Soziales

Herdecker wirft Jugendamt Erpressung vor

In Familien gibt es manchmal Streit. In diesem Fall können sich Eltern und auch Kinder und Jugendliche an das Jugendamt wenden. Eine Familienhelferin kann eine Maßnahmen sein, die Situation zu lösen.

Foto: Jan-Philipp Strobel

In Familien gibt es manchmal Streit. In diesem Fall können sich Eltern und auch Kinder und Jugendliche an das Jugendamt wenden. Eine Familienhelferin kann eine Maßnahmen sein, die Situation zu lösen. Foto: Jan-Philipp Strobel

Herdecke.   Der Gesetzgeber macht klare Vorgaben zur Inobhutnahme von Jugendlichen. Ein Vater macht der Stadt Herdecke dabei nun schwere Vorwürfe.

Mit schweren Vorwürfen überzieht ein alleinerziehender Vater die Stadt Herdecke. Die vom Jugendamt eingeschaltete Familienhelferin habe ihm seine Tochter nur weiter entfremdet. „Ich habe mir Hilfe erbeten und den Teufel ins Haus geholt“, sagt Jürgen Warnke*. Mittlerweile ist die 17-Jährige in Obhut genommen.

Vater sieht keinen Grund für Auszug

Der Vater spricht im Zusammenhang mit dem Jugendamt vom immer gleichen Ablauf „von Erpressung und Einschüchterung“ und „gefälschten Berichten“ der von ihm in Anführungszeichen gesetzten Familienhilfe. Weil er dem „grundlosen Auszugswunsch“ seiner Tochter nicht entsprochen habe, sei er massiv unter Druck gesetzt worden. Wobei das Jugendamt die Möglichkeiten ausgeschlagen habe, sich über die wahren Verhältnisse in der Familie zu informieren.

Das Jugendamt darf zu Einzelfällen nichts sagen. Generelle Auskünfte gibt es sehr wohl. Bitte eine Familie um Hilfe, würden häufig auf Antrag der Eltern sozial-pädagogische Familienhelfer geschickt. „Die kochen nicht, die waschen nicht, die putzen nicht“, stellt Renate Stöver, Leiterin des Jugendamtes in Herdecke, klar. „Es geht im Wesentlichen um die Klärung von Beziehungen, Rollen und Strukturen in der Familie“, heißt es bei der Stadt über die studierten Fachkräfte der Familienhilfe. Zufriedenheit sei allerdings nicht garantiert.

Blick auf die Zukunft

Immer mal wieder wollen Teenager ihren häuslichen Verhältnissen entfliehen. Dabei lässt das Gesetz dem Jugendamt nicht immer Spiel: „Wenn ein Kind klar sagt, ich möchte in Obhut genommen werden, müssen wir das tun“, sagt Dieter Joachimi. Danach würde dann mit den Eltern gesprochen, ob noch etwas zwischen ihnen und dem Kind zu kitten sei. Dabei spiele weniger eine Rolle, wie das Verhältnis früher einmal war, sondern welche Chancen das Jugendamt für ein künftiges Zusammenleben sehe. Die Bezugnahme auf die Vergangenheit verhindere in aller Regel notwendige Veränderungen.

Im konkreten Fall hieß es zu Beginn des Jahres bei der Familienhelferin über die Tochter: „Ihre Beurteilung der häuslichen Situation und deren Veränderung ist völlig konträr zu der des Vaters.“ Der Vater hält mit Chat-Ausdrucken dagegen, hunderte von Seiten. Für ihn sind sie ein Ausdruck des vertrauten Umgangs und des Alltags: „Die Stadt will das aber nicht zur Kenntnis nehmen.“

Termin beim Familiengericht

Mittlerweile hat es einen Termin vor dem Familiengericht gegeben. Angestrengt hatte ihn die Tochter. Dabei wurde nicht verfügt, dass die 17-Jährige wieder zum Vater und den Geschwistern zurück muss. Sie soll zunehmend selbstständiger werden können. Eine ganze Reihe von Strafanträgen habe er gestellt, sagt der Vater auf Nachfrage: gegen einen Vertreter des Herdecker Kinderschutzbundes wegen übler Nachrede und versuchten Prozessbetrugs, gegen einen Mitarbeiter des Jugendamtes wegen Nötigung, und gegen die Familienhelferin wegen „nachweislich falscher Erstellung eines Gutachtens“.

Rückkehr angeboten

Natürlich habe es auch einmal Missklänge unter den Geschwistern gegeben, sagt der Vater über mögliche Beweggründe, warum seine Tochter weg bleiben will und schon vor der Inobhutnahme zu einer Freundin geflüchtet war. Und dann sei da auch noch der Freundeskreis des Teenagers. Vorwiegend aus Älteren würde er bestehen, alt genug für eine eigene Wohnung. Die Tochter lässt er wissen: „Sie kann gerne nach Hause kommen.“ Dann fügt er an: „Ich liebe sie. Sie ist doch meine einzige Tochter.“

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