Pandemie

Kinder tragen Hauptlast von Corona. So kann Herdecke helfen

| Lesedauer: 2 Minuten
Bei der Vorstellung des Programms der Herdecker Gesundheitskonferenz: Die überparteiliche Arbeitsgruppe mit Harald Müller, Irmingard Schewe-Gerigk, Martina Riezler und Enric Tange (von links).

Bei der Vorstellung des Programms der Herdecker Gesundheitskonferenz: Die überparteiliche Arbeitsgruppe mit Harald Müller, Irmingard Schewe-Gerigk, Martina Riezler und Enric Tange (von links).

Foto: Klaus Görzel

Herdecke.  Welche Spuren hat Corona bei den Kindern und Jugendlichen hinterlassen? Eine Herdecker Gesundheitskonferenz versucht Antworten und hat Tipps

Es wird wieder kälter. Mögliche Corona-Infektionen geraten stärker in den Blick. Erinnerungen werden wach an die große Pandemie, die längst noch nicht aufgearbeitet ist. Insbesondere Kinder kämpfen mit Nachwirkungen der harten Maßnahmen. Noch immer leiden sie unter den Folgen der Isolation. In Herdecke liegen jetzt ein Dutzend Vorschläge auf dem Tisch, wie ihnen geholfen werden kann.

Kitas, Schulen, Sportvereine und Spielplätze waren in der Pandemie über längere Zeit geschlossen. Die Kinder blieben daheim statt unter Freunden. Die Mediensucht hat sich verdoppelt, gleiches gilt für Depressionen und Angststörungen. Auch die Essstörungen zugenommen. Das gilt für Adipositas wie auch für Magersucht.

So steht es im Bericht der Herdecker Gesundheitskonferenz, die sich mit der psychischen und physischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nach Corona beschäftigt hat. Zur Beschreibung der Misere hat das Konferenz-Team einen prominenten Zeugen bemüht. Es zitiert Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Er hat gesagt: „Drei Jahre Corona sind nicht spurlos an den Kindern und Jugendlichen vorbei gegangen. Corona hat ihr Leben quasi auf den Kopf gestellt. Sie haben die meisten Opfer gebracht.“

Infos zum Medienkonsum

Was soll nun passieren, um den Kindern und Jugendlichen in Herdecke bei der Bewältigung der Corona-Folgen zu helfen? Hier ein paar der konkreten Anregungen, die jetzt im Sozialausschuss vorgestellt wurden:

Bestehende Unterstützungsangebote sollen besser bekannt gemacht werden. Bei den Einschulungsveranstaltungen könnten Jugendamt und die Familienberatungsstelle des GVS über ihre Hilfsangebote informieren. Zur Zeit beträgt die Wartezeit nach einer psychischen Indikation rund neun Monate. Flexible Hilfen und sozialpädagogische Familienhilfe sollte die Kinder in dieser Zeit auffangen.

Außerdem: Die Schulsozialarbeit soll ausgebaut werden. Die Herdecker Sportvereine sollen angeregt werden, Schnupperangebote zu machen. Die sportlichen Angebote sollen über Flyer oder in Apps sichtbarer gemacht werden. Schließlich sollen Eltern im Umgang mit digitalen Medien gestärkt werden und ein Bewusstsein dafür bekommen, dass sich intensiver Medienkonsum zu einer Sucht auswachsen kann.

Viel lokale Kompetenz

Die Herdecker Gesundheitskonferenz war von Vertretern aus SPD, Grünen und FDP vorbereitet worden. Die Koordination lag bei der grünen Ratsfrau Irmingard Schewe-Gerigk. Professorin Ricarda Steinmayr von der TU Dortmund hat die Studie „Die Pandemie hat Kinder unglücklicher gemacht“ vorgestellt, Kinderärztin Dr. Dörte Hilgard hat mit Kinderpsychiater Dr. Arne Schmidt die Situation in Herdecke geschildert. Ebenfalls beteiligt an der Gesundheitskonferenz waren die Beigeordnete Bettina Bothe und Matthias Wittler, Leiter der Werner-Richard-Grundschule in Herdecke.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Herdecke / Wetter