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Herdecker Hospiz begleitet das Lebensende

Schwelgen gemeinsam in Erinnerung: Robert Gille (links) und der ehrenamtliche Hospizmitarbeiter Robert Hille blättern in einem Fotoalbum. Auch das sei Leben, betont Robert Hille.

Schwelgen gemeinsam in Erinnerung: Robert Gille (links) und der ehrenamtliche Hospizmitarbeiter Robert Hille blättern in einem Fotoalbum. Auch das sei Leben, betont Robert Hille.

Foto: Veronika Gregull

Herdecke.   Das Ambulante Hospiz Olibanum am Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus unterstützt Menschen am Lebensende. Glaube spielt dabei auch eine Rolle.

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„Ein Funke Leben ist besser als der Tod.“ Das sagte Robert Gille (83) vor Jahren schon zu seiner kranken Tante. Und das gilt auch für ihn selbst. Vor 24 Jahren wurde er operiert, fiel ins Koma. 10 Jahre später eine Operation am Herzen. Und jetzt schwächt der Krebs seinen Körper.

Robert Gille hat viel durchgemacht, doch seinen Glauben hat er nie verloren, im Gegenteil. „Das Beten hat mir immer viel Kraft geben“, sagt er mit leiser Stimme. „Warum hätte ich an Gott zweifeln sollen? Es kommt, wie es kommt. Und so sehe ich das noch heute.“ Der Glaube ist es auch, der ihn mit Peter Hille verbindet.

Eine außergewöhnliche Situation

Der 67-Jährige Katholik engagiert sich ehrenamtlich für das Ambulante Hospiz Olibanum in Herdecke, Wetter und Dortmund-Süd. Das Ambulante Hospiz ist im Jahre 2008 am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke entstanden. „Sich Zeit nehmen, da sein. Zuhören und miteinander ins Gespräch kommen, spazieren gehen oder im Rollstuhl nach draußen fahren“, so beschreibt der ehemalige Schulleiter seine Aufgabe.

In Erinnerungen schwelgen, alte Fotos durchblättern – „auch das ist Leben“, sagt Peter Hille. Je nach Bedarf und Wunsch besucht er Robert Gille in dessen Wohnung, die beiden kennen sich seit einigen Jahren aus der katholischen Kirchengemeinde. Das sei hier schon eine außergewöhnliche Begleitung, betont der Hospizmitarbeiter: „Oft besuche ich die Patienten auch in Heimen, die sind da manchmal schon sehr einsam.“ Robert Gille hat Glück, seine Frau betreut ihn rund um die Uhr. „Das ist schon etwas ganz besonderes. Und hängt vielleicht auch mit dem Glauben zusammen.“

Damit Angehörige wie Frau Gille auch mal eine Pause haben, abschalten und Kraft tanken können, dafür sind die Helfer des Ambulanten Hospizes auch da. Heute ist ein guter Tag, Robert Gille sitzt aufrecht in seinem Polstersessel.

Religion war schon immer ein wichtiger Teil seines Lebens: „Ich habe gute Voraussetzungen, um gläubig zu sein.“ Was er damit meint? Ein Lachen huscht über sein Gesicht. Er schaut zu dem Foto seiner Großmutter an der Wand. „Sie meinte damals, ich wäre fromm. Wenn sie das sagt, wird das wohl so sein.“ Ganz unrecht hatte sie damit offensichtlich nicht. Als junger Mann war er bei den Georgspfadfindern, schloss sich später einem Dominikanerorden an und blieb mehrere Jahre.

Robert Gille zeigt mit dem Finger auf ein Schwarz-Weiß-Foto. Zu sehen ist ein junger Mann in Kutte, umgeben von seinen Glaubensbrüdern. „Das bin ich“, sagt er gedankenverloren. Glaube in der Gemeinschaft, in der Familie – das habe ihn geprägt, bis heute. Den Orden verließ er, der Glaube an Gott blieb. Und so studierte er, um als Religionslehrer zu arbeiten. Erst an der Volksschule, dann an einer Realschule und später am Gymnasium. „Sie haben sich das Leben nicht einfach gemacht“, stellt Peter Hille fest, der selbst immer wieder neue Details aus dem Leben des Betreuten kennenlernt. „Das ist wohl wahr“, stellt Robert Gille fest. Aber anders hätte er es trotzdem nicht gemacht. Außerdem seien es ja auch nur kleine Splitter seines Lebens, an denen er uns teilhaben lässt.

Damit er so lange wie möglich weiterhin in Würde leben kann, engagieren sich die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter. Darum sei auch die Bezeichnung Sterbebegleitung unzureichend. „Wir sind Lebensbegleiter und wollen ein Leben in Würde bis zum Ende ermöglichen.“ Mit der Zeit hat Peter Hille schon mehrere Menschen bis in den Tod begleitet. Das hat ihm selbst jegliche Angst vor dem Sterben genommen: „Der Tod gehört halt zum Leben dazu.“ Und auch Robert Gille vertraut weiterhin auf Gott, betet jeden Morgen und Abend. Der Glaube sei einfach mittendrin in seinem Leben. „Ich weiß ja eh nicht was kommt, da mache ich mir nichts vor. Ich lass mich einfach überraschen.“

Drei Fragen an Seelsorger Bernhard Rath:

1 Was zeichnet das Gemeinschaftkrankenhaus aus?

Hier gibt es einen ganzheitlichen Ansatz und viele verschiedene Angebote, wie zum Beispiel Mal- und Musiktherapie. Hier wird einfach mehr für die Patienten gemacht.

2 Wie bauen sie Glaube in Ihre Arbeit ein?

Manchmal ist es wichtig, einfach da zu sein. Aber ich gebe auch Beispiele aus der Bibel, die in der konkreten Situation dann helfen können. Einige der Patienten hatten vor der Krankheit mit Kirche nichts mehr am Hut und sind teilweise enttäuscht. Da versuche ich ein neues Bild von Kirche und Glaube zu vermitteln. Gerade in Krankheit oder am Lebensende kommt bei vielen der Wunsch nach Religion wieder auf.

3 Hilft Glaube bei Krankheiten und am Lebensende?

Ja ich denke, dass der Glaube an Gott da helfen kann. Auch Jesus hat am Kreuz gelitten. Und die Menschen wissen dann, dass Jesus mit ihnen geht und die Last mitträgt. Ich glaube, dass man im Glauben Krankheiten, auch unheilbare, besser annehmen kann, ohne dass sie einen zerstören.

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