Segeln

Leinen los für Segler im Rollstuhl

Ein Spezialboot für Menschen mit Rollstuhl machte am Ufer des Harkortsees fest.

Ein Spezialboot für Menschen mit Rollstuhl machte am Ufer des Harkortsees fest.

Foto: Karola Schröter

Wetter.   Das barrierefreie Boot des Projektes „Grenzenlos segeln“ machte in Wetter Halt. Ab sofort kann man kostenfreie Fahrten buchen.

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Segeln ist nicht nur ein teures Hobby, es ist auch nicht jedem von der körperlichen Verfassung her möglich, diesen Wassersport auszuüben – je nach Handicap. Benachteiligt sind vor allem die Menschen, die sich im Rollstuhl fortbewegen. Bis jetzt. Denn mit dem Projekt „Grenzenlos Segeln“ ist es jedem möglich, egal welcher sozialen Herkunft oder Beeinträchtigung, die Leinen los zu lassen. Das barrierefreie Segelboot konnte am Samstagmorgen samt Rolli-Besatzung nun auch vom Ufer des Harkortsees in Wetter abgelegen.

Weniger Teilnehmer als erhofft

„Wetter ist schön, aber nicht das Wetter“, scherzt Jörg Bielau von der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Hagen. Eisiger Wind und dicke Wolken am Himmel ließen die Eröffnungsveranstaltung zwar nicht ins Wasser fallen, aber neben den Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft, darunter der Wettersche Bürgermeister Frank Hasenberg und Pfarrer Karsten Malz, hatten nur wenige die Einladung angenommen. Bevor es schließlich aufs Wasser ging, wurde das Segelprojekt noch einmal kurz vorgestellt, das durch die Evangelische Jugend von Westfalen, Hagen, Witten-Hattingen und Dortmund, unterstützt vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, möglich gemacht wurde. Die Grußworte nahmen da schon mehr Zeit in Anspruch. Pfarrer Karsten Malz: „Inklusion ist eine Herzensangelegenheit. Und die hat es hier in dieser Form noch nicht gegeben. Acht Personen, darunter drei Rollstuhlfahrer, finden Platz auf dem Boot. Wir haben jetzt die Chance etwas tu tun, was man noch nicht getan hat.“

Begeisterung über das Projekt zeigte ebenso Bürgermeister Frank Hasenberg: „Ich bin beeindruckt. In Wetter sollen alle Menschen gut leben können. Das ist unser Leitsatz. Wir stehen für eine soziale und gerechte Gesellschaft.“ Unter den Gästen war auch Dirk Loose. Er gehört dem Verein Sail together an. „In Dortmund auf dem Phönixsee wird das inklusive Segeln bereits richtig gut angenommen“, so der 57-jährige Rolli-Fahrer. Der Vereinsvorsitzende Lothar Ständecke fügt hinzu: „Wir haben sogar manchmal zwei, drei Termine in der Woche.“

Das sieben Meter lange Boot ist eine Spezialanfertigung aus Vollaluminium und mit 2,5 Kilowatt Elektromotor ausstaffiert, konstruiert von Matthias Müller. Alles, was notwendig ist, um ein Segelboot zu führen, kann vom Rollstuhl aus erreicht werden. Eine Rampe ermöglicht das Befahren mit den vierrädrigen Fortbewegungsmitteln. Jörg Bielau: „Endlich können Menschen mit oder ohne Handicap gemeinsam die Freiheit auf dem Wasser genießen.“

Dann machte sich die Mannschaft endlich auf über einen aus Holz angelegten kleinen Weg hinab Richtung Wasser. Die Retter der DLRG machten ihr kleines Boot startklar, das neben dem Segelboot bereit stand. Trotz niedriger Temperaturen legte auch Bürgermeister Frank Hasenberg die Schwimmweste an.

Begeistert folgte ihm Dirk Pfeiffer von Sail together in seinem Elektrorollstuhl auf das Schiff, und schon legte das Boot mit dem hohen Mast ab und steuerte dem Abenteuer entgegen.

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