INTERVIEW

Jugendfeuerwehr Wetter holt Kinder von der Straße

Stadtjugendfeuerwehrwart Peter Wösthoff aus Wetter.

Stadtjugendfeuerwehrwart Peter Wösthoff aus Wetter.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.  Peter Wösthoff, Chef der Jugendfeuerwehr, spricht über die besondere Bedeutung dieser Jugendarbeit. Aktion und Kommunikation stehen im Fokus.

Peter Wösthoff ist Chef der Jugendfeuerwehr in Wetter. Was Jungen und Mädchen dort lernen und erleben, was das Besondere an diesem Freizeitangebot ist, und warum er keine Null-Bock-Generation kennt, darüber hat die Lokalredaktion mit dem Stadtjugendfeuerwehrwart gesprochen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Freizeit in der Jugendfeuerwehr und in einem Verein?

Ja, den gibt es. Die Jugendfeuerwehr ist anerkannter Träger der Jugendarbeit. Das heißt, wir machen Jugendarbeit und Feuerwehr. Wir sind rechtlich gesehen kein Verein, sondern Bestandteil der Stadtverwaltung der Stadt Wetter. Oberster Dienstherr ist der Bürgermeister; nur um die Hierarchie einmal zu verdeutlichen. Die Jugendfeuerwehr hat kein offenes Angebot wie viele Vereine, und eine Mitgliedschaft ist Voraussetzung. Unsere Mitglieder sind im „pflegeleichten“ Alter zwischen 10 und 18 Jahren. Da werden die Erwachsenen schon mal blöd. Aber im Unterschied zu vielen Vereinen erheben wir keine Mitgliedsbeiträge. Die Stadt ist mit im Boot; sie stellt unter anderem die Ausrüstung. Unser Angebot ist niedrigschwellig; man muss keine Voraussetzungen erfüllen.

Es kann also jeder Jugendliche Mitglied werden?

Auf jeden Fall. Feuerwehr ist bunt, da ist es egal ob Junge oder Mädchen oder welcher Religion jemand angehört. Auch Kinder mit Migrationshintergrund sind bei uns.

Was erwartet die jungen Leute?

Die Besonderheit ist, etwas zu tun, bei dem man im Mittelpunkt steht und mit den großen roten Autos spielen kann. Und wobei man als Jugendlicher ernst genommen wird und etwas bewegen kann. Bei uns geht es darum, Verantwortung und soziale Kompetenzen zu schaffen, Werte und Teamgeist zu vermitteln. Es ist quasi ein Gegenentwurf zur digitalen Beschäftigung; denn bei uns geht es um Bewegung und Kommunikation. Wir treffen uns zu Diensten, um die Ernsthaftigkeit zu unterstreichen. Und von den Jugendlichen wird das auch genau so ernst genommen. Die Treffen finden reihum in den Gerätehäusern statt, so dass jeder Jugendliche mal bei sich im Bezirk ist.

Sie sagten, es gehe auch um Bewegung. Können Sie das erläutern.

Einmal im Monat findet samstags um 9 Uhr ein sogenannter Sportdienst statt. Der besteht aus Schwimmen, Fußballspielen und Hallensport im allgemeinen, so dass wir uns mindestens drei Mal im Monat sehen – alle zwei Wochen zum Dienst sowie alle vier Wochen zum Sport. Das bedeutet, wir holen die Kinder bis zu neun Stunden im Monat von der Straße. Und das Schöne hier in Wetter ist, dass wir mit der Jugendarbeit vor Ort gut vernetzt sind. Wenn wir als Feuerwehr mitbekommen, dass etwas schiefgeht, es also im übertragenen Sinne irgendwo brennt, können wir das schnell weiterleiten.

Gibt es auch Freizeiten für die jungen Leute?

Ja, die gibt es. Wir machen Ausflüge wie Besuche in einem Freizeitpark und darüber hinaus auch Fahrten und Freizeiten. Traditionell findet immer zu Pfingsten ein Jugendfeuerwehr-Wochenende statt, das ist ein Zeltlager mit Wettkämpfen, Spiel, Spaß und Bewegung. Letztere fehlt heute ja vielen Jugendlichen. Und das Zelten ist natürlich auch ganz wichtig. Während das Zeltlager aber unter dem Vorzeichen Feuerwehr steht, geht es dagegen ganz ohne Ausrüstung in die Ferienfreizeiten.

Was ist denn Ziel und Zweck dieser Ferienangebote?

Wir wollen den Jugendlichen an neun Tagen in den sechs Wochen Sommerferien eine sinnvolle Beschäftigung bieten. Das bedeutet für die Teilnehmer von Segelfreizeiten oder Kanufahrten, ein Miteinander auf engem Raum und Toleranz zu lernen. 24 Stunden, neun Tage lang. Das muss man in unserer Zeit erst einmal wieder aushalten. Diese Woche prägt. Die jungen Leute kommen von solch einer Freizeit ganz anders zurück. Sie respektieren sich gegenseitig, bilden ein Team. Um so etwas machen zu können, brauchen wir finanzielle Unterstützung, wie wir sie bereits von den Lions oder auch von Privatleuten mit nennenswerten Beträgen bekommen haben.

Was bedeutet das für die Kinder bzw. deren Eltern?

Wir setzen die Freizeiten finanziell sehr niedrigschwellig an, um jedem Kind eine Teilnahme zu ermöglichen. Es gibt kein Kind, das nicht mitfahren kann. Wer mit seinen Eltern nicht in den Urlaub fährt und zuhause ist, der ist gesetzt. Etwa ein Drittel unserer jungen Mitglieder könnte an den Freizeiten ohne Unterstützung nicht teilnehmen. Deswegen sind bei uns Spenden höchst willkommen.

Was gibt Ihnen die Arbeit mit den jungen Menschen?

Das Vermitteln von Sozialkompetenz ist ganz wichtig. Bei uns gilt: Weg vom Konsumieren, hin zum Agieren. Ich habe auch mit den Betreuern meines Teams gesprochen, dass es wichtig ist, dass die Kinder selber Ideen entwickeln. Ich erlebe immer wieder, dass die Kinder sich gegenseitig unterstützen. Die Älteren helfen den Jüngeren, und genau das wollen sie auch. Das macht Spaß. Mein Lohn: zu sehen, wie es funktioniert.

Zur Person

Peter Wösthoff (56) ist Ingenieur für Kältetechnik und gibt Schulungen in ganz Europa.

1979 wurde er Mitglied der Jugendfeuerwehr, die es erst seit 1977 in Wetter gibt.

Seit 1986 leitet Wösthoff die Jugendfeuerwehr Wetter gemeinsam mit acht Betreuern. In den beiden Jugendgruppen sind rund 40 Kinder und Jugendliche.

Peter Wösthoff ist liiert und hat keine Kinder.

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