Mietstreit

Kunstverein Herdecke reichert Debatte um Alte Schule an

Der Künstler Apostolos Palavrakis soll der Kurator im neuen Kunstverein Herdecke werden. Der 54-Jährige will dafür seine Kontakte nutzen.

Der Künstler Apostolos Palavrakis soll der Kurator im neuen Kunstverein Herdecke werden. Der 54-Jährige will dafür seine Kontakte nutzen.

Foto: WP

Herdecke.   Samstag wollen Kulturinteressierte den Kunstverein Herdecke gründen. Der soll trotz der Kündigung seinen Sitz in der Alten Schule am Ahlenberg haben.

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Die Fronten sind weiter verhärtet, durch die Gründung des Kunstvereins Herdecke bekommt die Diskussion um die künftige Nutzung der Alten Schule am Ahlenberg aber einen neuen Zungenschlag. An diesem Samstag hofft die Vorbereitungsgruppe ab 10.30 Uhr auf viele Bürger am Oberen Ahlenbergweg 41, die das Ansinnen der Ehrenamtler unterstützen und womöglich einen Posten in dem gemeinnützigen Verein übernehmen wollen. „Nach unserer Auftaktveranstaltung Anfang Juli haben wir reichlich positive Resonanz erhalten. Die Formalien sind geklärt, es kann losgehen“, berichten fünf Gründungsmitglieder.

Während die Herdecker Verwaltung an ihrer Kündigung zum 30. November festhält und die Alte Schule danach als Flüchtlingsunterkunft nutzen will, rückt ein weiterer Termin nun ins Zentrum der Diskussion, ob das Künstlerpaar Sofia Kouldakidou/Savvas Tsentemeidis das städtische Gebäude weiter mieten darf. Nach der Gründung des Kunstvereins am 10. September befasst sich der Rat am 29. September mit dem Einspruch der Bürgermeisterin, die – wie berichtet – den Ratsbeschluss zur Verlängerung des Mietvertrags beanstandet hat. Sollte es bei den verhärteten Fronten bleiben, muss die Kommunalaufsicht des Ennepe-Ruhr-Kreises urteilen.

„Wir setzen darauf, dass wir die Alte Schule über den 30. November hinaus als Vereinszentrale nutzen können“, sagen Sofia Kouldakidou, Peter Gerigk, Irmingard Schewe-Gerigk, Apostolos Palavrakis und Tayfun Belgin von der Vorbereitungsgruppe. Die hat im Vorfeld nicht nur die Satzung ausgearbeitet und (genügend) Interessenten für Vorstandsämter ausgelotet, sondern konkrete Pläne geschmiedet. Der Kunstverein soll in der ersten Etage der Alten Schule seine Zentrale haben. In neu gestalteten Räumen will die Gruppe dort als Untermieter von Kouldakidou/Tsentemeidis residieren und eine ortsübliche Miete zahlen. „Wir haben keinen Plan B, was im Falle der durchgesetzten Kündigung passiert“, sagt Peter Gerigk von den Grünen, der – wie andere Politiker auch – kein Vorstandsamt in der Vereinigung anstrebt.

Der Verein soll aber über das Gebäude hinaus wirken, wie Tayfun Belgin ergänzt. Der künstlerische Berater der Gruppe, der diese Tätigkeit von seiner hauptamtlichen Funktion bei der Stadt Hagen als Leiter des Osthaus-Museums getrennt wissen will, betont: „Weder in Hagen noch in Herdecke gibt es einen Kunstverein, wir sind bisher auf großes Interesse in der Bürgerschaft gestoßen. Wir wollen Kunst fördern, sowohl Werke namhafter Aussteller als auch von aufstrebenden Talenten präsentieren.“

Bisherige Ausrichtung intensivieren

Der Fachmann verweist darauf, dass die Alte Schule ja auch bisher schon ein kulturelles Zentrum für Ausstellungen oder Musikkonzerte war. „Wir knüpfen daran an, wollen das jetzt regelmäßiger und strukturierter planen“, sagt Belgin und kündigt die nächste Werkschau mit Bildern bekannter Künstler für November an.

Organisieren soll dies vor allem Apostolos Palavrakis, der als künstlerischer Leiter fungieren soll und diesbezüglich auf Erfahrungen auch im Ausland zurückgreifen kann. „Wir wollen im gesamten Stadtgebiet oder auch in Herdeckes Zentrum ausstellen und wollen internationales Flair repräsentieren.“ Zudem beginnt bald die Suche nach Kooperationspartnern, zum Beispiel Schulen. Pläne für 2017 existieren auch schon, im Frühjahr soll es ein Fest als eigentlichen Startschuss geben.

200 Mitglieder angestrebt

Finanziert werden soll all dies durch Mitgliedsbeiträge von jährlich 50 Euro pro Person. „Wir hoffen in den ersten zwölf Monaten auf 200 aktive wie passive Mitglieder. Da dies hier ein etabliertes Haus und in der heutigen Zeit gut erreichbar ist, gehen wir dieses ambitionierte Ziel an“, meint Belgin.

All dem stimmt Sofia Kouldakidou, die Vorkehrungen für eine juristische Auseinandersetzung mit der Stadt getroffen hat, zu. „Die Gründung des Kunstvereins war schon länger geplant, die Kündigung hat das beschleunigt. Und der Verein ist nicht nur für mich, sondern auch für andere nützlich.“ Zum politischen Zusammenhang sagt Gerigk. „Wir sehen in der Krise eine echte Chance.“

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