Gedenkveranstaltung

Herdecker gedenken im Onikon der Opfer der Pogromnacht

Willi Creutzenberg präsentiert sein neues Buch im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in Herdecke.

Willi Creutzenberg präsentiert sein neues Buch im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in Herdecke.

Foto: Ramona Richter

Herdecke.  Willi Creutzenberg stellt im Rahmen einer Gedenkveranstaltung im Onikon sein neues Buch „Schutzjuden-Bürger-Verfolgte-Vergessene“ vor.

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Ein schwarz-weißes Foto leuchtet auf der Leinwand im Saal des Herdecker Onikons. Es zeigt ein altes Wohnhaus in der Hauptstraße 1. „Das Haus kennen Sie alle. Dort ist heute ein Café drin“, sagt Willi Creutzenberg zu seinem Publikum. Nur wenige Plätze im Saal sind noch frei. Gemeinsam gedenken die Menschen an die Pogromnacht im Jahre 1938, in der auch in Herdecke zahlreiche Geschäfte zerstört wurden.

Im Rahmen der Veranstaltung stellt Willig Creutzenberg sein neues Buch „Schutzjuden – Bürger – Verfolgte – Vergessene“ vor. „Ich versuche anhand der Familien in Herdecke die Geschichte zu verdeutlichen“, so der Autor. Eine der Familien lebte damals im Haus an der Hauptstraße 1 – die Familie Meyberg, die einige Jahre später das Haus verkaufte und nach Amerika auswanderte. Weniger gut erging es der Familie Neuhaus, deren Männer nach der Pogromnacht in ein KZ deportiert wurden. Eine Postkarte zeugt von der Zugfahrt einen Tag später. Diese verliest Willi Creutzenberg am Abend vor seinen Zuhörern. „Meine Überzeugung ist es, dass wir schon bald wieder zusammen sein werden“, heißt es dort. Das Geschäft der Familie Neuhaus gab es fortan nicht mehr.

Eine Ergänzung zur Gedenktafel

Alte Postkarten, Akten, Fotos und Geburtsurkunden – für sein aktuelles Buch hat sich Creutzenberg viel Zeit genommen. „Ich habe verschiedene Archive besucht – sei es in Duisburg oder in Berlin.“ 2014 – nachdem die neue Gedenktafel in Herdecke aufgestellt wurde, begann er mit den Recherchen. „Ich wollte den Fokus nicht nur auf die NS-Zeit legen, sondern richtig in die Geschichte der Herdecker Juden einsteigen. Es ist also eine Ergänzung zur Gedenktafel“, sagt der frühere Geschichtslehrer Creutzenberg.

Insgesamt acht Kapitel beinhaltet sein Buch – sechs davon stellt er an dem Abend im Onikon vor. Denn: „Erinnern und Gedenken ist notwendig, aber das allein reicht nicht aus. Man muss sich schon die Mühe machen und die Geschichte der Juden in Herdecke erforschen und demonstrieren. Nur so wird man ihren Schicksalen gerecht“, so der Autor.

Während der Veranstaltung ist es ruhig im Saal. Lediglich die Stimme Creutzenbergs ist zu hören, während er eine Folie nach der anderen zeigt. Fotos von ehemaligen Wohnhäusern, Zeitungsartikel und Belege, unter anderem von Enteignungen, zeigen die Situation der Juden vor, während und nach der NS-Zeit. 19 Juden aus Herdecke sind dem Holocaust zum Opfer gefallen.

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