Gericht

Herdecker wird Opfer eines Internet-Betrugs

Die Prozessakte im Fall des Herdeckers ist geschlossen. Er wird sein Geld wohl nicht wiedersehen.

Foto: Michael Kleinrensing

Die Prozessakte im Fall des Herdeckers ist geschlossen. Er wird sein Geld wohl nicht wiedersehen. Foto: Michael Kleinrensing

Herdecke.   Eine Anbieterin aus Bergkamen wird zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie hatte  einen Herdecker für Schuhe zahlen lassen, die nie ankamen.

Der Mann aus Herdecke, der im Amtsgericht Kamen als Zeuge auftrat, wirkte merklich verärgert. Aus gutem Grund: Über Ebay-Kleinanzeigen hatte er im Februar fünf Paar Schuhe für 155 Euro gekauft und das Geld auf das Konto einer Frau aus Bergkamen überwiesen.

Als sich eine Woche später noch nichts getan hatte, nahm er Kontakt zu der 30-Jährigen auf. Diese erklärte, die Schuhe noch nicht zu haben. Sie versicherte aber, dass die Ware zu ihr unterwegs sei. Zehn weitere Tage verstrichen ohne Lieferung. Plötzlich war die 30-Jährige nicht mehr erreichbar. Etwas später vertröstete sie den 23-Jährigen dann erneut.

Der forderte daraufhin sein Geld zurück – ohne Erfolg. Schließlich habe es ihm gereicht und er sei zur Polizei nach Wetter gefahren, um Anzeige wegen Betruges zu erstatten, gab der 23-Jährige im Gericht an. Im Sitzungssaal traf der Herdecker zum ersten Mal persönlich auf die Betrügerin. Die lieferte dem Gericht eine ausführliche Geschichte. Im Internet habe die Türkin einen Mann aus ihrem Heimatland kennengelernt. Dieser habe sie gebeten, für ihn Schuhe in Deutschland zu verkaufen.

Bei 5 Euro Provision pro Paar konnte die Bergkamenerin nicht widerstehen. Nachdem der Käufer das Geld auf das Konto der Frau überwiesen hatte, passierte nichts mehr. „Ich hatte das Geld ja nicht“, erklärte die Angeklagte. Nach Abzug ihrer Provision habe sie den Rest über Western Union in die Türkei geschickt. „Ich war nur eine Dolmetscherin, eine Vermittlerin“, so die Frau. Mit dem Verschicken der Ware hätte sie nichts zu tun gehabt.

Angeklagte findet keinen Glauben

Angaben zum angeblichen, eigentlichen Verkäufer konnte die Bergkamenerin nicht machen. Sie konnte lediglich einen Vornamen nennen. „Haben Sie denn nicht gemerkt, dass das Betrug ist?“, wollte der Richter wissen. Schließlich hätte der Verkäufer seine Ware selbst in Deutschland anbieten können. Das, so die Angeklagte, sei wohl nicht möglich gewesen, da die Kunden ungern Geld in die Türkei überweisen wollten.

Bezüglich des Kontaktes mit dem Herdecker gab die Frau an, dass eine sprachliche Barriere – beide haben Migrationshintergrund – die Verständigung erschwert habe. Davon war im Gericht allerdings nichts zu spüren. Sowohl die 30-Jährige als auch der Geschädigte beherrschen die deutsche Sprache gut. Das bestätigte der Geschädigte auch.

Richter und Vertreterin der Staatsanwaltschaft machten keinen Hehl daraus, dass sie der Bergkamenerin nicht glaubten. So folgte ein Urteil von 450 Euro Geldstrafe wegen Betruges für die Hartz-IV-Empfängerin. Die Angeklagte war in der Vergangenheit schon einmal wegen Betruges straffällig geworden. Damals hatte sie Kleidung bestellt und nicht bezahlt. Vom aktuellen Urteil hat der Herdecker nichts. Er wird sein Geld wahrscheinlich nicht wiedersehen.

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