Theater

Herdecker Theater am Stiftsplatz zeigt „Nachtasyl“

Gerhild Jürgens als Markthändlerin Kwaschnja (Mitte) mitErika Uffelmann, Dieter Freese und Martina Panzau (von links).

Gerhild Jürgens als Markthändlerin Kwaschnja (Mitte) mitErika Uffelmann, Dieter Freese und Martina Panzau (von links).

Foto: Foto: Ingrid Breker

Herdecke.   Zimmertheater führt das Gorki-Stück in Erinnerung an Eileen-Anne Plümer auf. Premiere am 8. Februar. Zuvor gibt es eine Silvester-Lesung.

In Erinnerung an Eileen-Anne Plümer, die vor einem Jahr verstorbene Gründerin des Theaters am Stiftsplatz, führt das Ensemble des Zimmertheaters im neuen Jahr noch einmal das Drama „Nachtasyl“ von Maxim Gorki auf. An einem Probenabend geben Christoph Schreifels (Inszenierung) und Ulla Biermann (Intendanz) einen Einblick in ihre Arbeit.

„Im Original sind es 17 Rollen, aber so viele Schauspieler hier auf die Bühne zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Denn viele sind noch berufstätig“, sagt Christoph Schreifels zur Erklärung dafür, dass in seiner aktuellen Inszenierung nur 14 Schauspieler agieren. „Ich habe einige Rollen gestrichen, und aus einigen Männer- kurzerhand Frauenrollen gemacht. Und dann sind wir es gemeinsam angegangen“, so Schreifels weiter. Ulla Biermann nickt und fährt fort: „Wir beide arbeiten das erste Mal in dieser Kombination und harmonieren sehr gut.“ Als Frau der ersten Theater-Stunde erinnert sich Ulla Biermann noch gut an die „Nachtasyl“-Inszenierung von Anne Plümer. „Vor 34 Jahren war es schon ein sehr gutes Stück. Aber jetzt empfinde ich es ganz anders, was natürlich am Regisseur, den Schauspielern und auch an den Räumen liegt. Damals, vor dem Umbau, hatte das Theater nur 20 Plätze. Jetzt haben wir dagegen einen Palast und ein tolles Ambiente“, so Ulla Biermann.

Im Stück geht es um eine Gruppe von Gestrandeten und Verlierern in einem russischen Obdachlosenheim. Ehemalige Arbeiter, Kleinbürger und gescheiterte Existenzen warten in diesem Nachtasyl lethargisch auf das Jenseits. Sie ergeben sich dem Suff, hoffen auf eine Erlösung im Diesseits und gehen dafür sogar über Leichen. Sie fragen nach dem Sinn des Lebens und der Arbeit, und jeder sucht auf seine Weise nach der Wahrheit. Das Nachtasyl ist ein Ort ohne jede Hierarchie, das Leben draußen nur noch Erinnerung. Gorkis Drama ist ein Experiment zur Bestimmung dessen, was Humanität ausmacht. Und es fragt, was vom Menschen übrig bleibt, wenn alle Fassaden verschwinden?

Das schöne Leben verloren

Für Ulla Biermann und Christoph Schreifels ist die Thematik von Obdachlosigkeit, Scheitern und Stranden nicht unbedingt schwerer Stoff, sondern vor allem aktueller denn je: „Im Nachtasyl kommen verschiedene Schicksale zusammen. Menschen, die ihr schönes Leben verloren haben und auf ein anderes hoffen. Aber das Nachtasyl wird am Ende ihr Schicksal bleiben“, sagt Schreifels. Als die ersten Darsteller zur Probe im Theater erscheinen, gibt er schmunzelnd zum Besten, dass fortan im Theater nicht mehr geputzt werde: „Und die Klamotten werden niemals gewaschen, Parfüm gibt es nicht, und bitte alle Sachen in die Ecke schmeißen.“

Ganz klassisch sei die aktuelle Inszenierung angelegt, so wie einst die von Anne Plümer im Jahr 1985, fährt Schreifels fort. „Aber es ist keine Kopie, sondern in Anlehnung und Erinnerung an sie entstanden“, sagt der Regisseur, der damals übrigens gemeinsam mit Ulla Biermann als Schauspieler in dem Stück auf der Bühne stand.

Ab Februar 2019 werden in „Nachtasyl“ die folgenden Darsteller zu sehen sein: Alina Boldt, Dieter Freese, Lothar Gerber, Karl Hartmann, Nina Herzig, Gerhild Jürgens, Frank Korneffel, Roland Müller, Martina Panzau, Gabriele Peitscher, Detlef Schäkermann, Erika Uffelmann, Thilo Wagner und Siglinde Waltjen-Scholta.

Humoriges am Silvestertag

„Bald, so wird es zwölfe schlagen ...“, sagt Wilhelm Busch, „und bis dahin mach ich mir ein wenig Punsch und schaff mir damit gute Laune.“ Gute Laune, humorige Verse und Geschichten bringt diesmal Peter Schütze am Silvestertag, 31. Dezember, ins Theater am Stiftsplatz. Lauter heitere und witzige Stücke stehen dort ab 16 Uhr auf dem Programm: Wilhelm Busch ist dabei; freche Verse von Joachim Ringelnatz und versponnene Lyrik von Christian Morgenstern. Peter Schütze erweckt sie und andere Großmeister der komischen Dichtung zu neuem Leben. der Schauspieler und Ex-Chefdramaturg des Hagener Theaters, danach lange Jahre Intendant der Schlossspiele Hohenlimburg, ist auch als Rezitator bekannt und kann aus einem reichen Repertoire schöpfen.

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