Alte Schule

Kunstverein Herdecke löst sich nach Streit mit Stadt auf

Im September 2016 (hier ein Foto vom Vortreffen mit Sofia Kouldakidou und ihrem Mann Savvas Tsentemeidis im Vordergrund) gründete sich der Kunstverein Herdecke in der Alten Schule am Ahlenberg. Nun ist Schluss.

Im September 2016 (hier ein Foto vom Vortreffen mit Sofia Kouldakidou und ihrem Mann Savvas Tsentemeidis im Vordergrund) gründete sich der Kunstverein Herdecke in der Alten Schule am Ahlenberg. Nun ist Schluss.

Foto: Steffen Gerber

Herdecke.   Nach zwei Jahren löst sich jetzt zum Jahresende der Kunstverein Herdecke an der Alten Schule am Ahlenberg auf. Grund: Spannungen mit der Stadt.

Der im Atelierhaus von Künstlerin Sofia Kouldakidou in der Alten Schule am Ahlenberg angesiedelte Kunstverein Herdecke hat sich aufgelöst und stellt seine Aktivitäten zum Jahresende ein. Er sehe unter den von der Stadt vorgegebenen Bedingungen keine Möglichkeit zur Fortführung der bisherigen Arbeit. „Anstatt das ehrenamtliche kulturelle Engagement Herdecker Bürger zu unterstützen, wurden uns von der Stadt Herdecke nur Steine in den Weg gelegt“, bedauert der Vorstand in einer Pressemittelung.

Zwei Jahre hätte am Ahlenberg große Kunst besichtigt werden können. Namen wie Christo, Lüpertz oder Uecker führt der Kunstverein auf, dazu hätten Vorträge und Konzerte überregional große Beachtung gefunden. „Aber damit ist nun endgültig Schluss“, schreibt der Vorstand. Nachdem Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster „in anmaßender Weise öffentlich erklärt habe, dass Herdecke keinen Kunstverein brauche“, habe die Verwaltung mitgeteilt, dass die Nutzung als Ausstellungs- oder Versammlungsraum eine unzulässige Nutzungsänderung bedeute.

Die Bürgermeisterin weist den gegen sie gerichteten Vorwurf zurück. Sie begrüße „ausdrücklich jede Form eines kulturellen, gemeinnützigen oder sonstigen Engagements“, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. Was die Nutzung der Alten Schule betrifft, sei eine Nutzung für öffentliche Veranstaltungen „baugenehmigungspflichtig und nach den Festsetzungen des Bebauungsplanes unzulässig.“ Aber Mieterin Sofia Kouldakidou hat doch auch früher schon zu Ausstellungen eingeladen? „Die in der Vergangenheit nur sehr vereinzelt durchgeführten Veranstaltungen wurden geduldet“, heißt es dazu bei der Stadt.

Die Vorgeschichte

Die Stadt hatte gegen die langjährige Mieterin eine Räumungsklage angestrengt, um die neben einer Flüchtlingsunterkunft gelegene Schule ebenfalls für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Bei einem Vergleich in zweiter Instanz hatte sich Sofia Kouldakidou verpflichtet, die Hälfte monatlich mehr an Miete zu zahlen. Ihr Mietvertrag gilt weiter für das ganze Haus. „Der Vorstand des Kunstvereins vermutet hinter der rigiden Haltung der Stadt den Ärger darüber, dass das Gericht in zweiter Instanz der Kündigung des Ehepaares sowie der Räumungsklage durch die Stadt widersprochen hat“, heißt es in der Presseerklärung weiter. Der Vergleich in der Zivilrechtssache habe keinerlei Belang für bauordnungsrechtliche Fragen, kontert die Stadt.

Ausnahmegenehmigung denkbar

Auch eine rigide Haltung kann sie nicht erkennen. Einem Mitglied des Kunstvereins sei erst vor wenigen Wochen telefonisch mitgeteilt worden, dass die Stadt sich vorstellen könne, „eine Ausnahmegenehmigung – im Einvernehmen mit dem dafür zuständigen Bauausschuss – für eine gelegentliche Nutzung als Veranstaltungsstätte auszusprechen.“ Das benötigte Nutzungskonzept für eine solche Ausnahmegenehmigung sei aber seit Dezember 2016 nicht vorgelegt worden.

Bezogen auf die langjährige Mieterin und den Monate währenden Streit darüber, ob sie weiter in der Alten Schule wohnen und wirken könne, hofft das ehemalige Vorstandsmitglied Irmingard Schewe-Gerigk, „dass Sofia Kouldakidou nach zwei Jahren der Existenzbedrohung wieder zu ihrer Kraft und Energie zurück findet, um mit ihrer Kunst unser Leben zu bereichern.“

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