Freizeit

Herdecker Politik freut sich über Freibad-Zuschuss

Vielleicht kann das Freibad nun doch saniert werden.

Vielleicht kann das Freibad nun doch saniert werden.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Herdecke.  2,7 Millionen Euro Förderung gibt es für die Sanierung des Freibads Herdecke vom Bund. Doch woher soll das restliche Geld kommen?

Für Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster ist ein „Herzenswunsch“ in Erfüllung gegangen. SPD-Fraktionschef Jan Schaberick spricht von einem „historischen Tag“: Die Nachricht über einen Bundeszuschuss von 2,7 Millionen Euro fürs Freibad in Herdecke hat (fast) überall in der örtlichen Politik für Erleichterung gesorgt. Allerdings gibt es noch offene Fragen, insbesondere die nach dem städtischen Geld, das neben aller Förderung fließen muss.

Rückblick

Erstmals im Sommer 2018 hatte die Stadtverwaltung einen Antrag auf Fördermittel aus einem Förderprogramm des Bundes für sanierungsbedürftige Sportstätten gestellt. Herdecke ging aber leer aus. Anders jetzt bei einer Neuauflage im vorigen Jahr. Herdecke stellte erneut einen Antrag und kann sich seit Mitte der vorigen Woche über einen kräftigen Zuschuss freuen.

Ein Gutachter hatte die bestehenden Mängel an Freibad und Kleinschwimmbecken auf insgesamt rund 6,5 Millionen Euro taxiert. So war es auch in dem Förderantrag angegeben. Bleibt ein Eigenanteil von 3,8 Millionen Euro, um tatsächlich vollständig zu sanieren. Und selbst wenn Abstriche gemacht würden: An einem nennenswerten Eigenanteil kommt die Stadt nicht vorbei. Angesichts der aktuellen Haushaltslage „wiegt das schwer“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt zur Förderung.

Die Bürgermeisterin will dennoch nach vorne blicken. Sie sieht nun „eine realistische Chance, durch die Finanzspritze endlich sanieren zu können.“ Ähnlich sieht und sagt es auch Andreas Disselnkötter von den Grünen, der von einer Chance „zu einer nachhaltigen und klimaverträglichen Sanierung der Heizung, der Pumpen und möglichst auch der Becken“ spricht.

Aus Sicht von Jan Schaberick ist Herdecke durch die Förderzusage „bei der Rettung des Freibades einen riesigen Schritt vorangekommen.“ Dank der Bewilligung sei ihm „ein großer Stein vom Herzen gefallen“. Die SPD hatte bei den Beratungen über die Zukunft des Bades und auch Lösungen in Verbindung mit einem Investor immer wieder die Hoffnung auf diese Fördermittel hoch gehalten. Und: Aus ihren Reihen war auch die Empfehlung gekommen, vielleicht auf diesem Wege die finanzielle Lücke deutlich kleiner zu machen. Ihr heimischer Bundestagsabgeordneter Ralf Kapschack verschickte jetzt als Erster die gute Nachricht aus Berlin.

Besonders zufrieden scheint die CDU. „Herdecke kann sich über 2,7 Millionen Euro Bundesfördermittel zur Sanierung des Freibades freuen“, heißt es in einer von der Stadtverbandsvorsitzenden Julia Brunow verschickten Mitteilung. Die CDU Herdecke habe „ihre guten Kontakte zur Landesregierung in Düsseldorf genutzt, um mit der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung Ina Scharrenbach noch einmal ins Gespräch zu kommen.“ Die wiederum habe das Anliegen an das für die Bewilligung von Fördergeldern zuständige Bundesinnenministerium „mit einer persönlichen Einschätzung über die Dringlichkeit befürwortend herangetragen.“

Skepsis dagegen weiter bei der FDP. Für sie ist die Förderzusage „eine gute Nachricht insbesondere für das Hallenbad am Bleichstein“, das sie für unverzichtbar hält, „denn hier lernen unsere Kinder schwimmen“. So steht es in einer Erklärung der Partei. „Auf den Freizeitspaß im Freibad für drei Monate im Jahr kann da schon eher verzichtet werden“, stellt die FDP die Existenz des Freibades auch nach der Förderzusage in Frage und verweist dabei auf Zahlen.

Hoher Eigenanteil

Die ermittelten Kosten von 6.5 Millionen Euro für beide Maßnahmen seien im Jahr 2015 ermittelt worden. Bei dem heutigen Preisniveau seien das sicherlich deutlich über 7 Mio. Euro. Nach Abzug der Fördermittel bliebe ein Eigenanteil von ca. 4,5 Mio Euro. Durch die Sanierung des Freibades würden weitere zusätzliche Belastungen auf den städtischen Haushalt zukommen. Mit jährlich 180.000 Euro für Zinsen und Tilgung rechnet die FDP bei vollständiger Sanierung und fordert: „Wer das möchte, soll bitte schön auch erklären, wie das finanziert werden soll“ und was in Herdecke noch eingespart werden kann.

Lösung könnte vielleicht weiter ein Investorenmodell sein. Auch wenn SPD und Grüne einer großen Variante mit einem Wellness-Hotel nicht zustimmen wollten, könnte immer noch nach einer kleinen ausschließlich auf dem vorhandenen Freibad-Gelände gesucht werden. Dabei kommt es auch darauf an, welche Bedingungen an die Gewährung des Zuschusses geknüpft sind und ob die Stadt auch Partner haben darf, wenn sie gefördert ins Bad investiert.

Andreas Disselnkötter geht davon aus, dass es eine Ausschreibung für Gastronomie auf dem Freibad-Gelände geben wird. Erforderlich sei es auch, „für die TSG Herdecke ein anderes Gebäude zu finden oder bereit zu stellen, denn das bislang genutzte Gebäude am Freibad ist längst abbruchreif.“

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