Lichtburg

Koffertheater Wetter zeigt Kästners fliegendes Klassenzimmer

Das Koffertheater bringt in „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner die Gefühlswelten der Internatsschüler auf die Bühne.

Das Koffertheater bringt in „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner die Gefühlswelten der Internatsschüler auf die Bühne.

Foto: Jana Peuckert

Wetter.  „Das Fliegende Klassenzimmer” von Erich Kästner ist ein Klassiker. Applaus erhielt das Koffertheater bei der Premiere in der Lichtburg Wetter.

Nachdem Denise Förster mit Sebastian Fitzeks „Seelenbrecher“ zuletzt ein eher düsteres Stück auf die Bühne der Lichtburg gebracht hatte, sollte das Koffertheater nun etwas komplett anderes spielen. Die Wahl fiel auf „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner. „Ich habe es als Kind schon geliebt“, erklärt Förster ihre Entscheidung für den Klassiker. Damit stellten sich die Regisseurin und ihr insgesamt 14 Mitglieder umfassendes Ensemble einigen Herausforderungen.

Die Gefühlswelten der Jugendlichen

Die Geschichte erforderte eine junge Besetzung. Diese Hürde meisterte das Team. „Das Koffertheater verjüngt sich gerade, was sehr schön ist“, beobachtet Förster die Entwicklung mit Wohlwollen. Eine weitere Herausforderung war die Verteilung der Szenen. Aufgrund einiger verschiedener Spielorte hätte die Bühne sehr oft umgebaut werden müssen. Das wollten die Aktiven sowohl sich als auch dem Publikum ersparen. Und so verlegten sie einen Teil des Stückes kurzerhand in den Zuschauerbereich. Die Darsteller liefen durch die Reihen, der alte Bauwagen des sogenannten Nichtrauchers fand seinen Platz an der Wand neben der Bühne, an der Bar feierten zwei alte Freunde ihr Wiedersehen und der Weg zum Ausgang fungierte als Kellerraum. Die Idee, die Szenen im ganzen Raum zu verteilen, kam beim Publikum sehr gut an. Wer sich nicht umdrehen wollte, konzentrierte sich nur auf das Zuhören. Das machte das Stück abwechslungsreich und damit äußerst kurzweilig.

Eine weitere Herausforderung waren eine Schneeballschlacht und eine Schlägerei. Gerade Letzteres brachte die Gruppe sehr überzeugend ‘rüber. Überhaupt konnten die Darsteller mit ihren Leistungen begeistern. Jeder schien seine Rolle nicht nur zu spielen, sondern sie für die Zeit des Stückes zu leben.

Im Mittelpunkt des Kästner-Klassikers stehen sich Internatsschüler und Gymnasiasten gegenüber. Es geht um gestohlene Diktathefte, die als Häufchen Asche enden, um die Entführung einer Schülerin und um Gefühle. Insbesondere die Internatsschüler geben ihr Innerstes Preis. Da ist Johnny, der in New York geboren ist und im Alter von vier Jahren von seinem Vater nach Deutschland zu den Großeltern verfrachtet wird, die schon längst tot sind. Da ist Marie, die gern Verantwortung übernimmt und weiß, wie es ist, arm zu sein. Matze ist der coole Spaßvogel der Gruppe, der immer Hunger hat und sich sehr um Uli bemüht, der es an Selbstvertrauen fehlt. Komplettiert wird die Gruppe durch die abgeklärt wirkende Sarah, die sich hinter sämtlicher Fachliteratur versteckt, um nicht zu zeigen, wie sensibel und verletzlich sie eigentlich ist.

Es ist die Mischung der verschiedenen Charaktere, die mal zum Lachen, mal zum Traurigsein und dann wieder zum Nachdenken anregen. Dem Publikum (altersmäßig sehr gemischt) gefiel es offenbar, was langanhaltender Applaus und Gratulationen zeigten. Nachdem die Premiere gut gelaufen ist, hofft Denise Förster, dass zu den weiteren Vorstellungen, die teilweise auf den Nachmittag gelegt wurden, noch mehr Kinder kommen. Denn: „Die Geschichte ist für Jung und Alt zu Weihnachten das Richtige, weil es um die wichtigen Dinge im Leben geht.“

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