Tiere

Herdeckerin hilft: Mit tierischer Hilfe ins Leben zurück

Wäre Apollo ein Blindenhund, müsste er unterschiedliche Bodenbeläge erkennen und seinem Halter anzeigen können.

Wäre Apollo ein Blindenhund, müsste er unterschiedliche Bodenbeläge erkennen und seinem Halter anzeigen können.

Foto: Jana Peuckert / WP

Herdecke.  Jessica Börner aus Herdecke bildet Assistenzhunde für Menschen mit psychischen Problemen aus.

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Große Knopfaugen, wuscheliges Fell, tapsiger Gang. Noch wirkt der kleine Golden Retriever unbeholfen. Doch in zwei Jahren ist Apollo ausgebildeter Assistenzhund. Als solcher soll er dann seiner Besitzerin, einer Schülerin mit Posttraumatischer Belastungsstörung, Halt und Sicherheit im Alltag geben.

Ausgebildet wird der Vierbeiner von Jessica Börner. Sie ist professionelle Hundetrainerin in Herdecke, hat sich auf die Ausbildung von Aggressions-, Angst- und Assistenzhunden spezialisiert. Was als Nebenjob begann, hat sich mittlerweile zum Hauptberuf entwickelt.

Seinen Anfang nimmt dieser Weg Jessica Börners in den USA. Nach Abschluss ihres Studiums der Sozialpsychologie, gepaart mit Englisch, zieht es Börner 2010 nach Kalifornien. „Ich hatte einfach Lust auf etwas Neues“, begründet die 37-Jährige ihre Entscheidung. Sie arbeitet im Bereich der Krisenintervention mit Therapeuten für Menschen und Tiere zusammen. Schließlich wird sie auf ein Projekt des Jugendamtes aufmerksam. Gemeinsam mit Hundetrainern bilden Kinder, die vom Jugendamt betreut werden, Golden Retriever Welpen zu Rollstuhlbegleithunden aus. Die Mädchen und Jungen nehmen die Tiere mit ins öffentliche Leben. Der Besuch im Supermarkt gehört ebenso dazu wie der Aufenthalt in Büroräumen. Und die Vierbeiner werden an den Rollstuhl gewöhnt.

Wege der Ausbildung

Nach zwei Jahren übergeben die Kinder die Hunde in einer feierlichen Zeremonie an die Rollstuhlfahrer. Ein Moment, der Jessica Börner sehr beeindruckte. Sie wird Teil des Projektes, betreut die Kinder: „Das war mein Einstieg in die Assistenzhundeausbildung. Ich fand das toll.“ Zurück in Deutschland beschließt sie, professionelle Hundetrainerin zu werden. 2016 ist sie mit der Ausbildung fertig und macht sich schließlich selbstständig.

Ein Bereich ihres Wirkens umfasst die Ausbildung von Assistenzhunden für Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung. Das können Menschen mit Depressionen sein, Opfer von Gewalttaten, Menschen mit chronischem Stress. Die Ausbildung kann auf drei Wegen erfolgen. Ist bereits ein Hund vorhanden und ist dieser als Assistenzhund geeignet, bleibt das Tier bei seinem Besitzer, und die Ausbildung geschieht durch regelmäßige Treffen mit Börner. Bei der Kombiausbildung lebt der Hund teilweise beim Besitzer und für gewisse Zeiten bei der Trainerin. „Diese Form macht am meisten Sinn“, sagt Jessica Börner. Als Drittes gibt es die Möglichkeit der Fremdausbildung. Dabei lebt der Hund bis zum zweiten Lebensjahr bei Jessica Börner und wird während dieser Zeit komplett ausgebildet. Sowohl bei der Kombi als auch bei der Fremdausbildung können die Tiere auch für ein Jahr bei Patenfamilien bleiben und dort das Leben kennenlernen, Grundkommandos erfassen.

Die Trainerin ist dann nur noch für das Beibringen der Assistenzleistungen zuständig. Diese sind vielseitig. Je nach Bedürfnis der Patienten können die Hunde lernen, ihre Halter zu Pausen bei der Arbeit zu zwingen, Menschen von ihrem Halter fernzuhalten, sie bei Panikattacken an einen ruhigen Ort zu führen, Tabletten zu bringen, zum Aufstehen zu motivieren oder bei Notfällen Hilfe zu holen. Besonders sensible Hunde sind in der Lage, epileptische Anfälle und Panikattacken im Vorfeld zu spüren und ihre Menschen aus Alpträumen zu wecken und zum Beispiel Licht anzumachen.

Für Jessica Börner ist ihr Beruf nicht einfach nur ein Job. Es ist eine Tätigkeit, die sie erfüllt. Und das jeden Tag aufs Neue. „Glücklich selbstständig durch Hund“, fasst sie ihre Gefühle zusammen. Es sei einfach wunderbar zu sehen, wie Menschen dank ihrer tierischen Begleiter wieder fähig sind, unter Menschen zu gehen, am Leben teilzunehmen, mit Stress klarzukommen.

Wer Interesse an einem Assistenzhund hat oder Patenfamilie werden möchte, kann sich bei Jessica Börner unter 01523/3727322 oder per Mail an info@professionelles-hundetraining.de melden.

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