Gericht

Herdecker kassiert Bewährungsstrafe für Schwitzkasten

Eine Statue der Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit, hält eine Waage in ihrer Hand

Eine Statue der Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit, hält eine Waage in ihrer Hand

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Herdecke.  Ein 18-Jähriger wollte in Herdecke einen Streit zwischen jungen Frauen schlichten und wurde dabei selbst kräftig verprügelt.

Den Versuch eines 18-Jährigen, einen Streit zwischen mehreren jungen Frauen zu schlichten, interpretierte ein Herdecker im alkoholisierten Zustand als Angriff. Er schlug den vermeintlichen Aggressor und nahm ihn darüber hinaus in den Schwitzkasten. Sein Verhalten brachte den 21-Jährigen nun vor dem Amtsgericht Wetter in Erklärungsnöte.

Zwist zwischen Mädchen

Der Zwischenfall ereignete sich am 24. Mai vergangenen Jahres im Bereich des Seewegs unterhalb der Ruhrbrücke. Dem 18-Jährigen aus Herdecke ging der Zwist zwischen den Mädchen offenbar etwas zu weit, deshalb entschied er sich, einzugreifen. Er drückte eine der jungen Frauen weg und brachte damit den Älteren auf den Plan. Der meinte nun seinerseits, etwas tun zu müssen – und reagierte auf brachiale Art und Weise. Durch die Schläge und den Schwitzkasten zog sich der Jüngere Prellungen, Hämatome und Schürfwunden zu.

Vorsätzliche Körperverletzung wurde dem 21-Jährigen nun im Prozess zur Last gelegt. Er versuchte, sein Handeln zumindest etwas zu rechtfertigen. Den Streit der Mädchen habe er gar nicht gesehen. Er habe nur registriert, wie der Andere eine der Frauen weggedrückt habe und die sei hingefallen. Da sei er auf ihn „draufgegangen“. „Ich dachte, er wollte ihr etwas antun“, betonte er. Dank seines Alkoholpegels habe er die Situation offenbar ganz falsch eingeschätzt.

Sein Opfer brachte es kurz darauf mit wenigen Worten auf den Punkt: „Er hat sofort zugeschlagen.“ Und gefallen sei das Mädchen ganz gewiss nicht, als er es weggedrückt habe.

Gerechtfertigt war die Art des Einschreitens demnach nicht. Und: Es war auch nicht das erste Mal, dass der junge Mann aus Herdecke mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Vielmehr saß er bereits in der Vergangenheit gleich mehrfach wegen unterschiedlicher Delikte auf der Anklagebank. Schädliche Neigungen konnten Anklage und Gericht nicht ausschließen. Unter den Umständen behielt sich Jugendrichter Janbernd Wessel die Verurteilung zu einer Jugendstrafe für die Dauer von zwei Jahren vor, ordnete Bewährungshilfe an und legte dem 21-Jährigen auf, an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen.

Gericht gibt eine Chance

In der Begründung der Entscheidung wurde Wessel deutlich. Sicherlich habe der Herdecker in einem gewissen Maße auch deshalb so gehandelt, weil er das Mädchen habe schützen wollen.

Aber: „Nicht sofort in den Schwitzkasten nehmen und schlagen. Sie hätten zu ihm hingehen und hätten ihn ansprechen können.“ Nun habe er aber die Chance, sich zu bewähren. „Wenn das zwei Jahre gut geht, ist die Sache erledigt.“

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