Auffangstation

Kleine Füchse gedeihen prächtig nach Waldbrand in Wetter

In Sicherheit: Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wetter retteten am Abend des 5. April sechs kleine Füchse bei einem Waldbrand nahe Gut Schede.

Foto: Feuerwehr Wetter

In Sicherheit: Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wetter retteten am Abend des 5. April sechs kleine Füchse bei einem Waldbrand nahe Gut Schede. Foto: Feuerwehr Wetter

Wetter/Bad Honnef.   Aufpäppeln: Die Wildtier-Auffangstation in Bad Honnef zieht sechs kleine Füchse groß, die die Feuerwehr Wetter bei einem Waldbrand gerettet hat.

Florian ist der Chef in der Truppe. So weit man das bei sechs kleinen, verängstigten Füchsen überhaupt sagen kann. Florian ist eines der Tiere, die Wetters Feuerwehr bei einem Brand im Scheder Wald aus einem zerstören Bau gerettet hat. Nun lebt der kleine Fuchs in Bad Honnef in einer Wildtier-Auffangstation und wird aufgepäppelt. Und das funktioniert so gut, dass Florian inzwischen die Chefrolle übernommen hat.

Nils Michael Becker kennt sich aus mit Füchsen, auch wenn der Mann eigentlich Rechtsanwalt ist. Gemeinsam mit seiner Frau Stefanie Huck betreibt er seit vielen Jahren einen Hof, auf dem verletzte oder verwaiste Wildtiere ein vorübergehendes Zuhause finden. Vor einigen Tagen sind die sechs Fuchswelpen aus Wetter bei ihren eingezogen. „Wir hatten Glück, dass es keine Flaschenkinder mehr sind“, sagt Becker. Sonst wären die Nächte für Stefanie Huck noch kürzer. Abwechseln können sich die Eheleute nicht. „Die Tiere sollen so wenig Kontakt zu Menschen haben wie möglich“, erklärt Becker das Prinzip. Also gibt es das Futter immer nur aus der Hand seiner Frau.

Nicht an Menschen gewöhnen

Wenn die ersten Füchse ihre Jungen bekommen, werden auch auf dem Retscheider Hof die Nächte kürzer. Immer wieder kommt es vor, dass eine Fuchsmutter stirbt und ihr Nachwuchs gefunden wird. Zieht man einen solchen Welpen von Hand groß, gewöhnt er sich schnell an den Menschen und wird zahm. Die Tiere in Bad Honnef sollen aber später wieder in die Freiheit entlassen werden. Darum gibt es keine Streicheleinheiten vom Menschen, sondern nur Futter und eine saubere Höhle. „Es ist gut, dass die Geschwister alle zusammen groß werden können“, erklärt Nils Michael Becker. Füchse seien sehr soziale Wesen. „Wenn man als kleiner Fuchs verloren geht, dann am besten so.“

Überhaupt zollt der Wildtier-Experte den Feuerwehrleuten aus Wetter großen Respekt. Sie haben die Jungtiere nicht nur bei den aufwändigen Löscharbeiten eingefangen und ins Tierheim gebracht, sondern sie haben auch im Nachhinein noch einmal beim Retscheider Hof angefragt, wie es den Tierkindern geht. „Sie haben sich gekümmert, obwohl sich bei dem Einsatz auch zwei Feuerwehrleute verletzt haben“, so Nils Michael Becker. Somit wird auch klar, warum der Chef im Ring Florian (Schutzpatron der Feuerwehr) heißt.

Sextett isst gut und wächst weiter

20 bis 25 Mäuse frisst ein ausgewachsener Fuchs in einer Nacht. Ganz so viele müssen es für die Welpen noch nicht sein. Selbst jagen müssen die Tiere ihr Futter auch nicht. Das stellt ihnen Stefanie Huck in die Aufzuchtbox, frisches Fleisch von Kaninchen, Reh oder Hirsch, mit Fell und Knochenanteilen einmal durch den Wolf gedreht. „Wir bekommen das Fleisch von Lieferanten, die auch Zoos und Tierparks beliefern“, sagt Nils Michael Becker. Die Station muss dafür tief in die Tasche greifen, „gute Qualität hat ihren Preis“. Doch ist Becker froh, dass das Sextett aus Wetter inzwischen ordentlich futtert. „Daran kann man sehen, dass es ihnen wieder gut geht.“

Anfangs seien die Kleinen ziemlich gestresst gewesen. „Ein Waldbrand, das ganze Wasser – und dann werden sie auch noch aus ihrer Höhle gezogen: Das ist schon ein Horrorszenario“, so Becker. Zu guter Letzt seien sie im Tierheim auch noch abgeduscht worden. Nicht immer würden Wildtiere solchen Stress unbeschadet überstehen.

Doch die Gäste aus Wetter haben sich inzwischen eingewöhnt in ihrer improvisierten Höhle. „Und sie reagieren auch nicht mehr panisch, wenn jemand kommt.“ Etwa drei Mal am Tag haben die Tiere Kontakt zum Menschen. „In so einer Jungwelpenbude entsteht reichlich Partydreck“, sagt Becker. Also muss geputzt werden. Tagsüber dösen die Jungtiere meist, erst am Abend werden die nachtaktiven Jäger wieder munter. Zur Sicherheit wird in manchen Fällen auch eine Infrarot-Kamera in der Höhle installiert, vor allem dann, wenn Tiere kränkeln. „Doch die Sechs aus Wetter machen einen stabilen Eindruck, auch wenn sie möglicherweise Rauchgase eingeatmet oder Wasser in die Lunge bekommen haben.“

Bald Umzug in Stall und Gehege

In drei bis vier Wochen sollen die dann halbstarken Fuchskinder in ein größeres „Zimmer“ umziehen. Aus der Aufzuchtbox geht es dann in einen Stall, in dem sie mehr Platz zum Toben haben. Letzter Schritt vor der Auswilderung ist dann das Leben in einem Außengehege.

Und danach? Dann sollen die Füchse wieder nach Wetter zurückkehren. Nils Michael Becker versucht derzeit über die Feuerwehr, Kontakt zum Jagdpächter herzustellen. Den Füchsen sei es eigentlich egal, wo sie wieder in die Natur entlassen würden. Doch die Retter würden sich freuen, wenn „ihre Füchse“ wieder im Heimatrevier auf Mäusejagd gehen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik