Hospiz

Mediziner plant palliatives Hospiz in Herdecke

Dr. Wolf Diemer, Leiter des Zentrums für Palliativmedizin in Herne, mitten in seinem Wohnort Herdecke. Hier möchte er ein palliatives Hospiz gründen.

Dr. Wolf Diemer, Leiter des Zentrums für Palliativmedizin in Herne, mitten in seinem Wohnort Herdecke. Hier möchte er ein palliatives Hospiz gründen.

Foto: Veronika Szary

Herdecke.  Der Palliativmediziner Wolf Diemer will in Herdecke ein palliatives Hospiz eröffnen. Dafür sucht er Mitstreiter, die beim Fundraising mithelfen.

Die Schmerzen von unheilbar kranken Menschen lindern, ihnen in den letzten Monaten oder Wochen mehr Lebensqualität geben. Das ermöglicht Dr. Wolf Diemer, Leiter des Zentrums für Palliativmedizin im Evangelischen Krankenhaus Herne, seinen Patienten. Und das möchte er auch Menschen in seinem Wohnort Herdecke bieten, die an einer Krankheit leiden, die nicht heilbar ist. „Ich möchte Herdecke etwas zurückgeben“, betont Wolf Diemer. Seine Idee: ein Hospiz gründen, bei dem die Gäste, so werden die Bewohner eines Hospizes genannt, bis zu ihrem Lebensende versorgt und in dem sie zudem auch palliativ betreut werden.

In Witten, Hagen und Dortmund gibt es bereits Hospize. „Da kann man sich natürlich die Fragen stellten, ob man in Herdecke auch noch eins braucht. Meine Antwort ist aber ganz klar: Ja! Denn der Bedarf ist bei Weitem nicht gedeckt. Es gibt viele Menschen, die auf der Warteliste dieser Hospize versterben. Es ist wichtig, dass Patienten schneller nach der Diagnose versorgt werden“, sagt Diemer. Gerade Singles, die alleine leben, hätten keine Möglichkeit, sich in einem fortgeschritten Krankheitsstadium selbst zu versorgen. Das Hospiz in Herdecke würde sich dann vom Einzugsgebiet her auch an die Umgebung und hier vor allem an den Dortmunder Süden richten. „In Dortmund gibt es nur im Osten und Westen Hospize, da ist auch noch Bedarf“, so Diemer.

Wiege der Hospizbewegung

Zudem wäre laut dem Herdecker in einem palliativen Hospiz auch die medizinische und diagnostische Versorgung in höherem Umfang vorhanden, als das normalerweise der Fall ist. Somit lehnt sich seine Idee an die Einrichtungen in Großbritannien an – das Land gilt als Wiege der Hospizbewegung in Europa. Durch den palliativen Aspekt wäre es laut Wolf Diemer möglich, dass die Gäste nicht unbedingt bis zu ihrem Lebensende dort bleiben. Sondern durch medizinische Versorgung so weit stabilisiert werden, dass sie möglicherweise zu Hause oder in einem Altersheim bis zu ihrem Tod betreut werden können.

Schneller Leiden lindern

„Das liegt mir wirklich am Herzen. Ein palliatives Hospiz könnte durch die medizinische und diagnostische Kompetenz vor Ort schneller Leiden lindern, zum Beispiel in dem zügig Bauchwasser abgelassen werden kann, wenn es sich im Bauchraum angesammelt hat. Dazu könnte sich etablieren, dass Gäste auch wieder entlassen werden, wenn sie sich stabilisiert haben“, erklärt Diemer. Zwar gibt es bereits ambulante palliative Dienste, die seien aber nicht jeden Tag in den Hospizen vor Ort.

Idee eines Fördervereins

Um diese Idee zu realisieren, sucht Wolf Diemer nun Mitstreiter. „Ich würde gerne einen Förderverein gründen und suche Mitglieder, die bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten mithelfen und sich engagieren wollen. Es geht nicht darum, dass jedes Mitglied viel Geld spenden soll, sondern beim Fundraising mitmacht und ein Netzwerk aufbaut“, sagt der Palliativmediziner.

Generell müssen stationäre Hospize fünf Prozent ihrer laufenden Kosten über Spenden finanzieren. Damit ein neues Objekt mit etwa 10 bis 12 Gästezimmern in Herdecke überhaupt neu gebaut werden kann, sind Investitionen in Höhe von etwa drei Millionen Euro notwendig. Ein geeignetes Objekt zu finden, das bereits besteht, sei schwierig, da die Räume auf einer Ebene sein sollten. „Ich habe auch schon mit der Bürgermeisterin und Mitarbeitern des Gemeinschaftskrankenhauses gesprochen. Sie sehen das durchaus positiv, wenn die Finanzierung steht. Wenn das klappt, wäre das eine Bereicherung für das Krankenhaus und für die ganze Stadt“, ist Wolf Diemer überzeugt.

Keine Bestrebungen von Seiten des Krankenhauses

Sowohl das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke (GKH) als auch die hiesige Stadtverwaltung bestätigten eine Kontaktaufnahme von Dr. Wolf Diemer. Diese liege aber bereits Jahre zurück.

Geschäftsführer Christian Klodwig berichtete, dass Dr. Diemer vor einiger Zeit mit einem solchen Anliegen auf die Unternehmensleitung des Krankenhauses zugekommen sei. „Aus der jüngeren Vergangenheit sind mir keine offiziellen Kontakte mit dem GKH und den hier verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen bekannt.“

Die Geschäftsführung verweist darauf, dass die GKH-Stiftung vor elf Jahren ein ambulantes Hospiz ins Leben gerufen hat. Dieses konnte sich auch dank des Engagements von Gründerin Marly Joosten (und seit Kurzem von Ulrike Markus) „seither sehr gut in der Region etablieren“, so Klodwig. Das bedeutet: „Von Seiten des Gemeinschaftskrankenhauses bzw. unserer Stiftung gab und gibt es keine Bestrebungen, ein stationäres Hospiz zu gründen. Dies hatten wir seinerzeit auch Herrn Dr. Diemer zur Kenntnis gebracht.“

Viele offene Fragen für Verwaltung

Das Gespräch mit der Stadt Herdecke fand im Juni 2017 statt, wie es aus dem Rathaus heißt. Als Verwaltung sei diese Initiative von Dr. Diemer zu begrüßen. „Es ist für uns aber völlig ungeklärt, wie wir als Verwaltung das begleiten könnten und ob das konkret werden könnte.“

Interessierte können schriftlich oder telefonisch Kontakt aufnehmen: per Mail an wolf@diemer-her.de oder per Telefon an 0171 4014480

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