Gehölzschnitt

In der „Wüste“ an der B54 in Herdecke keimt es schon

Lars Schmidt ist bauüberwachender Baumkontrolleur von Straßen.NRW. Im „Ohr" an der Zufahrt zur B54 in Herdecke demonstriert er, warum Gehölzpflege nötig ist und wie sie ausgerichtet ist.

Lars Schmidt ist bauüberwachender Baumkontrolleur von Straßen.NRW. Im „Ohr" an der Zufahrt zur B54 in Herdecke demonstriert er, warum Gehölzpflege nötig ist und wie sie ausgerichtet ist.

Foto: Klaus Görzel

Herdecke.  Lars Schmidt ist Baumkontrolleur von Straßen.NRW. Er erklärt, warum so viele Bäume an der Zufahrt zur B54 in Herdecke gefällt worden sind.

Nein, weltfremd ist Lars Schmidt gewiss nicht. „Das sieht auf den ersten Blick schon sehr wüst aus“, bestätigt der Baumkontrolleur von Straßen.NRW, was auch viele Zeitgenossen zu sehen scheinen. Aber dann blickt er genauer hin und zeigt, dass die Wüste lebt. Und er erklärt, warum so viele Bäume gefällt worden sind im „Öhrchen“ an der Abfahrt von der B54 zur Hengsteyseestraße hin.

„Da stehen die hundert Jahre, und plötzlich geht das nicht mehr“, hat im Internet eine Leserin den Bericht über den Start der Gehölzpflege in Herdecke kommentiert und noch mal nachgelegt: „Selbst wenn man Neue pflanzt – das dauert hundert Jahre, bis die mal so groß werden.“ Die nächste Stimme gibt ihr Recht: „Unfassbar, wie das überall aussieht. Außer ,abgefetzten’ Baumstümpfen ist nichts mehr zu sehen.“ 100 Jahre? Keine Pflanzen mehr da? Lars Schmidt will sachlich und fachlich dagegen halten.

Für den Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung ist das Öhrchen in Herdecke eine „klassische Stelle“, weil sich gut zeigen lässt, in welchem Zustand das Wäldchen war, welche Gefahren von ihm ausgegangen sind und was schon in diesem Frühjahr von der Natur zu erwarten ist. Er stellt eine Art Riesenzollstock neben einen Hartriegel. Einen Meter zehn ist das zarte Pflänzchen jetzt hoch. „Der wird explodieren“, sagt er, 30 bis 50 Zentimeter wachsen in diesem Jahr nach oben wie hin zu den Seiten.

Bruchgefahr gebannt

Eine große Vielfalt von Pflanzen macht Lars Schmidt aus, bei den geschlagenen Bäumen wie bei denen, die den Gehölzschnitt überlebt haben. Auf 40 bis 50 Jahre schätzt er zwei Ahorne, die ihre Äste nach oben strecken. Nussbäume hat er entdeckt, Eiche, Kirsche, und auch Hainbuche. Eine davon ragt hoch auf. Fünf bis sechs Jahre sei diese wohl alt, schätzt der Mann von Straßen.NRW. Schnell nach oben gegangen, um ans Licht zu kommen. Und deshalb - zumindest in direkter Straßennähe - auch eine Gefahr.

Lars Schmidt spricht vom HD-Faktor: dem Höhen-Dicken-Verhältnis. Schießen die Bäume in der unmittelbaren Konkurrenz zu anderen zu schnell nach oben, ist dieses Verhältnis ungünstig. Es besteht Bruchgefahr. Als Sträucher hat das Grün in der Schlaufe der Auffahrt begonnen, in den gut 30 Jahren seit Inbetriebnahme der Umgehungsstraße sind daraus Bäume geworden, dicht an dicht.

Sicherheit geht vor

An den übrig gebliebenen Stöcken will er zeigen, dass viele der Bäume schon in Schieflage waren, bevor die Maschinen über die Fläche gegangen sind. Auf abgefaulte Wurzeln deutet er, ungesunde Rötungen und immer wieder Stämme, die gleich am Stock eigentlich schon zwei oder drei Stämme sind. Manchmal gabeln sich die Stämme aber auch erst auf einer Höhe von zwei oder drei Metern. Wo die Stämme sich auseinander bewegen, sich voneinander wegdrücken, „erhöht sich im Laufe der Jahre die Bruchgefahr“.

Straßen.NRW hat eine Fremdfirma beauftragt, die Gehölzpflege am Öhrchen zu machen. Das schließt auch die Auswahl der Bäume ein, die stehen bleiben dürfen. „Die haben einen Blick dafür, was überlebensfähig ist“, sagt er. Und es gibt ja auch klare Richtlinien, wie eine solche Gehölzpflege auszusehen hat. Aber auch, welche Ziele dabei im Vordergrund stehen: Bauwerke müssen zugänglich sein, damit sie geprüft werden können. Darum wird es vor allem gehen, wenn die Arbeiten zu beiden Seiten der Lärmschutzwand entlang der B 54 neu weiter gehen werden. Und: Von Bäumen soll keine Gefahr ausgehen, weder für Autofahrer noch für Fußgänger, die entlang der aufgeschossenen Wäldchen gehen.

Schüler auf dem Fußweg

Am Öhrchen in Herdecke sind das oft Schüler auf dem Fußweg von der Haltestelle vorm Zweibrücker Hof ins Schulzentrum am Bleichstein. Gerade hier seien schon einige der Bäume angeknackst gewesen, sagt Lars Schmidt. Zu seiner Ausrüstung zählt neben dem Riesenzollstock auch eine Kamera: Der bauüberwachende Baumkontrolleur der Regionalniederlassung Südwestfalen von Straßen.NRW muss dokumentieren, wie es vor und nach dem Schnitt ausgesehen hat. Am Rand der Hengsteyseestraße gibt es für ihn keinen Zweifel: „Hier gehen Kinder vorbei. Wenn da was passiert...“

Von einem Sträuchersaum scheint keine Gefahr auszugehen. Er durfte stehen bleiben, wie einzelne Bäume auf der Gesamtfläche auch. Und während im Unterholz viele kleine Pflänzchen darauf warten, Bäume werden zu können, zerreibt am Rand der B54 ein Riesenhäcksler den letzten letzten, noch nicht abgefahrenen Haufen aus umgelegten Bäumen und Gestrüpp. „Das geht oft in Bioenergieanlagen“, weiß Lars Schmidt, „und wird umgewandelt in Strom“. Ein Stück erneuerbare Energie also, sagt der Fachagrarwirt.

Gehölzschnitt in großen Abständen

Straßen.NRW muss die Zugänglichkeit von Bauwerken wie Brücken oder Lärmschutzwänden gewährleisten.

Auch sollen Verkehrsteilnehmer geschützt sein.

Aus Kosten- und Kapazitätsgründen findet die Pflege der Gehölze in großen zeitlichen Abständen statt.

Die Straßenmeisterei setzt dabei auch auf Fremdfirmen.

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