Denkmäler

Kommission soll Konzept für Friedhof Zeppelinstraße vorlegen

Auf dem alten Friedhof an der Herdecker Zeppelinstraße befinden sich viele historische und kulturelle Zeugnisse, so hat es Heimatforscher Creutzenberg aufgelistet. Genaueres soll nun eine Gruppe erarbeiten.

Auf dem alten Friedhof an der Herdecker Zeppelinstraße befinden sich viele historische und kulturelle Zeugnisse, so hat es Heimatforscher Creutzenberg aufgelistet. Genaueres soll nun eine Gruppe erarbeiten.

Foto: Klaus Görzel

Herdecke.  Am Friedhof Zeppelinstraße in Herdecke herrscht Unklarheit, welche besonderen Gräber erhalten bleiben sollen. Das soll eine Kommission prüfen.

Als vor einigen Monaten Uli Weishaupt den ausrangierten Grabstein der Herdecker Kanu-Legende Meinrad „Auto“ Miltenberger abgelegen auf dem Friedhof Zeppelinstraße fand, durfte sich der hinzugerufene Willi Creutzenberg in seinen Bemühungen bestätigt fühlen. Wie berichtet, hat der Heimatforscher schon im Februar 2017 eine Liste mit erhaltenswerten Relikten (Denkmalwert, besondere Persönlichkeiten) für diese Ruhestätte vorgelegt. Politik und Stadt bzw. Technische Betriebe bemühen sich seither um ein entsprechendes Konzept. Einen kleinen Fortschritt erzielten die Fraktionen nun mit dem Beschluss, dafür eine Kommission aus Vertretern der Verwaltung, Parteien, Kirchen sowie des Heimat- und Verkehrsvereins einzurichten.

Warum dauert all das so lange? Das liege an rechtlichen und Verfahrens-Gründen, heißt es dazu immer wieder. Für Volker Kioschis, kaufmännischer Leiter der Technischen Betriebe Herdecke (TBH), gibt es bei einigen Grabstellen keinen Diskussionsbedarf bezüglich des Denkmalswerts – bei anderen aber schon. „Dazu laufen derzeit Prüfungen mit Fachleuten, der nächste Termin ist im September“, so Kioschis: „Klar ist schon jetzt: Es bleibt eine bestimmte Menge an Gräbern übrig, für die laut Satzung keine Verpflichtungen zum Erhalt bestehen. Das wäre dann eine freiwillige Aufgabe für uns, bei einem besonderen Interesse für die Stadt dort aktiv zu werden.“

Grab nach 25 Jahren abräumen

Wie im Falle des Miltenberger Familiengrabs räumen zuständige Mitarbeiter dieses nach 25 Jahren ab. Städtische Vertreter sollten aber nicht alleine entscheiden, was künstlerisch, historisch oder aufgrund besonderer Persönlichkeiten wertvoll und damit über diesen Zeitraum hinaus erhaltenswert sei, meint der TBH-Verantwortliche. „Dazu braucht es Entscheidungen der Politik“, sagt Kioschis und ergänzt, dass etwa Kriegsgräber ohnehin umfassend geschützt seien. Daniel Matißik als Leiter des städtischen Bau- und Planungsamtes sieht in der Kommission ein Gremium, dass die Liste Creutzenbergs aus der jeweiligen Fachperspektive bewerten könne.

Das befürwortet Andreas Disselnkötter von den Grünen, wobei diese Gruppe mit den verschiedenen Vertretern „auch weiter denken und nicht nur über einzelne Grabsteine befinden soll.“ Er plädiert für ein Gesamtkonzept mit entsprechenden Hinweistafeln für besondere Ruhestätten und regt die Bewerbung um Fördergeld an. Ähnlich äußert sich Jan Schaberick von der SPD, der wiederum auf die Denkmal-Einschätzungen der Fachleute im Herbst gespannt ist. Derweil spricht er sich auch für den zweiten Ansatz von Creutzenberg aus, das Gelände als Ort der Besinnlichkeit (Ruhepark) mit einer wieder verstärkten Nutzung als Friedhof zu entwickeln.

Das zweifelt Kioschis an und verweist auf den nicht weit entfernten Waldfriedhof an der Buchenstraße, so dass es an beiden Orten fast schon zu viele Flächen für Bestattungen gebe. „In Sachen Kommission gebe ich noch zu bedenken: Wir können zwar in der Zwischenzeit bis zur Gründung dieser Gruppe abwarten und keine Gräber abräumen, privatrechtlich ist das aber möglich.“ Das bestätigt der städtische Rechts- und Ordnungsdezernent Dr. Lars Heismann, wonach es sogar nach einer bestimmten Zeit eine Verpflichtung zum Grab-Abräumen gibt und es daher übergangsweise ohne neue Regelung gelegentlich zu Problemen kommen kann. „Um Klarheit zu haben, sollte es möglichst schnell eine Lösung geben.“ Um Streitfällen vorzubeugen und einen Aufschub zu erreichen, so regen es andere Politiker oder auch die Bürgermeisterin an, solle es Gespräche mit diesen Privatleuten geben. „Das betrifft ja nicht hunderte von Gräbern, sondern nur ein paar“, so Katja Strauss-Köster.

Gebühren reichen nicht

Aus städtischer Sicht könne der Erhalt von Gräbern „nicht aus laufenden Friedhofsgebühren finanziert werden“. Dazu verweist die Bürgermeisterin auf knappe Personalressourcen. Darauf entgegnet Disselnkötter: „Durch die Kommission dürfte die Stadt weniger Arbeit haben.“

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