Umwelt

In Wetter und Herdecke läuft Kampf gegen Coffee-to-go-Becher

Vielerorts (wie in Moers) gibt es bereits ein Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher. Auch in Wetter und Herdecke steigt das Bewusstsein, diesbezüglich Müll zu vermeiden.

Vielerorts (wie in Moers) gibt es bereits ein Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher. Auch in Wetter und Herdecke steigt das Bewusstsein, diesbezüglich Müll zu vermeiden.

Foto: Arnulf Stoffel

Wetter.  Einwegbecher sind ein Problem für die Umwelt. Wie versucht wird, den Müllverbrauch zu reduzieren, zeigen Cafés und Bäcker in Wetter und Herdecke.

Wer kennt es nicht: Bevor der übliche Tag im Büro startet, schnell noch einen Kaffee. To go, versteht sich, denn zum gemütlich im Café Sitzen bleibt keine Zeit am Morgen oder auch später. Kaum ist der Kaffee im Pappbecher getrunken, landet dieser auch schon im nächsten Mülleimer – der bereits gefüllt ist mit unzähligen weiteren seiner Sorte.

Umweltfreundlich ist das ganz und gar nicht. Denn der Müllverbrauch durch Coffee-to-go-Becher ist erschreckend hoch: Fast drei Milliarden Einwegbecher pro Jahr sind es alleine in Deutschland, errechnete die Deutsche Umwelthilfe. Würde man all diese Becher mitsamt ihren Deckeln aufeinanderstapeln, würde sich ein Turm in der Länge von 300.000 Kilometern ergeben. In Form einer Kette ließe sich die Erde damit mehr als siebenmal umrunden.

Auch Plastik enthalten

Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem Material der Becher. Denn sie sind nicht nur aus Pappe gemacht, sondern zu Teilen auch aus Plastik. So besteht die Innenseite eines Coffee-to-go-Bechers beispielsweise aus einer Plastikschicht. Hinzu kommen Plastik-Deckel und -löffel, die jeweils zu einem Becher gehören.

Wie lässt sich das Problem lösen? Die Antwort liegt auf den Händen: gar keine oder zumindest weniger Coffee-to-go-Becher. Das heißt allerdings nicht, dass wir in Zukunft auf das Heißgetränk zum Mitnehmen verzichten müssen. Es gibt einige Cafés und Bäckereien, die sich dafür einsetzen, den Müllverbrauch zu reduzieren – natürlich auch in Wetter, Herdecke und Umgebung.

Bäckereien und Cafés vor Ort

Die Bäckerei Kamp im Ruhrtalcenter Wetter beispielsweise setzt, wie viele andere Unternehmen bereits, auf ein Pfandsystem. Hierbei können Mehrweg-Becher gegen einen Pfand von einem Euro ausgeliehen werden. Darauf macht die Bäckerei auf Facebook aufmerksam und wirbt für ihren sonnengelben Becher, mit dem das umweltfreundliche Pfandsystem funktionieren soll. Der Kamp-Becher heißt „MeerWert“ – denn „das Meer ist es uns wert“, wie auf der Verpackung des Bechers zu lesen steht.

Statt eines solchen Systems bietet das Eiscafé Mandoliti als Nachbar der Bäckerei an, den Kaffee im Ruhrtalcenter in eine selbst mitgebrachte Tasse einzuschenken. Auch im Eiscafé Sagui in der Kaiserstraße ist das möglich. Das Angebot werde aber kaum genutzt, teilt eine Eisverkäuferin mit. Höchstens die Mitarbeiter der umliegenden Büros kämen mit ihren eigenen Tasse vorbei.

Nicht nur Wetteraner setzen sich für Alternativen ein. Den eigenen Becher mitbringen können Kaffeetrinker auch im Eiscafé Rizzuti in Herdeckes Fußgängerzone.

Das gelte auch ein paar Meter weiter für Kunden der Bäckerei Kamm – dort in der Hauptstraße werde das Getränk jedoch mit eigenen Bechern in den des Kunden umgefüllt. Andrea Clemens ist eine der Verkäuferinnen in der Bäckerei. Sie erklärt außerdem, dass der Kunde stets die Wahl habe zwischen dem üblichen Pappbecher oder einem Pfandbecher. Denn auch die Bäckerei Kamm habe vor knapp einem Jahr ein Pfandsystem eingeführt. Wie das Angebot angenommen wird? „Durchwachsen“, sagt Andrea Clemens. „Die meisten wollen die Becher nicht wieder zurückbringen.“

Keine Gesetze

Auch große Unternehmensketten sind auf das Problem der Einwegbecher aufmerksam geworden. So bietet Tchibo seinen Kunden an, eigene Becher befüllen zu lassen. Bei Star Bucks und McDonalds gibt es sogar Rabatt für diejenigen, die ihre eigenen Tassen oder Becher mitbringen.

Coffee-to-go-Becher seien in den Amtsstuben jedoch zur Zeit kein großes Thema, teilt Dirk Weisselberg vom Landratsbüro des Ennepe-Ruhr-Kreis mit. Die einzelnen Wege der Cafés und Bäckereien, sich für Mehrweg anstatt Einweg einzusetzen, seien von diesen selbst eingeführt worden. Zudem gebe es Initiativen, die sich für Projekte und Maßnahmen gegen Einwegbecher einsetzen. Dass Verkäufer Heißgetränke in von Kunden mitgebrachte Tassen verkaufen, sei „rechtlich nicht ausdrücklich verboten“, so das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.

Hygiene-Vorschrift beachten

Bedenken gebe es höchstens in Sachen Hygiene. Es gelte eine Lebensmittel-Hygieneverordnung, die kurzgesagt jeden Verkäufer dazu verpflichte, seine Ware nicht zu verunreinigen und für die Sicherheit seiner Lebensmittel zu sorgen. Somit muss die Bedienung zum Beispiel darauf achten, dass ein kundeneigener Becher nicht in den Bereich hinter der Theke kommt. „Optimal ist die Nutzung von Umfüllgefäßen oder Becherhaltern bzw. Tabletts für die Kundenbecher“, rät der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft den Unternehmen. Somit kommen die Becher nicht mit der Kaffeemaschine oder anderen betrieblichen Einrichtungen in Berührung.

Cafés und Bäckereien seien außerdem nicht dazu verpflichtet, den Becher eines Kunden zu befüllen. Laut Spitzenverband müssen schmutzige Becher vom Personal konsequent abgelehnt werden. Und auch in Krankenhaus-Cafés oder anderen Einrichtungen, in denen besondere Rücksicht auf Hygiene genommen werden muss, sei das Angebot nicht zu erwarten.

Insgesamt scheint es trotzdem weder für Firmen noch für Kunden unmöglich, umweltschädliche Coffee-To-Go-Becher zu vermeiden und auf Alternativen umzusteigen – auch wenn dafür die ein oder andere Hygiene-Maßnahme mehr getroffen werden muss. Aber wem macht das schon was, wenn er dafür die Welt ein bisschen besser machen kann?

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