Karneval

Indianer und Clowns lassen es beim Ball in Wetter krachen

Der gute Geist des wetterschen Karnevals, Clown Confetti, mit einem närrischen Damen-Quartett.

Der gute Geist des wetterschen Karnevals, Clown Confetti, mit einem närrischen Damen-Quartett.

Foto: Jessica Börner

Wetter.  Astronauten, Zwerge und Teufel gaben sich beim Kostümball im Stadtsaal ein Stelldichein. Doch vor der Feier versperrten Polizisten die Tür.

Pünktlich um 18.11 Uhr sollten sich für alle Narren die Türen zum Stadtsaal öffnen – aber die Security war nicht in Sicht. Dafür tummelten sich vor der Tür bereits Heerscharen von Polizisten, Astronauten, Zwergen und Teufeln. Sie alle freuten sich auf eine ausgelassene Party mit Liveauftritt der Band „De Drömmelköppe“, Sambashow und Musik nonstop. Schließlich veranstalteten die Karnevalsfreunde Wetter ihren alljährlichen Kostümball – mit Kostümpflicht. Für das beste Einzel-, Partner- und Gruppenkostüm gab es hochwertige Preise zu gewinnen – zum Beispiel in Form von Gutscheinen für eine Massage, eine Reise oder auch für die Vinothek.

Als sich dann irgendwann die Security ihren Weg durch Elfen und Teufel gebahnt hatte, öffneten sich auch die Türen zum Stadtsaal. Da waren sich aber einige Besucher von außerhalb noch unsicher ein wenig unsicher und fragten beim Hineingehen:. „Was sagt man denn eigentlich in Wetter? Alaaf oder Helau?“ Die Antwort kam prompt: „Wir feiern es mit viel Radau – unsere Stadt wird 50! Wetter – Helau!.“ Der Präsident des Karnevalsvereins, Tim Eisenblätter, gab das Motto des diesjährigen Kostümballs im 70er Jahre-Outfit zur Begrüßung bekannt und erklärte dann auch gleich noch: „Ich bin gebürtiger Düsseldorfer. Und da holen wir einfach den Karneval nach Wetter. Alaaf stammt eigentlich von den Binnenschiffern in Köln und bedeutet soviel wie abladen. Aber da es in Wetter keine Binnenschiffer gibt, heißt es eben Helau!“

Wendiger Achterbahn-Wagen

Für eine gelungene Veranstaltung sorgten neben den gut gelaunten Gästen in ihren ebenso ausgefallenen wie ideenreichen Kostümen auch die Hagener Band „De Drömmelköppe“, die die Besucher mit bekannten Karnevalshits in Stimmung brachte. Wegen Erkrankung eines Bandmitglieds hatte der musikalische Ersatz im Vorfeld nur ganze 48 Stunden Zeit, das Repertoire des Abends einzustudieren. Der Menge gefiel es: Aufwendige Kostümgruppen feierten „De Drömmelköppe“ direkt an der Bühne – so zum Beispiel die wendigen Achterbahn-Wagen. Bei manchen Sounds gerieten sie völlig aus dem Häuschen und mussten sehr aufpassen, noch halbwegs gemeinsam in der Spur zu bleiben.

Die Stewardessen direkt neben ihnen ließen zu den Beats indessen ihre Rollkoffer tanzen. Selbstverständlich hatte die Crew auch ihren Kapitän im Gepäck – auch wenn sich dieser von Zeit zu Zeit seinen Damen entzog, um mit einem Zwerg an der Bar tiefsinnige Gespräche vor dem Abflug zu führen. Vermutlich ohnehin die einzige Gelegenheit für den engagierten Kapitän, sich einen hinter die gerade erst erworbene Kapitänsbinde zu kippen. Schließlich stand die musikalische Weiterreise zum „Karneval in Rio“ stand kurz bevor. Tim Eisenblätter betonte, dass es sich dabei um die „beste Sambashow außerhalb Brasiliens“ handle.

Confetti statt Prinzenpaar

Überhaupt unterschied sich das wettersche Karnevals-Konzept deutlich von den großen Prunksitzungen in Düsseldorf und Köln. So fand man am Samstagabend kein Prinzenpaar beim Kostümball, dafür aber das Maskottchen Confetti, die Lichtgestalt und zugleich der gute Geist des wetterschen Karnevals.

„Unsere Acts treten regelmäßig in Köln auf und haben dennoch Lokalbezug. Sie sind unter anderem auch bekannt aus dem Halbfinale des Supertalents auf RTL“, freute sich Eisenblätter über die Programm eine gelungene Veranstaltung. „Zudem gibt es bei uns keine Büttenreden oder Sitzungen. Das lassen wir weg. Wir beginnen direkt mit der Party.“

„Wenn das mal keine echte Konkurrenz für das Kostüm des Abends ist“, unterbrach ihn ein augenscheinlich stolzer Vater, der direkt aus dem Kinofilm „Hangover“ zur Party nach Wetter war gekommen - so jedenfalls hatte es den Anschein. Im echten Leben bekannt als Stefan Krzykowski, präsentierte der Vater jedem Besucher seine neueste Errungenschaft: Baby Carlos und seine Rufies. Er sprach und bewegte sich zum Verwechseln ähnlich wie der bekannte Hangover-Charakter – von Las Vegas sozusagen nach Wetter importiert. Inwiefern sich die unzähligen Astronauten, Teufel, Indianer, Elfen und Clowns noch erinnern, was in besagter stürmischer Samstagnacht an der Seite von Maikäfern und Kätzchen so alles im Stadtsaal geschah, bleibt abzuwarten. Sie alle feierten jedenfalls mit viel Radau – Wetter, Helau!

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