Stromtrasse

Herdecker trauern um Natur am Silbersee

Die vorbereitenden Baumaßnahmen von Amprion wie hier beispielsweise in der Nähe des Speicherbeckens sind rechtmäßig. 

Die vorbereitenden Baumaßnahmen von Amprion wie hier beispielsweise in der Nähe des Speicherbeckens sind rechtmäßig. 

Foto: Yvonne Held

Herdecke.  Amprion führt derzeit vorbereitende Maßnahmen für die geplante Stromtrasse durch. Dabei musste viel Flora und Fauna weichen.

Der Anblick kann auch hartgesottenen Herdeckern schon den Atem rauben. Doch nicht vor Bewunderung, sondern vor Entsetzen. Am sogenannten Silbersee, dem Speicherbecken oben Im Kleff in Herdecke, hat Amprion begonnen, die Vorbereitungen für die Trassenführung zu treffen. Dort, wo sonst Blumen, Bäume sowie Sträucher standen und viele Insekten lebten, ist nichts mehr zu sehen. Schlammige Baggerspuren zeugen von den Arbeiten, die dort durchgeführt wurden.

Traurig über das Ausmaß der Arbeiten

Wolfgang Heuer von der Prozessgemeinschaft Herdecke unter Strom traute seinen Augen kaum, als er dort gemeinsam mit seiner Frau Gisela spazieren ging. Ebenso erging es auch Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster. Sie hielt ihre Eindrücke mit dem Handy fest. Äußerte sich auf Facebook fassungslos, ebenso wie unserer Zeitung gegenüber: „Ich bin traurig über das Ausmaß der Arbeiten am Silbersee. Hier wurde keine Rücksicht auf die heimische Flora und Fauna genommen“, sagt sie. Doch dagegen kann weder sie noch irgendjemand von der Stadtverwaltung etwas unternehmen, denn laut Planfeststellungsbeschluss von der Bezirksregierung Arnsberg sind die Arbeiten rechtmäßig. Zur Erinnerung: Hochspannungsfreileitungen benötigen zur Errichtung und zum Betrieb eine Planfeststellung oder Plangenehmigung. Am Anfang der Planung und Antragstellung von Neuvorhaben oder Änderungen steht die Ermittlung der Umweltauswirkungen.

Andreas Nörten von der Bezirksregierung Arnsberg bestätigt, dass auch Amprion Auflagen erhalten hat. „Alle Maßnahmen werden mit einer ökologischen Baubegleitung unsererseits durchgeführt. Die Auflage ist, dass alle Maßnahmen so durchzuführen sind, dass möglichst Schäden der Umwelt- und Natur vermieden werden. Unvermeidbare Schäden sind nach Fertigstellung der Maßnahme wieder herzustellen oder auszugleichen“, so Nörten.

Auf eigene Gefahr

Amprion habe die Vorbereitungsmaßnahmen mit Genehmigung der Bezirksregierung begonnen, allerdings sozusagen auf eigene Gefahr, denn: Am 12. Dezember steht die Anhörung vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig an, ob dem Einspruch der Herdecker Bürger gegen den Bau der 380-Volt-Stromleitung stattgegeben wird. „Das Risiko geht Amprion mit unserer Zustimmung ein. Sollte das Bundesverwaltungsgericht gegen die Trasse entscheiden, müssen natürlich die bis dahin angefangenen Maßnahmen wieder zurückgebaut und die Natur dementsprechend wieder hergestellt werden“, erklärt Andreas Nörten weiter. Für Wolfgang Heuer nur ein kleiner Trost, denn er sieht bereits die nächste Naturzerstörung kommen. „Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass in der Erdbrögge die Leitungen über das Gebiet gehen und die Natur davon nicht berührt wird. Doch ich habe heute mit Amprion telefoniert und dort wurde mir bestätigt, dass dort genauso vorgegangen werden soll wie da oben am Herrentisch. Das hat mich geschockt“, sagt Heuer.

So geht es weiter

Am 12. Dezember entscheidet das Bundesverwaltungsgericht Leipzig, ob die Genehmigung der Bezirksregierung rechtens ist und Netzbetreiber Amprion die Arbeiten fortsetzen darf, oder ob die Bürger recht haben.

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