Geschichte

Historische Baukunst am alten Herdecker Postamt

Bildzeilen:Bei der derzeitigen Sanierung des Fachwerkbaus Hauptstraße 76 in Herdecke kommt nach der Entfernung des Verputzes in einigen Gefachen die originale Ausfachung aus einem Holz- bzw. Weidengeflecht mit einem Lehm-Strohgemisch Bewurf zum Vorschein.

Bildzeilen:Bei der derzeitigen Sanierung des Fachwerkbaus Hauptstraße 76 in Herdecke kommt nach der Entfernung des Verputzes in einigen Gefachen die originale Ausfachung aus einem Holz- bzw. Weidengeflecht mit einem Lehm-Strohgemisch Bewurf zum Vorschein.

Foto: Gerhard E. Sollbach

Herdecke.   Das Gefache an der Hauptstraße ist freigelegt. Zu späterer Zeit war das Gebäude eine Gaststätte und Pizzeria

Im Zusammenhang mit der Sanierung des alten Fachwerkbaus Hauptstraße 76 in Herdecke ist jetzt für kurze Zeit auch ein Zeugnis historischen Fachwerkbaus am Ort sichtbar geworden. Nach Entfernung des Putzes kam nämlich an mehreren Stellen der Außenwand in einigen Gefachen die ursprüngliche Ausfachung zum Vorschein. „Gefache“ bezeichnet den Raum zwischen den Holzbalken.

Die Ausfachung, die Füllung der Gefache, geschah in der Vergangenheit je nach Epoche, Raum und Verfügbarkeit von Material auf verschiedene Weise.

Kuhmist zugemischt

Hier bestand sie aus einem Holz- bzw. Weidengeflecht, das anschließend mit einem Lehm-Strohgemisch beworfen wurde. Manchmal wurde dem auch noch Kuhmist beigemischt. Zum Schutz vor der Witterung wurde das Ganze anschließend mit Mörtelkalk verputzt. „Es wäre wünschenswert, wenn zumindest eines dieser Gefache mit der originalen Ausfachung erhalten und mit einem Schutzglas versehen als visuelles historisches Dokument der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte“, meint Gerd Solbach.

Das Gebäude stammt zumindest aus dem späten 18. Jahrhundert. In ihm wurde nämlich 1772 das erste Herdecker Postamt eingerichtet. Allerdings handelte es sich dabei nicht um ein eigentliches Postamt, sondern bloß um eine Postwärterei/Postexpedition.

Postwärter nur Nebentätigkeit

Diese war eine dem nächsten Postamt zugeteilte Post-Nebenstelle. Die Stelle eines Postwärters war jedoch schlecht besoldet. Auch der erste Herdecker Postwärter, Carl Heinrich Deutecom, übte dieses Amt daher nur als Nebentätigkeit aus und hatte noch andere Einkünfte. Er war nämlich außerdem Apotheker und 1796 übernahm er außerdem noch den Posten des Stiftsamtmanns des Herdecker Damenstifts.

Bis mindestens 1876 ist die Herdecker Poststelle in dem heutigen Haus Hauptstraße 76 verblieben. Danach befand sich darin bis in die 1950er Jahre die Gaststätte mit dem passenden Namen „Zur alten Post“. Danach ist in ihm einige Jahre eine Pizzeria betrieben worden. Anschließend stand das Gebäude jahrelang leer und war dem Verfall preisgegeben.

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