Kunst

In Herdecke: Dörken-Folie macht Spiel mit Farbe möglich

Viel Rot im Raum lässt beim Spiegeln neue Farben entstehen: Rita Rohlfing (Mitte) mit Professor Reinhold Happel,  Dr. Jochen Plaßmann und Christa Stronzik (von links) in der „Passage Rot“ in der Dörken-Galerie.

Viel Rot im Raum lässt beim Spiegeln neue Farben entstehen: Rita Rohlfing (Mitte) mit Professor Reinhold Happel, Dr. Jochen Plaßmann und Christa Stronzik (von links) in der „Passage Rot“ in der Dörken-Galerie.

Foto: Klaus Görzel / WP

Herdecke.  Produziert wird sie für den Bau. Jetzt wirkt Dörken-Folie mit bei einer ganz besonderen Ausstellung in der Dörken-Galerie in Herdecke.

Ein halbes Jahr war die Ausstellung fast fertig. Wegen Corona konnte sie nicht eröffnet werden. Nun wagt die Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung doch einen Versuch: Ab Sonntag ist die „Passage Rot“ von Rita Rohlfing zu begehen. Auch in anderen Werken der Kölnerin ist „der Schein und Raum der Farbe“ zu entdecken.

Erstmals wird in den Ausstellungsräumen über der Dörken-Produktion eine Installation gezeigt. Fast die Hälfte des großzügigen Galerie-Raums nimmt sie ein: Zwei zehn Meter lange Wände stehen im spitzen Winkel zueinander. Hinten ist ein schmaler Durchlass. Die eine Wand ist rot gestrichen, die andere – ja, genau das ist hier die Kunst: Die andere Wand ist mit spiegelnder Folie überzogen wie auch der Boden in dem Dreieck. Wer sie betritt, bewirkt eine Veränderung im Farbgefüge. Ganz neue Farben entstehen, folgen der Bewegung. Machen das Erlebnis flüchtig. Bewirken eine Augenblicksveränderung.

Eintreten und Mitmachen

„Das Werk ändert sich durch den Benutzer“, stellt Prof. Reinhold Happel fest. Er betreut die Ausstellung der Dörken-Stiftung und hat auch Rita Rohlfing bei ihren Versuchen begleitet, die Möglichkeiten des Galerie-Raums auszuloten. Am Modell im Maßstab 1:10 hat die Künstlerin alles eingerichtet, jetzt bei der Vorbesichtigung sagt sie: „Bitte reingehen!“, und Stiftungsvorstand Christa Stronzik folgt der Einladung. Verschwommen und verändert ist ihr Ebenbild auf der Spiegelfläche zu erkennen. Das Rot der Wand, die Folien und das Strahlerlicht von oben erfinden neue Farben. „Farbe ist nicht nur etwas Materielles“, stellt der Kunstprofessor fest, „Farbe ist vor allem eine Sache der Wahrnehmung im Kopf“.

Der Kopf muss erst mal damit klar kommen, dass hier ein ganz alltägliches Material der Kunst Flügel verleiht: Bei der spiegelnden Folie handelt es sich um Folien aus dem Hause Dörken. Um bei der Dachisolierung Wärme zurück nach draußen abzustrahlen oder aber Wärme im Haus zu behalten, werden sie für gewöhnlich eingesetzt. Hier nun wird Licht zurück geworfen, nicht in einem glänzenden Spiegelbild, sondern in vielen, vielen kleinen Karos, die das Kunstbild verschwommen wirken lassen, wie Rita Rohlfing hervor hebt. Eine Extra-Lage ist für die Wandbespannung angefertigt worden – ohne den sonst üblichen Aufdruck „Delta-Folien.“

„Vom Schein und Raum der Farbe“ – so der Untertitel der Ausstellung – kündet nicht nur das begehbare Dreieck an. Frisch ist die Ausstellung um einen Beinahe-Würfel ergänzt worden. Wer auf die Oberfläche schaut und sich dabei ein wenig bewegt, erlebt ebenfalls einen Wechsel von Farben. „Ein Spiel“, stellt Dr. Jochen Plaßmann als Vorstand der Stiftung fest, auch eine Täuschung der Sinne.

Auf den Blickwinkel kommt es an

„Was ist Farbe? Welche Wirkung erzielt sie?“ Das sind Grundfragen, die aus Sicht von Professor Happel das Werk von Rita Rohlfing durchziehen. Auch für scheinbar dreidimensionale Arbeiten an den Wänden gilt das und für eine Art Glaskasten, deren Inhalt sich verändert, wenn man davor die Position wechselt. Zu den geheimen Räumen der Farbe verschafft sie gerne Zutritt, auch und gerade weil dabei so vieles im Ungefähren bleibt. „Wir leben in einer Welt, die nicht begreifbar ist“, sagt sie und nimmt das in der Corona-Zeit verstärkt wahr, „es gibt keine Sicherheit, es gibt nur eine vermeintliche Sicherheit.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben