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Mehr Barrierefreiheit für die Region

Unebenheiten, Rillen, Bürgersteigabgänge, Treppen. Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist, der steht im täglichen Leben vor vielen Hürden. Erschwerend kommt (wie auf diesem Bild) hinzu: Was für den Blinden eine wichtige Fortbewegungshilfe darstellt, bereitet einem Rollatorfahrer Probleme.

Foto: Elisabeth Semme

Unebenheiten, Rillen, Bürgersteigabgänge, Treppen. Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist, der steht im täglichen Leben vor vielen Hürden. Erschwerend kommt (wie auf diesem Bild) hinzu: Was für den Blinden eine wichtige Fortbewegungshilfe darstellt, bereitet einem Rollatorfahrer Probleme. Foto: Elisabeth Semme

Ennepe-Ruhr.  Die große Umfrage: Was kann für mobilitätseingeschränkte Bürger getan werden?

Zu einer modernen Gesellschaft gehören Gebäude, Wege und Straßen, die für jeden zugänglich sind. Für Blinde, für Eltern mit Kinderwagen, für Rollstuhlfahrer und Benutzer von Rollatoren. Die Anzahl an barrierefreien Orten und Gebäuden nimmt auch im Kreisgebiet stetig zu, Möglichkeiten zur Optimierung gibt es aber natürlich noch in Hülle und Fülle. Die Lokalredaktion fragte Leser auf Facebook, in Altenheimen, in Sportvereinen und auf der Straße „Was könnte im Kreis für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen getan werden?“ Mit diesen Fragen kontaktierten wir die Städte und weitere zuständigen Institutionen und baten um Antwort. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie nun im zehnten Teil der großen Mobilitätsserie.

Dirk Voss, Rollstuhlfahrer aus Wetter: „Wenn ich mit dem Linienbus irgendwo hinfahre, klappt es meistens ganz gut. Wenn ich aber mit einer Freundin einen gemeinsamen Ausflug machen will, kommen wir häufig nicht mit zwei Rollstühlen gleichzeitig in einen Bus, weil nicht genug Platz da ist. Kann man erwarten, das s die VER irgendwann mehr Busse einsetzt (oder umbaut), die mehr Platz für Rollstuhlfahrer bieten?“

Peter Bökenkötter (Geschäftsführer VER): „150 Fahrzeuge umzurüsten, ist sehr aufwändig und teuer. Wir sind aber bereits dabei, die Busse soweit umzurüsten, dass sie für Mobilitätshilfen einen doppelt breiten Bereich bieten. Auch für den zukünftigen Bau neuer Busse haben wir das im Blick.

Ursela Evers, Rollatorfahrerin aus Gevelsberg: „Der Bürgersteig in der Unterführung Heideschulstraße/ Bahnhof Kipp nahe des Hans-Grünewald-Hauses ist für uns, die wir auf Rollatoren oder Rollstühle angewiesen sind, sehr eng, der Weg ist zudem uneben, und nur auf einer Seite kann man sich als „Nicht-Autofahrer“ überhaupt fortbewegen. Überhaupt sind im ganzen Stadtgebiet zu wenige Fußwegabsenkungen vorhanden. Könnte daran etwas geändert werden?“

Stadt Gevelsberg: „Leider ist es aus unterschiedlichsten Gründen nicht möglich, alle Bestandsbereiche im gesamten Stadtgebiet barrierefrei darzustellen. Zum einen führt die vorhandene Topographie zu Restriktionen, zum anderen auch aber auch vorhandene bauliche Anlagen. So befindet sich die erwähnte Unterführung im Eigentum der Bundesbahn. Ein Ausbau (Brückenneubau) wäre sehr kostspielig und ist aus diesen Gründen aktuell von der Bahn nicht geplant. Größere Unebenheiten in den Gehwegbereichen an der Haßlinghauser Straße und im Bereich der Bahnunterführung werden auf Anregung von Frau Evers kurzfristig beseitigt. Dasselbe gilt für Unebenheiten im Bereich der Körnerstraße.

Annemarie Dohmen (Rollatorfahrerin aus Schwelm): „In der Umgebung des Ev. Feierabendhauses (Potthoffstraße/Döinghauser Straße/Kaiserstraße) gibt es viele Ecken, wo die Gehwege stark gerillt sind. Wenn man da mit dem Rollator entlang fährt, muss man wirklich gut balancieren können. Kann da Abhilfe geschaffen werden?“

Stadt Schwelm: „Die Technischen Betriebe Schwelm kontrollieren regelmäßig die Gehwege, wobei naturgemäß die Sicherheit vor Unfällen im Mittelpunkt steht. Die wichtige Anregung von Frau Dohmen wird gerne für weitergehende Überlegungen aufgenommen – das Thema „Barrierefreiheit“ wird in Schwelm sehr ernst genommen. Zudem wird in den nächsten Jahren im Rahmen der „Neuen Mitte“ die Innenstadt modern angepasst. Das beinhaltet zum Beispiel auch die Frage danach, wie der Grund z.B. in der Fußgängerzone gestaltet sein sollte, damit möglichst viele Menschen auch mit Rollatoren und Rollstühlen sich hier problemlos fortbewegen können.

