Natur

Landfrauen aus Wetter kochen, dörren, backen nach der Ernte

Die Landfrauen Nicole Schreiber (links) und Heike Backhaus geben Tipps rund um die Obsternte und stellen auch selbst kreierte Rezepte vor.

Die Landfrauen Nicole Schreiber (links) und Heike Backhaus geben Tipps rund um die Obsternte und stellen auch selbst kreierte Rezepte vor.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.   Die Landfrauen Heike Backhaus und Nicole Schreiber machen die Früchte aus dem Garten haltbar.

„Es ist ein Wunder für uns. Die Getreideernte haben wir letzte Woche, drei Woche früher als üblich, abgeschlossen. Die Körner sind gut. Die Weizen-, Roggen- und Haferernte ist viel besser als erwartet. Nur bei Gerste und Raps sind die Erträge schlechter“, sagt Landwirtin Heike Backhaus. Dabei ist die Getreideernte Sache ihres Mannes Reinhard Backhaus, der den Hof am Limbecker Weg in Voßhöfen in der dritten Generation führt. Sie selbst kümmert sich derweil um Haus und Garten. Auch dort ist die Ernte überwiegend üppig – wobei sie einigen Pflanzen mit Wasser aus dem hofeigenen Brunnen über die heißen Tage hinweg hilft. Was der Garten hergibt, und was man damit machen kann, das stellt Heike Backhaus gemeinsam mit Ernährungsberaterin Nicole Schreiber vor.

Stütze für das Apfelbäumchen

Nicole Schreiber, wie Heike Backhaus Mitglied im Kreislandfrauenverband Hagen/Ennepe-Ruhr, hat zwar keinen eigenen Bauernhof, lebt aber auf Hof Hinnebecke in Volmarstein und ist – wie sie über sich selbst sagt – „jahreszeitenhörig“. Ortstermin im Garten von Heike Backhaus; ein Blick Richtung Kirschbaum zeigt: Hier ist die Erntezeit schon beendet. „Die Süßkirschen verarbeiten ich zu Marmelade, aber die meisten essen wir meist direkt vom Baum“, erzählt Heike Backhaus. Äpfel und Birnen hingegen reifen noch. „Dort drüben das Apfelbäumchen trägt so viel, dass wir die Äste schon abstützen mussten. Und ich gieße es auch regelmäßig, genauso wie einige Sträucher“, sagt die Voßhöfenerin. Äpfel werden aktuell noch nicht geerntet. „Nur die Klaräpfel, die man nicht lagern kann, sind schon reif“, weiß Nicole Schreiber. „Sie eignen sich gut für Apfelkompott und Apfelkuchen.“ Sorten wie Cox Orange, Boskop, Elstar oder Gloster werden trocken und dunkel gelagert.

Brombeeren und Holunder pflücken

„Wer sehr viel erntet, kann seine Äpfel aber auch zur bäuerlichen Absatzgenossenschaft nach Haßlinghausen bringen, um Saft daraus machen zu lassen“, ergänzt Heike Backhaus. „Kinder mögen es, Äpfel in dünne Scheiben zu schneiden, sie mit Nähgarn aufzufädeln und dann trocknen zu lassen. Die Scheiben müssen aber frei hängen“, so Nicole Schreiber. Darüberhinaus lassen sich Apfelscheiben auch im Backofen oder im Dörrautomaten dörren. Natürlich fordere die aktuelle Trockenheit ihren Tribut, sagt Nicole Schreiber: „Die Brombeeren und Holunderbeeren sind ziemlich klein und müssen im Laufe der Woche schon von den Sträuchern.“ Beide Früchte eignen sich perfekt für Gelees. Ebenso wie Johannisbeeren, die Heike Backhaus in dieser Saison erstmals zusammen mit Bananen zu Marmelade verarbeitet hat. Auf ihr Lieblingsobst muss Heike Backhaus allerdings noch ein bisschen warten: „Ich freue mich schon auf die Pflaumen, weil ich unbedingt das neue Pflausch-Rezept von Nicole Schreiber ausprobieren möchte. Das ist eine Zwetschgen-Marmelade mit Schokoladenstückchen.“

Lieblingsfrüchte hat Nicole Schreiber nicht: „Ich habe dann Lust auf die Sachen, wenn sie verfügbar sind. Meine Jahreszeitenhörigkeit ist nicht antrainiert, sondern das ist ganz einfach traditionelles Kochen und saisonales, regionales Einkaufen. Ich mag es, mich auf der Jahreszeiten-Welle fortzubewegen. Wenn ich zum Beispiel zwölf Monate Erdbeeren zur Verfügung habe, kann ich mich gar nicht richtig darauf freuen.“ Heike Backhaus nickt und versichert: „Es käme mir nie in den Sinn, im November eine Erdbeertorte zu backen.“

Rezepte

Pflausch-kuschelige Pflaumen-Marmelade
mit Schokolade

Zutaten: 1kg Zwetschgen, entsteint gewogen, 1 Paket Gelierzucker 2:1, 50 g Zartbitter-Kuvertüre

Zubereitung: Pflaumen in kleine Stücke schneiden, mit dem Gelierzucker mischen und drei bis vier Stunden durchziehen lassen; in der Zwischenzeit die Kuvertüre fein hacken. Das Obst-Zucker-Gemisch erhitzen und drei Minuten sprudelnd kochen lassen; Herd abschalten, Topf von der Kochstelle nehmen und die Schokoraspeln vorsichtig unterheben. In Schraubgläser füllen, verschließend und auf den Kopf stellen. Die Marmelade muss nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden; verschlossen hält sie sich sechs Monate.


Apfelschnitten

Zutaten für den Teig:300 g Mehl, 3 TL Weinstein (oder Backpulver), 150 g Magerquark,2 EL gemahlene Mandeln, 5 EL Öl, 1 Prise Salz
Zutaten für den Belag: 900 g Klaräpfel, 4 EL Zitronensaft, 2 EL Butter, 100 g Mandelstifte, 3 Eier, 350 g Magerquark, 150 g Schmand, 80 g Zucker, 2 P. Vanillezucker, 2 TL abgeriebene Zitronenschale (Bio), 2 EL Mehl

Zubereitung: Mehl und Backpulver mischen. Mit Quark, Mandeln, Öl, Ei und Salz zu einem geschmeidigen Teig verkneten, dann 300 Minuten ruhen lassen. Äpfel schälen, vierteln, Kerngehäuse entfernen. Viertel mit Zitronensaft bepinseln. Backofen auf 190 Grad vorheizen (Umluft 170 Grad), Butter zerlassen, Mandelstifte einrühren. Eier trennen, Eiweiß steif schlagen, Eigelb, Quark, Schmand, Zucker, Vanillezucker, Zitronenschale und mehl glatt rühren. Eischnee vorsichtig unter die Masse heben. Backblech fetten, mit dem Teig belegen, einen Rand hochziehen. Apfelviertel auf dem Teig verteilen. Quarkmasse darauf geben und verstreichen. Mandel-Butter-Mix darauf verteilen. Kuchen im Ofen auf der unteren Schiene 30 bis 40 Minuten backen. Abkühlen lassen; mit Puderzucker bestäuben.

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