Schule

Kritik am Bring-Dienst der Grundschul-Eltern in Wetter

Morgens in der Bergstraße: Wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, können gefährliche Situationen entstehen.

Morgens in der Bergstraße: Wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, können gefährliche Situationen entstehen.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.  Eltern, die ihr Kind mit dem Auto zur Schule fahren, sorgen beim Anhalten in der Bergstraße oft für gefährliche Situationen. Nun hagelt es Kritik.

112 Kinder besuchen die Gemeinschaftsgrundschule Wetter an der Bergstraße. Viele von ihnen werden regelmäßig von den Eltern mit dem Auto gebracht und abgeholt. Doch die sogenannten Elterntaxis können zu Problemen und auch zu gefährlichen Situationen führen.

„Das Thema ist nicht neu, das haben wir jedes Jahr. Aber es nimmt weiter zu“, sagt Schulleiterin Petra Großmann. Und in der dunklen Jahreszeit würden ohnehin mehr Eltern ihre Kinder chauffieren. Es geht hauptsächlich um die Zeit vor der ersten Unterrichtsstunde, zwischen 7.45 und 8 Uhr. Hier geht für die meisten Kinder der Schultag los. „Mittags entzerrt es sich, weil sie zu unterschiedlichen Zeiten Schluss haben“, erklärt Großmann.

Rückwärts in die Einbahnstraße

Die Bergschule liegt in einem verkehrsberuhigten Bereich, das heißt: Es gilt Tempo 30. Vor dem Kiosk neben dem Schulhof ist die Bergstraße durch ein sogenanntes Verkehrskissen baulich erhöht. Es bezweckt, dass Autofahrer abbremsen und dementsprechend langsamer fahren.

Doch einige Eltern nutzen das Kissen, um darauf zu halten, berichtet Melanie Fuge-Köster von der Schulpflegschaft. „Die anderen Kinder können hier dann nicht mehr die Straße überqueren“, ärgert sich die Mutter. Vor wenigen Jahren ist aus diesem Grund sogar das Halteverbot vor der Schule versetzt worden, so dass es auch auf der Bremsschwelle gilt, so Bezirksbeamter und Polizeihauptkommissar Jürgen Bochmann.

Melanie Fuge-Köster hat in einem Fall auch beobachtet, wie Eltern rückwärts in die Winkelmannstraße, eine Einbahnstraße, einfahren, um dort ihre Kinder ‘rauszulassen. Nach der Straßenverkehrsordnung ist das eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Verwarngeld von 25 Euro geahndet wird.

„Einige möchten ihre Kinder am liebsten direkt vor die Eingangstür bringen“, sagt Petra Großmann. Aufgrund der Bauarbeiten am Haus hinter dem Schulgebäude sei die Schranke an der Bergstraße zurzeit häufig offen. Das nutzten Eltern immer wieder aus, hielten vor der Tür und setzten anschließend zurück.

„Die Autos sind oft höher und die Kinder viel kleiner“, verdeutlicht Melanie Fuge-Köster die gefährliche Situation. Wenn sie aber Eltern darauf anspreche, höre sie Antworten wie „Ich hab es eilig“ oder „Wo soll ich denn sonst hin?“. Sie als Mutter kann diese Einstellung nicht verstehen: „Wir wollen doch alle das Gleiche: dass unsere Kinder heil und sicher ankommen.“

Nach Beratungen mit der Schulleitung hat die Schulpflegschaft die Polizei und das Ordnungsamt informiert. Daraufhin war Bezirksbeamter Jürgen Bochmann extra in Zivil vor Ort. Bis auf zwei Autos, die im Halteverbot standen, konnte er aber nichts feststellen.

Problem an jeder Schule

Achim Kölsche vom städtischen Ordnungsamt kontrollierte dort nach den Sommerferien ebenfalls mehrere Male. Er habe bisher weder Eltern auf dem Verkehrskissen halten noch in die Winkelmannstraße einfahren sehen. Doch passiere das ja auch nicht „jeden Tag“, und durch seine Uniform seien die Eltern eventuell gewarnt.

„Das Problem mit den Elterntaxis haben wir an jeder Schule“, so Kölsche. Wie dramatisch die Situation an der Bergschule tatsächlich ist, lässt sich nach den Stichproben nicht sagen. Unabhängig davon sind sich die Beteiligten aber einig, dass die Schule gut zu Fuß zu erreichen ist.

Schulleiterin Petra Großmann betont, dass sie nichts gegen den Bring- und Hol-Dienst der Eltern habe. Doch „wollen wir selbstständige Kinder erziehen. Und da gehört der Schulweg dazu“. Dieser habe auch eine soziale Bedeutung: „Wenn sie gemeinsam mit Freunden zur Schule gehen, unterhalten sie sich, verabreden sich und vieles mehr.“

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