sie machen sich jedes Mal strafbar.“ Auch redete er ihm ins Gewissen, seine Pläne, nach einer Krankheitsphase künftig wieder zur Schule zu gehen, in die Tat umzusetzen. Die Vertreterin der Anklage nahm in ihrem Plädoyer kein Blatt vor den Mund: „Der Angeklagte ist geständig – blieb ihm aber auch nicht viel anderes übrig.“

Goldene Brücke bauen

Der Herdecker mache nichts, aber er könne nicht den ganzen Tag zuhause sitzen und kiffen. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, betonte sie und fügte hinzu, dass es letztlich sein Leben sei. Dennoch solle ihm noch einmal eine „goldene Brücke“ gebaut werden: eine Betreuungsweisung, Drogenscreenings und Sozialstunden. Doch das stieß bei dem 20-Jährigen offenbar auf taube Ohren. Er nutzte sein Recht auf das „Letzte Wort“, um sein Unverständnis noch einmal ganz deutlich zum Ausdruck zu bringen: „Ich finde das Gesetz schwachsinnig.“ Beeindrucken konnte er den Richter nicht. Das Verfahren endete mit der beantragten Betreuungsweisung für sechs Monate, drei Drogenscreenings und 50 Sozialstunden. In der Urteilsbegründung appellierte Jugendrichter Janbernd Wessel noch einmal an die Vernunft des jungen Herdeckers. Das Gericht versuche, ihm noch einmal eine kleine Hilfe zu geben, damit er etwas aus seinem Leben mache. Rechtskräftig wurde diese Entscheidung allerdings nicht. Der 20-Jährige erklärte: „Ich denke nochmal drüber nach.“

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