Kultur

Mehr Ruhe für Anwohner: Konstruktives Gespräch in Herdecke

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Nathaniel Stott und Renate Petrich haben sich die Kritik der Nachbarn angehört und wollen nun konkrete Maßnahmen umsetzen. Ein weiteres Gespräch ist bereits terminiert.

Nathaniel Stott und Renate Petrich haben sich die Kritik der Nachbarn angehört und wollen nun konkrete Maßnahmen umsetzen. Ein weiteres Gespräch ist bereits terminiert.

Foto: Nina Claudy

Herdecke.  Anwohner hatten sich zuletzt häufig über die Lärmbelästigung aus dem Shakespeare Pub beklagt. Eine Gesprächsrunde sollte nun Konflikte lösen.

„Die ,Gelben Karten’ konnten diesmal getrost im Koffer bleiben – das Gespräch fand durchweg in entspannter, konstruktiver und respektvoller Atmosphäre statt“, so resümiert Moderator Michael P. Klotz die Nachbarschaftsrunde im Shakespeare-Pub. Zur Erinnerung: Dort hatte es nach einigen Konzerten Beschwerden von Anwohnern gegeben. Wirt Nathaniel Stott hatte daraufhin zu einem offenen, moderierten Gesprächsnachmittag eingeladen, um Konflikte aus dem Weg zu schaffen.

„Wie bringen wir die berechtigten Bedürfnisse der Nachbarschaft des Pubs in der Hauptstraße nach Ruhe und die Attraktivität der kulturellen Bereicherung für Besucher aus Herdecke und aus dem Umland durch Live-Musik-Events unter einen Hut?“ So lautete die Frage des Nachmittags. „Ich kenne erhitzte Diskussionen zum gleichen Thema, bei denen es quasi als Schiedsrichter notwendig wurde, die Teilnehmer durch die Ermahnungskarten wieder einzufangen, um zu einem zielorientierten Ergebnis zu kommen. Hier war das niemals nötig“, so Klotz im Nachgang der Veranstaltung in einer Mitteilung.

Wenigstens am Sonntag Ruhe

Ums Zuhören ging es zunächst: Stott und Renate Petrich schenkten ihre volle Aufmerksamkeit den Schilderungen der knapp zehn Nachbarn und Interessierten, die der Einladung gefolgt waren. Die dann doch überschaubare Anzahl – anwesend war außerdem Christian Brandt, CDU-Ratsherr in Herdecke und Kreistagsmitglied im Ennepe-Ruhr-Kreis als Quasi-Vertreter der Stadt und der Behörden – war wahrscheinlich dem eher kurzfristig angesetzten Nachmittagstermin geschuldet. Dennoch brachten einige der Anwesenden ihre Kritik auf den Punkt. „Ich erinnere mich an eine Veranstaltung, da hatte ich tatsächlich richtig Angst. Vor allem die Bässe, die ich trotz Ohrstöpseln immer noch spüren konnte, haben mich wirklich sehr gestört“, so eine Nachbarin, die ihre Wohnung in der Fußgängerzone hat.

„Ich bin Schichtarbeiter“, erklärte ein anderer Nachbar. „Wenigstens am Sonntag wünsche ich mir die Ruhe, die ich brauche, um mich mal wirklich zu erholen.“ Ein weiterer Anwohner ergänzte: „Wenn dann zu nachtschlafender Zeit tiefe, weitklingende Männerstimmen und herzhaftes Lachen heller Frauenstimmen die eigentlich stille Nacht stören, dann wünsche ich mir mehr Rücksicht. Ich kenne die Sicht der ,anderen Seite’ selbst aus 30 Jahren Bigband-Erfahrung, und möchte meinen Appell ausdrücklich als ,Ansporn zum Weitermachen’ verstanden wissen – halt nur mit mehr Augenmaß“, bat er.

Bei dem Treffen wurde schnell klar: Die kulturelle Bereicherung mit Wirkung weit über Herdecke hinaus werde durchaus geschätzt, allerdings – so die eindeutige Bitte der Nachbarn – mit Rücksichtnahme. Als konkret mess- und nachvollziehbares Ergebnis wurde ad hoc beschlossen, die für Sonntage angesetzten Termine nach den bereits geplanten auslaufen zu lassen, um eine für die Erholung unverzichtbare Sonntagsruhe vollständig, sicher und dauerhaft zu gewährleisten.

Konzerte beginnen eher

Für Veranstaltungen in der Woche werde noch aufmerksamer auf die Einhaltung der Nachtruhe ab 22 Uhr geachtet werden. Um dennoch Raum für gewünschte Zugaben zu lassen, will man den Beginn etwas früher ansetzen. Bei der Auswahl der Musikgruppen und Solisten will Wirt Nathaniel Stott ab sofort vermehrt darauf achten, dass diese vom Stil und der zu erwartenden Lautstärke besser in das Ambiente passen. Das einzige Problem, das auch direkt angesprochen wurde: „Die Planungen laufen immer schon sechs Monate im Voraus“, so Stott. Renate Petrich vom Pub bittet um direkte Kontaktaufnahme, falls es doch mal zu laut werden sollte: „Wir kriegen das ganz sicher im direkten Kontakt besser hin und brauchen nicht die Polizei oder das Ordnungsamt damit zu belasten!“

Auch die Idee der Gäste aus dem Umfeld, sich etwa über ein Nachbarschafts-Kaffeetrinken besser kennenzulernen, steht auf der Agenda, dies wurde quasi als Hausaufgabe mitgenommen. Um die Pub-Besuchern, die sich auch weit nach der letzten Runde, manchmal bis in die frühen Morgenstunden und nicht immer in Zimmerlautstärke unterhalten, daran zu erinnern, dass sie sich eben in einer bewohnten Fußgängerzone befinden, soll in den Abendstunden mit den Speisen und Getränken ein Flyer verteilt werden.

Ein weiteres Nachbarschaftsgespräch ist für den 11. September um 17 Uhr geplant. Der jüngst geknüpfte, noch zarte Gesprächsfaden soll also in Zukunft an Stabilität gewinnen – zugunsten eines harmonischen, gut-nachbarschaftlichen Verhältnisses, bei dem allen Bedürfnissen maximal möglich Rechnung getragen wird.

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