Nachruf

Herdecker Pastor Immekus wollte „Welt durch Liebe verändern“

Hermann J. Immekus feiert sein 60-jähriges Priesterjubiläum mit Heiligen Brotbrechen.

Hermann J. Immekus feiert sein 60-jähriges Priesterjubiläum mit Heiligen Brotbrechen.

Foto: Yvonne Held / WP - Yvonne Held

Ende.  Pastor Hermann Josef Immekus ist bereits in der vergangenen Woche im Alter von 94 Jahren verstorben. Seine Botschaft ist sein Vermächtnis.

„Ich bin, wie ich bin und will nicht anders sein. Meine Lebenszeit ist bald zu Ende, aber ich bin glücklich, ein Christenmensch zu sein.“ Mit diesen Worten hat Pastor Hermann Josef Immekus noch vor zwei Jahren sein 60-jähriges Priesterjubiläum gefeiert. Am Dienstag, 30. Juni, ist er im Alter von 94 Jahren verstorben.

Hermann Josef Immekus wurde am 7. Oktober 1925 in Hohl/Olpe geboren und am 25. Juli 1958 in Paderborn zum Priester geweiht. Seit 40 Jahren lebte Priester Hermann J. Immekus gemeinsam mit entlassenen Strafgefangenen, mit in Not Geratenen und Suchenenden. Ende der 60er-Jahre hatte er dafür sein bürgerliches Leben aufgegeben und ein Pfarrhaus für Drogensüchtige, Obdachlose und psychisch Kranke in Minden eröffnet. Er wurde ausgenutzt, doch er gab nicht auf.

Hausgemeinschaft seit 1979

Als Seelsorger in den Justizvollzugsanstalten in Schwerte und Iserlohn kümmerte er sich um Jugendliche. Bald kaufte er ein baufälliges Haus in Herdecke, um dort mit ehemaligen Strafgefangenen zu leben. Seit 1979 versteht sich die Hausgemeinschaft Ende-Syburg als eine Familiengemeinschaft, in der zum Teil über 20 Menschen miteinander leben. Immekus Alterspension, Spenden und die geringen Mieten der Bewohner finanzieren das gemeinschaftliche Leben.

Wer dem Pastor begegnet ist, wird sich daran erinnern. Trotz seines deutlich fortgeschrittenen Alters und seiner Erfahrungen mit den Menschen wohnte in ihm ein hellwacher Geist. Er war freundlich, unvoreingenommen, neugierig und dabei willensstark und entschlossen. Er war bescheiden und gab alles, was er hatte, anderen Menschen, beispielsweise auch Strafgefangenen in Russland, um ihr Leben erträglicher zu machen. In Russland hat er dafür eine Medaille bekommen. „Da musste ich das nehmen“, sagte er damals, „in Deutschland will ich keine Auszeichnungen.“ Immekus sagte selbst: „Die Botschaft Jesu wendet sich gegen jeglichen Reichtum und weltliche Herrlichkeit.“ Darauf hat er sein Leben stets ausgerichtet. „Es geht doch nur darum, die Welt durch Liebe zu verändern, das hat uns Gott gelehrt.“

Und so reflektierte er bereits vor sechs Jahren: „Dankbar schaue ich zurück. Dankbar für das liebende Ja derer vor und neben mir. Dankbar für alle Lasten, die ich tragen, alle Wunden, die ich heilen durfte. So wurde ich selbst getragen, getröstet und geheilt.“

Aufopferungsvoller Mensch

Vom Tod des beliebten Pastors zeigt sich auch Herdeckes Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster betroffen. „Pastor Immekus wird mir als ein sehr aufopferungsvoller Mensch im Gedächtnis bleiben. Sein selbstloser und unermüdlicher Einsatz für Notleidende und bedürftige Menschen am Rande der Gesellschaft war außergewöhnlich. Zudem lagen ihm besonders Kinder, die oft auch schon in ihren jungen Jahren Schicksalsschläge verkraften mussten, sehr am Herzen. Immekus war überzeugt davon, dass man nur mit Liebe etwas erreichen kann. Gelungen ist ihm dies mit der Familiengemeinschaft am Vaerstenberg. Hier haben zahlreiche Kinder ein neues Zuhause gefunden“, erinnert sie an sein Lebenswerk.

Anlässlich seines 80. Geburtstages hatte Pater Immekus bereits sein Testament geschrieben. Darin heißt es: „Besitzlos lebe ich, besitzlos will ich auch sterben. Ich wünsche mir ein schmuckloses Grab. Ein einfaches Holzkreuz genügt für begrenztes Erinnern. Zurück bleibt die Botschaft, die ich versuchte zu leben.“ Und genau diesen Wunsch will die Hausgemeinschaft Ende-Syburg ihm erfüllen.

Das Begräbnisamt wird am Freitag, 10. Juli, um 12 Uhr auf dem Gelände der „Familiengemeinschaft Schon Heute“ (Vaerstenberg 44b, in Herdecke) gefeiert. Die Beisetzung erfolgt anschließend um 14 Uhr auf dem Evangelischen Friedhof in Kirchende (Kirchender Dorfweg 1, Herdecke).

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