Monika Isenberg, Rollatorfahrerin aus Wetter: Häufig schaffe ich es nicht alleine mit meinem Rollator in den Bus und bin auf Hilfe von Fremden angewiesen. Leider lassen mir die Busfahrer häufig nicht genug Zeit, reinzukommen oder übersehen mich einfach und fahren weiter. Wie wird das Personal diesbezüglich geschult und kann man da vielleicht nochmal nachbessern?“

Peter Bökenkötter vom VER: Natürlich werden die Fahrer daraufhin geschult, in der Hektik kann sowas jedoch leider mal passieren. Wenn sie jedoch das Gefühl haben, dass Sie mit Absicht übersehen werden, melden Sie sich bitte bei uns. Wenn man Ross und Reiter kennt, können wir mit dem Kollegen reden.

Annegret Lüder (Evangelischer Seniorenkreis Herdecke): In unserer Stadt gibt es viele Straßenabschnitte, die mit Kopfsteinpflaster versehen sind, vor allem in und an der Stiftsstraße /zum Teil Alte Stiftsstraße. Die Frage ist: Wer hat für diese Straßenabschnitte die Zuständigkeit? Nicht nur für Gehbehinderte, sondern auch für Familien mit Kinderwagen, sind diese Wege sehr schlecht zu bewältigen.

Anna Baumann, Inklusionsbeauftragte der Stadt Herdecke: „Das Kopfsteinpflaster als Merkmal unserer historischen Altstadt befindet sich in Herdecke an einigen Stellen und ist für Rollstuhlfahrer ganz sicher problematisch. Beim Abbau von Mobilitätsbarrieren, besonders in der Innenstadt, ist Herdecke in den vergangenen Jahren schon sehr gut voran gekommen. Was den konkreten Bereich rund um die Alte Stiftsstraße angeht, spielt auch die Topographie eine Rolle. Ich werde mir diesen Bereich aber gerne nochmals anschauen und gemeinsam mit den Tiefbaukollegen überprüfen, ob wir, abseits von großen baulichen Veränderungen, eine Verbesserung hinbekommen können.“

Ellen Piepenbrink (Rollstuhlfahrerin aus Schwelm): „An vielen Absenkungen in der Innenstadt, die uns ja eigentlich das Fortbewegen erleichtern sollen, parken ständig Autos. Kann man da keine Sperrflächen einzeichnen, so dass wir Rollstuhlfahrer da besser runterkommen?“

Stadt Schwelm: „Eingezeichnete Sperrflächen dienen in der Regel allein dem Freihalten von Aus-/Einfahrten. Autofahrer wissen, dass sie abgesenkte Bordsteine nicht zuparken dürfen. Da die städtische Parkraumbewirtschaftung leider feststellen muss, dass trotzdem manche Bürger ihr Auto hier falsch parken und damit gehbehinderten Menschen große Schwierigkeiten bereiten, verfolgt sie das Thema besonders intensiv.“

Dirk Uebelgünne, Leser aus Ennepetal: „Der erste Teil der Hinnenberger Straße in Voerde sollte mal saniert und angepasst werden. Man kann weder über den Bordstein mit einem Rollstuhl fahren noch über die Straße, da diese in einem desolaten Zustand ist. Als Stoßdämpfer-Teststrecke ist sie jedoch gut geeignet.“

Stadt Ennepetal: „Die Problematik ist uns bisher nicht bekannt gewesen. Unsere Behindertenbeauftragte wird sich aber aufgrund Ihrer Anfrage mit dem Problem befassen, und wir werden versuchen, zeitnah eine Lösung für Rollstuhlfahrer zu finden.“

Marc Holland (Rollstuhlfahrer aus Wetter): „Eine bessere Busanbindung an die Evangelische Stiftung in Volmarstein wäre schön, vor allem in puncto Medizinischer Versorgung. Ohne Umsteigen, was für uns Rollstuhlfahrer manchmal eine große Anstrengung darstellt, zum Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus oder zum Hagener Mops-Krankenhaus zu kommen, ist nicht möglich. Kann man daran etwas ändern?“

Peter Bökenkötter: Da können wir von der VER alleine nichts ändern. Den Nahverkehrsplan festzulegen, ist Aufgabe des Kreistags. Dort werden regelmäßig alle Interessen zusammengetragen, es muss auch geschaut werden, was finanzierbar ist. Manche Direktverbindungen lassen sich bei zu schwacher Fahrgastfrequenz nicht einrichten oder halten.

>>> Drei Fragen an: Axel Fiedler

2013 veröffentlichte die Stadt Wetter den „Aktionsplan menschengerechte Stadt“. Ein 184 Seiten starkes Werk mit einer Auflistung zahlreicher Ziele zur Umgestaltung von Einrichtungen und Strukturen im Stadtgebiet, um Mobilitätseingeschränkten das Leben in Wetter nachhaltig zu erleichtern.

Im vergangenen November erschien ein Zwischenbericht mit dem Titel „Wir haben schon viel erreicht – was gibt es noch zu tun?“ Die Stadt zieht nach knapp vier Jahren ein positives Zwischenfazit. Axel Fiedler, bei der Stadt Wetter zuständig für Behindertenangelegenheiten, stand unserer Zeitung diesbezüglich Rede und Antwort.

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