Alte Schule

Kunstverein soll im September gegründet werden

Der Kunstverein Herdecke formiert sich: In der Alten Schule am Ahlenberg, die die Stadt als Flüchtlingsunterkunft nutzen will, gibt es Rückendeckung für die Künstlerin Sofia Kouldakidou und ihren Mann Savvas Tsentemeidis (vorn). Auch Tayfun Belgin (mit Brille), Leiter des Osthaus-Museums in Hagen, gehört als Kunstsachverständiger zum Vorbereitungsteam

Der Kunstverein Herdecke formiert sich: In der Alten Schule am Ahlenberg, die die Stadt als Flüchtlingsunterkunft nutzen will, gibt es Rückendeckung für die Künstlerin Sofia Kouldakidou und ihren Mann Savvas Tsentemeidis (vorn). Auch Tayfun Belgin (mit Brille), Leiter des Osthaus-Museums in Hagen, gehört als Kunstsachverständiger zum Vorbereitungsteam

Foto: WP

Herdecke.   Zwar machen Politiker mit, aber die Idee von Bürgern steht beim geplanten Kunstverein für die Alte Schule in Herdecke weiter im Vordergrund.

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Es gibt viele Motive, einen Kunstverein zu gründen. In Her­decke lässt sich diese Idee aber nicht ohne die Vorgeschichte rund um die von der Stadt ausgesprochene Kündigung des Atelierhauses am Ahlenberg betrachten. Am Samstag kamen nun 25 Interessierte in die Alte Schule, um über Vereinsfragen, Satzung und Termine zu beraten. Ergebnis: Der Kunstverein Herdecke (so der Arbeitstitel) soll am 3. September gegründet werden.

Künstlerin Sofia Kouldakidou und ihr Mann Savvas Tsentemeidis, die nach fast 20 Jahren das städtische Haus am Oberen Ahlenbergweg wegen der geplanten Unterbringung von Flüchtlingen im November verlassen sollen, freuten sich über die Resonanz von Nachbarn, Freunden, Künstlern und Politikern. Wobei viele Besucher berichteten, dass weitere Interessierte aus ihrem Umfeld gerne zu dem kurzfristig angesetzten Treffen gekommen wären. „Ich bin dankbar, dass sich in letzter Zeit viele auch aus der Bevölkerung für uns engagiert haben. Das tut gut und gibt uns große Kraft, um weiter zu machen“, sagte Kouldakidou zur Begrüßung. Auch die Vertreter der SPD und Grünen lobte sie, da diese nicht zu allem Ja sagen, sondern mitfühlen und mitdenken. Zumal die Unterstützung ja womöglich nicht nur ihr, sondern auch Herdecke zugute komme.

Eine Anerkennung

Diesen Faden nahm dann Tayfun Belgin auf. Der Leiter des Osthaus-Museums in Hagen kam als Freund, Nachbar und Kunstsachverständiger zum Ahlenberg, also unabhängig von seinen Aufgaben als städtischer Fachbereichsleiter. „Ich sehe mich hier als Anwalt der Künstler.“ Die Gründung eines Vereins sei gewissermaßen auch eine Anerkennung der Leistung des Ehepaars Kouldakidou/Tsentemeidis, die aus einer „Bruchbude ein blühendes Ansehen“ gemacht haben. Aus seiner Erfahrung heraus eigne sich das Atelierhaus als Örtlichkeit, da es hier viele Ausstellungen, Konzerte oder Gesprächsrunden gab. „All dies deckt das klassische Tätigkeitsfeld eines Kunstvereins ab“, so Belgin. „Solch einen Verein gibt es ja in Herdecke auch noch nicht. So könnte aus der Krise für dieses Haus etwas Positives entstehen, wir sollten das ästhetische Umfeld kultivieren und einen Mehrwert schaffen.“

Er gehört wie das heimische Ehepaar, Peter Gerigk von den Grünen oder auch Susann Sonnenberg als aktuell ausstellende Künstlerin zu einem elfköpfigen Team, das die Vereinsgründung vorbereitet und auch Hinweise aus der Gesprächsrunde aufnehmen will. Neben rechtlichen und formellen Fragen (Vorstand, Beirat, Mitgliedsbeitrag, Versammlungen) ging es auch um die Bedeutung für Herdecke. Dort gebe es den Kulturverein, der laut Gerigk weitgehend unter städtischer Regie stehe, sowie die Galerie in der Goethestraße und jene der Dörken-Stiftung. „Der neue Kunstverein wäre eine super Ergänzung zu den bestehenden Angeboten. Wir müssen einerseits gucken, dass wir unsere Schwerpunkte deutlich definieren, und andererseits Kooperationen anstreben“, so der Grünen-Politiker. Seine Frau Irmingard Schewe-Gerigk habe ihm mit auf den Weg gegeben, dass der Verein keinesfalls als Anti-Flüchtlings-Initiative angesehen werden darf.

Qualitätsanspruch

Auch Jan Schaberick von der SPD betonte, dass die Einrichtung für künstlerische Interessen aus der Bürgerschaft bzw. Mitte der Gesellschaft hervorgehen soll. „Wir aus der Politik tragen die Idee nur weiter, dies dient nicht als Argument bei der Flüchtlingsunterbringung.“ Zur Diskussion um Bürgernähe und abgehobene Kunstansprüche sagte Tayfun Belgin: „Die Impulse für das Programm etwa mit Lesungen sollen aus den Reihen der Mitglieder kommen. Wir sollten aber auf eine gewisse Qualität und Professionalität achten.“ Künstlerin Birgit Beßler wiederum würde sich generell freuen, wenn der Verein als Netzwerk bzw. Anlaufstelle für Kreative agiert. „Als ich hier in die Gegend kam, hat mir genau so etwas gefehlt.“

Das Schlusswort hatte Gastgeberin Sofia Kouldakidou, die den Kunstverein Herdecke auch für Interessierte aus anderen Städten öffnen will und diesen nicht nur aus der Not heraus betrachtet wissen will. Wichtig sei, das vorhandene Potenzial, die Kontakte und Kenntnisse zu nutzen. „Wir wollen in jedem Fall so leidenschaftlich weiter machen, wie wir bisher hier gelebt und gearbeitet haben.“

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