Versorgung

Kein einziger Augenarzt über mehrere Monate in Wetter

Kein Augenarzt in Wetter über Monate: Das Augenzentrum Ruhr  (Kaiserstraße 77) ist seit dem 15. April geschlossen und voraussichtlich erst im August 2019 wieder geöffnet. An der Praxis hängen Hinweise, wonach Patienten zur Vertretung nach Herdecke, Witten oder Hagen fahren sollten.

Kein Augenarzt in Wetter über Monate: Das Augenzentrum Ruhr  (Kaiserstraße 77) ist seit dem 15. April geschlossen und voraussichtlich erst im August 2019 wieder geöffnet. An der Praxis hängen Hinweise, wonach Patienten zur Vertretung nach Herdecke, Witten oder Hagen fahren sollten.

Foto: Steffen Gerber

Wetter.   Das Augenzentrum Ruhr in der Kaiserstraße ist krankheitsbedingt bis August geschlossen. Wetteraner müssen monatelang in Nachbarstädte fahren.

Der junge Mann steht am Augenzentrum Ruhr in der Kaiserstraße und wartet auf die Sprechstunde. Er schaut sich einen Aushang an, die Praxis sucht Arzthelfer in Voll- und Teilzeit. Dann bemerkt er den anderen Zettel: Die Praxis ist seit dem 15. April geschlossen und voraussichtlich erst im August wieder geöffnet. Dazu die Ergänzung, dass Patienten zur Vertretung nach Herdecke, Witten oder Hagen fahren sollten.

Darauf weisen auch zwei Leser hin. Ein Anrufer beklagt sich, dass es mit dem Fehlen von Dr. Steja Likarec derzeit keinen Augenarzt in Wetter gebe. Ein paar Tage sei das zu verkraften, aber so ein langer Zeitraum ärgere ihn. Zumal die Praxis in der Kaiserstraße 77 zum Augenzentrum von Dr. Nader Berg gehört, das an den Standorten Herdecke, Witten, Hagen und Bochum auch Behandlungen anbietet.

Antwort vom Augenzentrum Berg

Anfrage im Augenzentrum Berg in Herdeckes Uferstraße: Aus gesundheitlichen Gründen bleibe die Praxis in Wetter geschlossen. Unklar sei zum heutigen Zeitpunkt, wann es genau weitergehe. Auf dem Anrufbeantworter ist vom 5. August die Rede, das könne sich aber verzögern. Nachfrage: Kann angesichts eines solch langen Ausfalls denn aus dem Praxisverbund niemand die Vertretung vor Ort in der Kaiserstraße übernehmen? Nein, Patienten müssten auch in den nächsten Monaten in die Nachbarstädte ausweichen.

Da das Augenzentrum gegenüber der Sparkasse nicht zum ersten Mal geschlossen ist, bittet die Redaktion die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) um eine Einschätzung zur Entwicklung in dieser Zweigpraxis. „Nachdem der in Wetter tätige Augenarzt seine Tätigkeit übergangsweise eingestellt hat, ist seitens des Zentrums ein Antrag auf Vertretungsgenehmigung bei der KVWL gestellt worden“, erklärt Heike Achtermann als Leiterin Kommunikation. „Dieser Antrag ist von uns positiv beschieden worden. Warum diese Vertretungsregelung seitens des Zentrums nicht umgesetzt worden ist, können wir nicht beurteilen.“ Zur allgemeinen Versorgungssituation verweist die Sprecherin auf die Bedarfsplanung. In der steht, wie viele Ärzte für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden. All das aufgeteilt in 22 Arztgruppen und vier verschiedene Versorgungsebenen. Erkenntnis für die Harkortstadt: Der Versorgungsgrad bei Hausärzten betrage aktuell 113,4 Prozent. Gemessen am Versorgungsgrad sei die Versorgung mit Hausärzten im Bezirk Wetter stabil. Die augenärztliche Planung erfolge auf Kreisebene.

Hohe Werte bei Facharzt-Versorgung

Damit zur Facharzt-Versorgung im EN-Kreis. Beispiele: Bei Augenärzten gebe es eine Quote von 117 Prozent, hohe Werte stehen zudem für Hautärzte (129 %) Gynäkologen (131), HNO-Ärzte (123), Hautärzte (129) und bei Kinderärzten (135 %) zubuche. Da es an Ennepe und Ruhr also insgesamt eine recht gute augenärztliche Versorgung gebe, „haben wir bezüglich bei der Situation in Wetter keine Handhabe“, so Achtermann. „Dies bedeutet leider, dass die Patienten zumindest übergangsweise einen längeren Anfahrtsweg zu einem Augenarzt in Kauf nehmen müssen.“

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