Leidenschaft

Hubert Harst macht Fotos aus schwindelerregender Höhe

Hubert Harst, erfahrener Luftbild- und Architekturfotograf aus Herdecke.

Hubert Harst, erfahrener Luftbild- und Architekturfotograf aus Herdecke.

Foto: Patrick Friedland

Herdecke.   Er geht häufig in die Luft – aber nie ohne Kamera. Der Herdecker Hubert Harst ist seit über 50 Jahren Fotograf und wurde nun im WDR portraitiert.

„Weil’s einfach schön ist.“ So beantwortet Hubert Harst die Frage von WDR-Reporterin Sandra Jozipovic, warum denn gerade Herdecke „sein Lieblingsort“ ist. Regelmäßig sucht das Fernsehteam des „dritten Programms“ die Lieblingsorte der Menschen in Nordrhein-Westfalen, nun war die 23 000-Einwohner-Stadt im Ruhrtal an der Reihe – mit Hubert Harst als Haupt-Protagonist.

Seit 1998 ist der in Essen großgewordene Luftbild- und Architekturfotograf ein Einwohner Herdeckes und will dort auch nicht mehr weg. „Meine Frau und ich wohnten über 20 Jahren in Witten und sind 1998 auf den Schnee gezogen. Dort wurden wir von den Nachbarn super aufgenommen und fühlen uns sehr wohl“, verrät Harst.

Zwischen Spaziergängen mit dem Hund sowie Garten- und Bastelarbeiten findet der 73-Jährige immer noch mehrmals im Monat die Zeit, seiner größten Leidenschaft zu frönen. Mit seinem langjährigen treuen Weggefährten und Piloten Elmar Bomholt geht es in die Luft, um von ganz weit oben die ein oder andere schöne Aufnahme zu machen. Seit einem halben Jahrhundert fotografiert Harst Landschaften, Gebäude und deren Bauarbeiten. Der Schwerpunkt liegt zwar seit jeher auf dem Ruhrgebiet, der Beruf, den Harst seit 1985 selbstständig ausführt, brachte ihn aber schon um den halben Erdball.

Dabei entstanden lustige Anekdoten, manchmal wurde es jedoch gefährlich: „1977 fotografierte ich das Legen einer Wasserleitung in der iranischen Hauptstadt Teheran, damals regierte noch der Schah. Vorab wurde mir gesagt: ‘Wenn ihr ins Restaurant oder Café geht, verliert kein Wort über den Schah.’ Überall saßen dort heimlich Polizisten – und da die meist von der deutschen GSG 9 ausgebildet wurden, konnten die alle die deutsche Sprache“, erinnert sich Harst.

Königin ließ ihn hungern

Einige Jahre später sorgte die spanische Königin für Hungergefühle: „Einmal sollte ich die Sternwarte an der Sierra Nevada fotografieren, das Königspaar war mit dabei. Als es dann zum gemeinsamen Abendessen gehen sollte, wurde ich an der Tür von Wachmännern aufgehalten: ‘No prensa’. Die Königin wurde vorher einmal unvorteilhaft beim Essen fotografiert und wollte danach beim Essen nie wieder einen Pressefotografen um sich herum haben. Blöderweise gab es da auch keinen Kiosk, an dem ich mir etwas zu Essen hätte holen können“, sagt Harst, der über diese Anekdote mittlerweile schmunzelt.

Auftragsarbeiten für den weltweit agierenden Essener Baukonzern Hochtief oder auch den Auto-Hersteller Toyota, bei dem Harst sogar tiefe Einblicke hinter die Kulissen der Formel-1-Abteilung bekam, sind weitere Referenzen des Ruhrpottkindes, welches die Fotografie in den 60ern bei der Bundeswehr erlernte. Vorher arbeitete er als Retuscheur, den Berufswechsel bewertet er rückblickend als „sehr gute Entscheidung.“

Schockierende Entwicklungen

Weniger optimistisch betrachtet er die Zukunft des Berufsbildes des Fotografen. Er gibt zu, schockiert gewesen zu sein, als er sah, dass die WDR-Mitarbeiterin ihn gar nicht mit einer handelsüblichen Videokamera filmt. „Die hat das alles schon mit dem Smartphone gemacht. Das ist irgendwie erschreckend, dass das in dieser Qualität funktioniert.“

Eine Frage bleibt nach 50 Jahren rund um Kameras, Foto-Entwicklung und Bearbeitung aber noch offen. Was möchte Hubert Harst noch vor die Linse bekommen? „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wären es Reisen nach Kanada, Neuseeland und China. Auch der Osten Deutschlands mit Dresden, Schwerin, Wismar oder Görlitz wäre nochmal ein attraktives Ziel.“ Klar ist für ihn: „Ich mache das so lange weiter, wie ich noch laufen kann und in ein Flugzeug reinkomme.“

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